Präsident Trump zeigt sich unbeeindruckt vom Wertverlust des US-Dollars in den letzten Tagen – prompt setzt sich die Rallye an den Edelmetallmärkten fort. Scheinbar reagieren die Märkte eher auf einen potenziellen Wertverlust des Dollars als auf den tatsächlichen Wertverlust, analysiert Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär:
Das Ausmaß der Kursbewegungen auf den Edelmetallmärkten ist einfach erstaunlich. Nach den Äußerungen von Präsident Trump, er sei nicht besorgt über den Rückgang des US-Dollars in den vergangenen Tagen, rutschte der Greenback weiter ab und trieb damit die Gold- und Silberpreise auf über 5.250 US-Dollar bzw. 115 US-Dollar pro Unze.
Die Metallmärkte scheinen in letzter Zeit deutlich sensibler auf Bewegungen des US-Dollars zu reagieren als früher. Während der Dollar seit Jahresbeginn nur um etwas mehr als 3 % gefallen ist, sind Gold und Silber um rund 20 % bzw. 60 % gestiegen. Diese Entwicklung geht weit über den tatsächlichen Rückgang des Dollars hinaus. Sie spiegelt eine wachsende Besorgnis über die politischen Machtspiele von Präsident Trump wider, sowohl im Inland als auch im Ausland, und dreht sich um das potenzielle Abrutschen des Dollars.
„Der Dollar ist unsere Währung, aber Euer Problem“, sagte der damalige US-Finanzminister John Connally 1971. Für die Edelmetallmärkte scheint dieses Zitat die aktuelle Situation sehr gut widerzuspiegeln. Dort ist die Absicherung gegen mögliche Währungsabwertung in vollem Gange, obwohl anderswo kaum Anzeichen dafür zu finden sind, insbesondere nicht auf dem viel größeren Anleihemarkt.
Es braucht nicht viel Geld, um die Gold- und Silberpreise zu bewegen. Bei der Überprüfung der Kapitalflüsse stellen wir fest, dass physisch gedeckte Goldprodukte seit Jahresbeginn kontinuierliche Zuflüsse verzeichnen. Dies steht im Gegensatz zu Silber, wo solche Produkte Abflüsse verzeichnen, was möglicherweise auf Gewinnmitnahmen westlicher Investoren hindeutet. Allerdings sehen wir Preisbewegungen dieser Größenordnung nicht in den physischen Märkten begründet.
Kurzfristige und spekulative Terminhändler haben das Sagen und nutzen sowohl etablierte Börsen als auch zunehmend Blockchain-basierte Plattformen wie Hyperliquid. Silber ist nach Bitcoin und Ethereum zum drittaktivsten Markt auf Hyperliquid geworden. Derzeit dominieren die Kapitalflüsse die Fundamentaldaten, die für Gold und Silber nach wie vor insgesamt günstig sind. Vor diesem Hintergrund halten wir die technische Analyse für ein besser geeignetes Instrument zur Beurteilung des Marktes. Wir halten vorerst an unseren etablierten Einschätzungen fest – konstruktiv für Gold und neutral für Silber –, werden aber unsere Kursziele überprüfen.













