EZB: Zeit der Gelassenheit ist vorbei

Der Irankrieg holt auch die Notenbanken aus der Komfortzone heraus. Noch Ende Februar schien es so, als ob die EZB ihre Geldpolitik der ruhigen Hand bedenkenlos fortführen könnte. Geradezu mantraartig wiederholte Notenbankpräsidentin Christine Lagarde ihr Credo: »We are in a good position«. Und die Eurozone scheint sich in der Tat seit einigen Monaten in einem ökonomischen Gleichgewicht zu befinden: Das Wachstum beträgt derzeit 1,0% bis 1,5% und die Inflation schwankt um 2,0% – Herz, was willst du mehr.

Abb. 1: Schock oder Schöckchen?

Quellen: Bloomberg, Bantleon

Operation »Epische Wut« hat das Umfeld jedoch mit einem Schlag verändert. Seit Anfang März schwankt der Rohölpreis (Brent) zwischen 80 und 120 USD pro Barrel. Zuletzt waren es um 100 USD und damit fast 50% mehr als Mitte Februar (68 USD). Gleichzeitig hat sich der Gaspreis um über 70% verteuert (Anstieg von 30 auf gut 50 Euro pro MWh). Wie Abb. 1 zeigt, ist dieser Preissprung vor allem bei Gas noch nicht mit dem Ukraine-Schock vergleichbar. Dennoch steht schon jetzt fest, dass die jüngste Entwicklung sich in der Inflationsrate vom März namhaft niederschlagen wird. So liegen etwa die deutschen Kraftstoffpreise im laufenden Monat bereits 15% über dem Durchschnitt von Februar. Allein dies dürfte die deutsche Teuerungsrate um 0,6%-Punkte nach oben befördern.

In Anbetracht dessen rumort es bereits innerhalb des EZB-Rats. So hat in den Augen des slowakischen Notenbankpräsidenten Peter Kazimir das Aufwärtsrisiko bei der Inflation klar zugenommen, weshalb im weiteren Jahresverlauf Zinsanhebungen nicht mehr ausgeschlossen seien. Kündigt sich also bei der EZB in den nächsten Monaten ein Regimewechsel an?

3 Prozent Inflation sehr wahrscheinlich

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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