Fußball-WM in Nordamerika wird für die USA zum Härtetest

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Die WM 2026 erhöht den Druck auf die USA. Risiken zeigen sich bei Sicherheit, Reisen, Kosten und Investitionen.

Kurz vor dem Start der Fußball-WM 2026 geraten die USA als Mitgastgeber unter Druck. Sicherheitsprobleme, knappe Kapazitäten und politische Spannungen könnten das Turnier belasten. Das hat Folgen weit über den Sport hinaus.

Wenige Wochen vor dem Turnierstart am 11. Juni rückt die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko nicht nur sportlich in den Fokus. Vor allem in den USA mehren sich Zweifel, ob das Land die logistischen und politischen Anforderungen eines solchen Großereignisses reibungslos bewältigen kann.

Moventum-AM-Portfoliomanager Thorsten Fischer sieht darin mehr als ein organisatorisches Problem. „Ausgerechnet die größte Volkswirtschaft der Welt hat Schwierigkeiten, aus einem sportlichen Großereignis einen wirtschaftlichen und politischen Erfolg zu machen“, kommentiert Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.

Ein zentraler Schwachpunkt ist die Sicherheitsinfrastruktur. Nach der teilweisen Stilllegung des Heimatschutzministeriums infolge parteipolitischer Blockaden fehlen an sensiblen Stellen Kapazitäten. Besonders betroffen ist die Transportsicherheitsbehörde TSA, bei der laut internen Einschätzungen der Wiederaufbau nach dem personellen Aderlass Monate dauern dürfte.

Sicherheitslage und Reiseverkehr im Fokus

Das könnte sich ausgerechnet in der Hauptreisezeit der WM bemerkbar machen. Millionen zusätzliche Reisende treffen auf bereits ausgedünnte Strukturen an Flughäfen. Fachleute rechnen mit längeren Wartezeiten, Verspätungen und wachsendem Reputationsdruck für die USA als Gastgeber.

Auch bei den Austragungsorten zeigt sich die Unsicherheit. Das SoFi Stadium in Inglewood bei Los Angeles gilt zwar als Vorzeigeprojekt, doch bei der Finanzierung von Sicherheit und Infrastruktur kommen zugesagte Bundesmittel in Höhe von rund 625 Millionen Dollar offenbar nur schleppend an.

Hinzu kommt die innenpolitische Lage. Die verschärfte Migrationspolitik unter Donald Trump führt zu einer stärkeren Präsenz der Einwanderungsbehörde ICE an Flughäfen und Grenzübergängen. Erste Daten deuten laut Moventum darauf hin, dass die Zahl internationaler Besucher zurückgeht. Das würde vor allem Tourismus, Hotellerie und lokale Dienstleister treffen.

Folgen für Wachstum, Kommunen und Anleger

Damit gerät auch der erhoffte ökonomische Nutzen der WM unter Druck. Die US-Regierung stellt einen zusätzlichen Wirtschaftseffekt von rund 30 Milliarden Dollar und bis zu 185.000 neue Jobs in Aussicht. „Diese Annahmen basieren aber auf reibungslosen Reiseabläufen und funktionierenden Logistikketten“, so Fischer. „Beides steht derzeit infrage.“ Kommunen befürchten zugleich, auf höheren Sicherheits- und Infrastrukturkosten sitzen zu bleiben, falls die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Für Fischer wird an der WM ein größeres Muster sichtbar: Politische Dysfunktion schlägt zunehmend auf operative Abläufe durch. Was lange als Hintergrundrauschen aus Washington galt, wirkt nun direkt auf Realwirtschaft, Großveranstaltungen und eventgetriebene Geschäftsmodelle. Gerade im US-Dienstleistungssektor und bei Infrastrukturprojekten sollten Investoren aus seiner Sicht steigende Kosten- und Verzögerungsrisiken einkalkulieren.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Sie könnte unmittelbare Folgen für die Turnierteilnahme des Iran haben, sei es durch einen Verzicht oder durch politische Hürden bei der Einreise. Damit würde ein weiteres Risiko sichtbar: Geopolitische Konflikte greifen immer häufiger direkt in die Planung und Durchführung globaler Großereignisse ein.

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