Die Demokraten gehen als Favorit in das Rennen um das Repräsentantenhaus. Die Midterms-2026-Prognose von Decision Desk HQ gibt ihnen Stand 24. Oktober 2026 rund 80 Prozent Wahrscheinlichkeit für die Mehrheit in dieser Kammer. Im Senat bewertet der Prognosedienst das Rennen dagegen als nahezu ausgeglichen. Gewählt wird am 3. November 2026; auf Basis des 20. Verfassungszusatzes nimmt der neue, 120. Kongress am 3. Januar 2027 seine Arbeit auf. Schon vor der Wahl stellt sich für Anleger mit US-Engagements damit die Frage, welches Marktumfeld ein Machtwechsel in Washington wahrscheinlich macht.
Senat bleibt knapp, im Repräsentantenhaus führen die Demokraten
Im scheidenden Kongress halten die Republikaner im Senat 53 der 100 Sitze gegenüber 47 demokratischen, zwei unabhängige Senatoren zählen zur demokratischen Fraktion. Von den 35 Sitzen, die 2026 neu vergeben werden, halten die Republikaner derzeit 23. Für die Mehrheit brauchen die Demokraten deshalb einen Nettogewinn von vier Sitzen. Die Konsensprognose auf Basis der Ratings des Cook Political Report sieht den Senat bei 49 demokratischen zu 46 republikanischen Sitzen, fünf gelten als Toss-up. Im Repräsentantenhaus liegen die Demokraten klarer vorn: 220 zu 196 Sitzen, in 19 Wahlkreisen gilt der Ausgang als offen.
Diese Einschätzung deckt sich mit einem Briefing des Europäischen Parlaments (EPRS). Bei bundesweiten Umfragen zur Kongresswahl führten die Demokraten im September 2026 mit fünf bis 13 Prozentpunkten. Zugleich gilt laut EPRS nur etwa jeder zehnte Sitz im Repräsentantenhaus als tatsächlich umkämpft, insgesamt zählt das Parlament 22 Toss-ups. Dazu kommt ein historisches Muster: Bei 20 der 22 Zwischenwahlen seit 1938 büßte die Partei des amtierenden Präsidenten Sitze im Repräsentantenhaus ein.
Börsenstatistik: Was auf frühere Zwischenwahlen folgte
Für Anleger bleibt die Frage, was die Midterms-2026-Prognose für ihre Depots bedeutet. Der Blick in die Statistik vergangener Jahrzehnte zeigt ein klares Muster. Seit 1946 folgte auf jede der 20 Zwischenwahlen eine positive Zwölf-Monats-Rendite des S&P 500 - Daten des Analysehauses Certuity beziffern den Durchschnitt auf 18,1 Prozent. Nach Berechnungen der U.S. Bank Asset Management Group liegt der historische Mittelwert bei 12,4 Prozent, seit 1980 bei 17,5 Prozent. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob anschließend eine Partei allein oder beide Lager gemeinsam regieren: Innerhalb von drei Monaten nach der Wahl erzielte der Index bei einheitlicher Kontrolle durchschnittlich 2,42 Prozent, bei geteilter Regierung 2,17 Prozent. Diesen Unterschied stuft die U.S. Bank als statistisch nicht signifikant ein.
Eine Einschränkung betrifft allerdings genau das Szenario, das nach aktuellem Stand am wahrscheinlichsten ist. Laut einer von Motley Fool herangezogenen Auswertung der U.S. Bancorp fiel die Rendite in den drei Monaten nach der Wahl bei der Konstellation aus einem republikanischen Weißen Haus und einem vollständig demokratisch kontrollierten Kongress historisch um rund 0,99 Prozentpunkte niedriger aus als im langjährigen Durchschnitt. Ein Durchschnittswert aus der Vergangenheit ist allerdings keine Prognose für die kommenden Monate.
