Mehr als 50 Prozent der Vermögen von Family Offices sind in Immobilien investiert. Das zeigt der Kingstone Family Office Real Estate Report 2025, für den 32 Family Offices aus dem DACH-Raum befragt wurden. Die Assetklasse bleibt damit trotz geopolitischer Spannungen, regulatorischer Eingriffe und struktureller Marktveränderungen fest im Portfolio verankert.
Im Zentrum steht das Direktinvestment. Rund achtzig Prozent der Immobilienanlagen erfolgen ohne zwischengeschaltete Fondsstrukturen. Der Schwerpunkt liegt klar auf Deutschland. Diskutiert wurden die Ergebnisse im Rahmen eines Webinars.
„Family Offices agieren in einem Spannungsfeld aus makroökonomischen Veränderungen und strukturellen Megatrends. Entscheidend ist, wie diese Faktoren in eine langfristig tragfähige Allokationsstrategie übersetzt werden“, ordnet Maximilian Radert, Head of Product Development & Research bei Kingstone Real Estate, ein.
„Kontrolle und Einflussnahme spielen zentrale Rolle“
Dr. Tim Schomberg, CEO & Co-Founder bei Kingstone Real Estate, sieht im hohen Anteil direkter Anlagen ein klares Signal: „Viele Family Offices verstehen Immobilien nicht nur als Anlageprodukt, sondern als unternehmerische Entscheidung. Kontrolle und Einflussnahme spielen eine zentrale Rolle.“
Aus der Praxis bestätigt Marie Lindenstruth, Geschäftsführerin bei Lindenstruth & Cie., diesen Ansatz. Ihr Haus investiert in Deutschland ausschließlich direkt, um Nähe zum Objekt und eigene Steuerungsmöglichkeiten sicherzustellen. Auch Elena Reuter, Head of Real Estate bei Finvia Family Office, betont, dass ihr Haus Immobilien im Heimatmarkt eigenständig identifiziert, strukturiert und im Asset Management betreut. Die unmittelbare Verantwortung ist für viele Mandanten ein zentrales Entscheidungskriterium.
In der Nutzungsart dominiert Wohnen. Mehrfamilienhäuser stellen mit 37,5 Prozent die größte Allokation dar, gefolgt von Büroimmobilien mit 25 Prozent. Betreiberimmobilien wie Hotels oder Pflegeeinrichtungen spielen dagegen aktuell eine untergeordnete Rolle.
Wohnen im Fokus, Büro selektiv
Während Büroimmobilien weiterhin geprüft werden, rückt das Wohnsegment stärker in den Mittelpunkt. Lindenstruth kündigt an, den Wohnanteil perspektivisch auszubauen. Die aktuellen Marktbedingungen böten aus ihrer Sicht attraktive Einstiegsmöglichkeiten.
Für Reuter erfüllt die Immobilie im Portfolio vor allem eine stabilisierende Funktion. Kapitalerhalt und nachhaltige Wertentwicklung stehen im Vordergrund, opportunistische Ansätze bleiben auf gezielte Beimischungen beschränkt.
Geopolitische Entwicklungen und regulatorische Eingriffe fließen in die Risikobewertung ein, führen jedoch nicht zu einem grundlegenden Strategiewechsel. Investitionen müssen auch unter veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen tragfähig sein. Radert verweist zudem auf strukturelle Einflussfaktoren wie Demografie, Dekarbonisierung und veränderte Arbeitsmodelle, die langfristig auf die Immobilienmärkte wirken.
Renditeziele zwischen vier und sechs Prozent
Auch steuerliche Fragen spielen eine Rolle. Alexander Lehnen, Partner bei Heussen Rechtsanwälte, verweist auf die erwartete Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftsteuer. Eine gesetzliche Anpassung sei frühestens 2027 zu erwarten. Die aktuelle Bewertungssituation eröffne jedoch Spielräume für Übertragungen und Strukturierungen, insbesondere im Immobilienbereich.
Die Renditeerwartungen der befragten Family Offices liegen überwiegend zwischen vier und sechs Prozent. Sicherheitsorientierte Investoren priorisieren den Werterhalt, wachstumsorientierte Marktteilnehmer streben höhere Zielrenditen an. Schomberg betont, beide Ansätze seien legitim, sofern sie konsistent umgesetzt werden.
Für die kommenden zwölf Monate planen die meisten Family Offices einen moderaten Ausbau ihres Immobilienengagements. Reuter berichtet von einer spürbar gestiegenen Nachfrage nach Direktimmobilien, da Investoren die aktuelle Marktphase für selektive Zukäufe nutzen. Auch Lindenstruth plant weitere Investitionen, insbesondere in Deutschland.















