Vierte Pleite in sechs Jahren: Wie es bei Galeria weitergeht

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Blick auf eine Rolltreppe und halbleere Warenregale in einem Warenhaus bei Tageslicht
KI-generiertes Bild (OpenAI)
Vorerst läuft der Geschäftsbetrieb in allen 83 Filialen weiter – wie lange, ist ungewiss.

Galeria hat zum vierten Mal binnen sechs Jahren Insolvenz beantragt. Das Amtsgericht Düsseldorf hat das vorläufige Verfahren angeordnet und erneut Frank Kebekus zum Verwalter bestellt. Cash. erklärt, was die Galeria Insolvenz 2026 für die rund 12.000 Beschäftigten, Kunden und Gläubiger bedeutet.

Der Warenhauskonzern Galeria, bis 2024 als Galeria Karstadt Kaufhof bekannt, stellte am 2. Oktober 2026 bei Gericht in Düsseldorf den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Es ist der vierte Antrag binnen sechs Jahren. Die Galeria Insolvenz 2026 folgt damit auf die Verfahren von 2020, 2022 und 2024. Am 5. Oktober leitete das Gericht unter dem Aktenzeichen 502 IN 258/26 das vorläufige Insolvenzverfahren ein. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte es erneut Rechtsanwalt Frank Kebekus. Betroffen sind 83 Filialen, in denen rund 12.000 Menschen beschäftigt sind. Vorerst läuft der Geschäftsbetrieb weiter.

Warum es zur Galeria Insolvenz 2026 kam

Wie das Fachmagazin Unternehmeredition berichtet, standen Galeria vor der Antragstellung nur noch etwa zehn Millionen Euro an Liquidität zur Verfügung. Nötig gewesen wären demnach rund 20 Millionen Euro. Zugleich brach der Umsatz im September 2026 um rund 25 Prozent ein. Das Portal IT Boltwise führt dagegen eine plötzlich aufgetretene Finanzierungslücke von 36 Millionen Euro als Ursache an. Diese Angabe wird von etablierten Leitmedien wie der Deutschen Presse-Agentur, dem Handelsblatt, der taz oder ZDFheute bislang nicht bestätigt. Dort ist lediglich von erheblichen Liquiditätsproblemen die Rede. Die genaue Höhe des akuten Engpasses bleibt deshalb offen.

Vorausgegangen war eine Finanzierungszusage: Im Juni 2026 gewährte die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers dem Konzern einen Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro. Als Sicherheit dienten die Warenbestände. Zudem war die Linie an einen dreijährigen Sanierungsplan mit weiteren Schließungen gekoppelt. Stabilisieren ließ sich der Betrieb damit allerdings nicht.

Vorläufiges Verfahren: Was jetzt passiert

Im vorläufigen Verfahren prüft Kebekus zunächst, ob sich der Betrieb fortführen lässt und wie hoch die Insolvenzmasse ausfällt. Erst nach der Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens entscheidet sich, wie ein Sanierungsplan aussieht, was die Gläubiger erhalten und welche Standorte schließen.

Welche Filialen jetzt auf dem Prüfstand stehen

Eine offizielle Liste der Häuser, die tatsächlich schließen sollen, gibt es bislang nicht. Fest steht laut dem Fachmedium Horizont lediglich: Seit Juli 2026 stehen 33 der 83 Filialen zur Überprüfung. Die Gewerkschaft ver.di nennt als mögliche Wackelkandidaten unter anderem München-Rotkreuzplatz, Berlin-Kurfürstendamm, Berlin-Hermannplatz, Köln-Hohe Straße, Köln-Breite Straße, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Offiziell bestätigt ist keine dieser Schließungen.

Für Kunden ändert sich zunächst wenig. Solange der Geschäftsbetrieb im vorläufigen Verfahren weiterläuft, bleiben die Filialen geöffnet. Erst eine Verfahrenseröffnung oder konkrete Schließungsentscheidungen würden daran etwas ändern.


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Vier Insolvenzen in sechs Jahren: die Zeitleiste

JahrVerfahrenWesentliche Entwicklung
2020Erste InsolvenzBeginn der Krise, Sanierung unter Mehrheitseigner Signa (René Benko)
2022Zweite InsolvenzNeues Verfahren, zusätzliche Sanierungsschritte weiterhin unter Signa
2024Dritte InsolvenzNach der Signa-Pleite: Verkauf an ein Konsortium aus NRDC und Bernd Beetz, neun von 92 Filialen schließen, Sitzverlegung von Essen nach Düsseldorf, Markennamen Karstadt und Kaufhof entfallen
2026Vierte InsolvenzAntrag am 2. Oktober, vorläufiges Verfahren ab 5. Oktober, Frank Kebekus im dritten Mandat als vorläufiger Verwalter, Ausgang offen

Aus den drei vorausgegangenen Verfahren beliefen sich die Ausfälle der Gläubiger, die wie bei anderen Insolvenzfällen weiterhin auf Auszahlungen warten, laut Unternehmeredition auf insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro. Über die Jahre leistete der Bund mindestens 225 Millionen Euro an Insolvenzgeld. Von einem 680 Millionen Euro schweren Darlehen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds aus den Jahren 2021 und 2022 gingen zudem rund 552 Millionen Euro verloren.

Welche Folgen die Galeria-Insolvenz 2026 für die Mitarbeiter hat

Für die rund 12.000 Beschäftigten steht vor allem das Insolvenzgeld im Fokus. Die monatliche Gehaltssumme beträgt knapp 25 Millionen Euro. Ob die Bundesagentur für Arbeit erneut zahlt, war zunächst offen. Die fortbestehende Planüberwachung des Amtsgerichts Essen aus dem Verfahren von 2024 gilt nach bisheriger Rechtsauffassung praktisch als Ausschlussgrund. Entscheidend dürfte jedoch sein, dass das operative Geschäft mittlerweile über die Gesellschaft Galeria S.à r.l. & Co. KG abgewickelt wird. Diese Gesellschaft steht laut Registereintrag nicht unter der Planüberwachung. Damit könnten die Beschäftigten trotzdem Anspruch auf Insolvenzgeld haben. Eine Entscheidung der Bundesagentur wurde für die Tage nach dem Antrag erwartet.

Die Gewerkschaft ver.di sieht unterdessen das Management in der Verantwortung. „Haarsträubende Managementfehler haben zu dieser Entwicklung geführt“, sagt Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer. „Es darf nicht sein, dass die Beschäftigten die Fehler der Chefetagen austragen müssen.“ Nach Angaben von ver.di verdient ein Teil der Belegschaft teilweise rund 30 Prozent weniger als Beschäftigte im Einzelhandel, die unter einen Flächentarifvertrag fallen.

Eigentümer und Immobiliengeschäfte im Hintergrund

Seit Sommer 2024 befindet sich Galeria im Besitz eines Konsortiums, das aus der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz besteht. Davor hielt der inzwischen selbst insolvente Signa-Konzern von René Benko die Mehrheitsanteile. Im Zuge der Übernahme zog Galeria von Essen nach Düsseldorf um und verzichtete fortan auf die Markennamen Karstadt und Kaufhof.

Am 6. Oktober verfügte das Amtsgericht Düsseldorf darüber hinaus die vorläufige Insolvenzverwaltung für zwei weitere Gesellschaften: die Galeria Restaurant GmbH & Co. KG und die Galeria Markthalle GmbH & Co. KG. Vorläufiger Verwalter ist auch hier Frank Kebekus. Am selben Tag beauftragte der Investor RFR das Maklerunternehmen Lührmann damit, vier Warenhausimmobilien von Galeria in Aachen, Heilbronn, Ulm und Würzburg zu verkaufen. Das Mandat übernimmt das Team um Hendrik Poggemann.

Die Galeria Insolvenz 2026 als Symptom einer Formatkrise

Der Nettoumsatz des Konzerns ging von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2019, als es noch 174 Filialen gab, zurück auf rund zwei Milliarden Euro im Jahr 2025 – und das bei weniger als der Hälfte der Standorte. Der Marktanteil der Kauf- und Warenhäuser am deutschen Einzelhandel sank laut von ZDFheute veröffentlichten Zahlen von 4,2 Prozent im Jahr 2020 auf 1,2 Prozent. Galeria steht damit nicht allein: Im Zeitraum von Juni 2025 bis Mai 2026 verzeichnete der deutsche Einzelhandel über 2.600 Insolvenzen – den höchsten Stand seit zehn Jahren.

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