| Kennzahl | Durchschnittliche S&P-500-Rendite | Zeitraum |
|---|---|---|
| Zwölf Monate nach Midterms (alle 20 Wahlen) | 18,1 Prozent | seit 1946, durchweg positiv |
| Zwölf Monate nach Midterms | 12,4 Prozent | historischer Durchschnitt |
| Zwölf Monate nach Midterms | 17,5 Prozent | seit 1980 |
| Drei Monate nach Midterms, einheitliche Regierung | 2,42 Prozent | seit 1948 |
| Drei Monate nach Midterms, geteilte Regierung | 2,17 Prozent | seit 1948 |
Drei Szenarien zur Midterms-2026-Prognose: So könnten die Märkte reagieren
In einer aktuellen Einschätzung skizziert der Vermögensverwalter BNY Investments drei mögliche Wahlausgänge und ihre jeweilige Wirkung auf die Märkte. Als tendenziell marktfreundlich gilt demnach ein geteilter Kongress mit republikanischem Senat, weil die Gesetzgebungstätigkeit begrenzt bliebe. Gewinnen die Demokraten dagegen beide Kammern, könnte sich laut BNY durch aggressivere Untersuchungen und Finanzierungsbeschränkungen die Volatilität erhöhen. Ein republikanischer Sweep würde Risikoaktiva zunächst stützen, zugleich aber durch Fiskalrisiken den stärksten Druck auf die Anleihemärkte erzeugen.
Das größte parteiübergreifende Kompromisspotenzial zwischen einem demokratisch kontrollierten Kongress und Präsident Trump sieht BNY im Gesundheitssektor, insbesondere bei Arzneimittelpreiskontrollen. Besonders deutliche Ausschläge erwartet der Vermögensverwalter in den Bereichen Verteidigung, Energie, Gesundheitswesen und Kryptowährungen. Zum Vergleich: In den ersten 20 Monaten von Donald Trumps zweiter Amtszeit kletterte der S&P 500 bis Ende September 2026 um 27,6 Prozent und damit fast ebenso stark wie im entsprechenden Zeitraum seiner ersten Amtszeit, als ein Plus von 28,5 Prozent zu Buche stand - so die Berechnung von Motley Fool.
Schuldenobergrenze und Haushaltsfristen nach den Midterms 2026
Unabhängig davon, wie die Midterms-2026-Prognose am Wahlabend ausgeht, gewinnt ein weiterer Termin an Bedeutung: Mit der Unterzeichnung des „One Big Beautiful Bill Act“ wurde die gesetzliche Schuldenobergrenze der USA am 4. Juli 2025 auf 41,1 Billionen US-Dollar festgesetzt. Nach Einschätzung des Committee for a Responsible Federal Budget dürfte dieser Wert bereits Mitte bis Ende 2027 wieder erreicht sein - und damit schon im ersten Amtsjahr des neuen Kongresses.
Bereits vor dessen erster Sitzung wird der 11. Dezember 2026 relevant: An diesem Tag laufen die Regierungsfinanzierung, die Verkehrsautorität mit rund 156 Milliarden US-Dollar aus dem Infrastructure Investment and Jobs Act sowie das staatliche Hochwasserversicherungsprogramm zeitgleich aus - darauf weist die Beratungsgesellschaft RSM US hin. Für diese Fristen ist damit noch der amtierende Kongress zuständig.
Zinsen und Immobilien: Wähler erwarten von den Midterms 2026 wenig
Laut Freddie Mac kostete eine 30-jährige Festzinshypothek in den USA am 22. Oktober 2026 im Schnitt 7,32 Prozent Zinsen. Zuvor waren es 7,40 Prozent am 8. und 15. Oktober sowie 7,28 Prozent zum Monatsbeginn.
Dem Kongress trauen die Wähler bei diesem Thema wenig zu. Der Immobiliendienstleister Clever Real Estate befragte am 3. September 2026 rund 1.000 Amerikaner und ermittelte, dass 74 Prozent die USA in einer Wohnungskrise sehen. Zugleich glauben 63 Prozent nicht, dass die Midterms den Wohnungsmarkt verbessern werden. Inflation und Lebenshaltungskosten führen mit 77 Prozent die Liste der wichtigsten Wahlthemen an, gefolgt von Gesundheitskosten mit 63 Prozent und Energie- sowie Spritpreisen mit 60 Prozent. Wohn- und Mietpreise rangieren mit 47 Prozent erst dahinter - obwohl der mittlere US-Hauspreis einem EPRS-Briefing zufolge seit 2020 von 317.000 auf 405.000 US-Dollar gestiegen ist, was einem Plus von 28 Prozent entspricht.
Auch auf der Förderseite zeigt sich ein gemischtes Bild: Zwar wurden die Steuergutschriften für bezahlbaren Wohnungsbau 2025 ausgeweitet, im Gegenzug senkte man jedoch die Schwellenwerte für bestimmte Finanzierungsmodelle, wie RSM US berichtet. Programme wie die Community Development Block Grants und HOME stehen laut der Beratungsgesellschaft vor möglichen Kürzungen.













