Fed, BoE, EZB: „Aussicht auf Lockerung bei EZB am größten“

Charles Diebel
Foto: Mediolanum International Funds
Charles Diebel, Mediolanum International Funds

Charles Diebel, Head of Fixed Income bei Mediolanum International Funds, kommentiert die anstehenden Sitzungen der Zentralbanken

Auf die Zentralbanken kommt eine arbeitsreiche Woche zu. Das Gros der Marktteilnehmer geht davon aus, dass alle drei Zentralbanken die Zinsen beibehalten werden.

Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve (FOMC) wird die Zinssätze vor allem aufgrund der Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung und einiger schwächerer Anzeichen für Wachstum beibehalten. Der Ausschuss wird sich jedoch die Tür für weitere Zinserhöhungen offen halten, denn der Kampf gegen die Inflation ist nicht unbedingt gewonnen. Zudem dürfte die jüngste Lockerung der finanziellen Bedingungen Bedenken hervorrufen, dass sich die Wirtschaftstätigkeit erneut beschleunigen könnte. Kurzum: eine hawkishe Pause, die sich gegen die jüngste Rallye an den Anleihemärkten und die Einpreisung von recht aggressiven Zinssenkungen im nächsten Jahr richten wird.

Die Bank of England (BoE) ist mit einer schwachen Wirtschaft konfrontiert, und auch bei den Inflationsdaten gab es bisher weniger Fortschritte als in den USA oder Europa. Die Inflation entwickelt sich jedoch in die richtige Richtung, und in Anbetracht der schwachen Konjunktur erwarten wir eine ähnliche Botschaft wie die des FOMC: eine hawkishe Pause mit der Botschaft, dass die BoE zu weiteren Zinserhöhungen bereit ist, falls sich die Daten nicht entsprechend den Erwartungen verbessern.

Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist vielleicht die interessanteste der Woche: Die Wachstumsdaten bleiben schlecht oder deuten sogar auf eine Rezession hin. Gleichzeitig sind die wichtigsten Inflationsdaten in der Tat sehr schwach. Kurz gesagt: Die EZB ist am ehesten in der Lage, die Straffung der Geldpolitik in diesem Jahr rückgängig zu machen. Sie wird versuchen, eine Zinssenkung zu vermeiden, aber die Daten deuten in diese Richtung. Jede dovishe Tendenz wird von einem Markt aufgegriffen werden, der davon ausgeht, dass die EZB die Zinsen im zweiten Quartal nächsten Jahres senken wird. Eine Pause ist das wahrscheinlichste Ergebnis, aber der Grundtenor könnte der dovishste der drei Sitzungen sein.

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