Geopolitik und Geldpolitik: Märkte zwischen Risiko und Zinspause

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Wie es in den USA, Deutschland und der Eurozone wirtschaftlich weitergeht

Militärschläge im Nahen Osten, neue US-Zölle und expansive Haushaltspläne in Deutschland: Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleiben anspruchsvoll. Notenbanken halten vorerst still, während Konjunkturdaten ein gemischtes Bild zeichnen. Entscheidend wird, wie Märkte und Politik auf die neuen Risiken reagieren.

USA

Wirtschaftspolitik: Nach den Militärschlägen gegen den Iran und dessen Reaktion darauf, werden die geopolitischen Entwicklungen im Mittleren Osten weiter im Fokus stehen, auch mit Blick auf eine Unterbrechung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Sie ist eine der wichtigsten Routen für den Transport von Erdöl und LNG. Die Dauer und eine potenzielle Ausweitung des Konflikts dürften die Risikowahrnehmung bestimmen und könnten somit auch an den Finanzmärkten zu höherer Volatilität führen

Die USA haben vergangene Woche einen neuen allgemeinen Importzoll von 10% basierend auf Abschnitt 122 des “Trade Act” von 1974 in Kraft gesetzt. Er ist zunächst auf 150 Tage befristet. Eine Verlängerung bedarf der Zustimmung des Kongresses. Unberührt vom IEEPA-Urteil bleiben die Zölle nach Section 232. 

Fed: Erwartungsgemäß beließ die Fed das Leitzinsintervall im Januar bei 3,50% bis 3,75%. Nach dem starken Januar-Arbeitsmarktbericht bestätigten die Fed-Vertreter zuletzt ihre bisherige Haltung, dass die Geldpolitik gut positioniert sei, was die Wahrscheinlichkeit weiterer kurzfristiger Zinssenkungen deutlich minderte. Wir sehen die aktuelle Geldpolitik ebenfalls im neutralen Bereich und rechnen erst im September mit einer nächsten Zinssenkung um 25 Basispunkte (Bp). An den Finanzmärkten sind dagegen für 2026 noch insgesamt 61 Bp. an Lockerung eingepreist. Das entspräche mindestens zwei weiteren Zinssenkungen, die erste davon im Juli. Der von Trump nominierte künftige Fed-Präsident Kevin Warsh wurde noch nicht vom Senat bestätigt. Solange die Untersuchung des Justizministeriums gegen den amtierenden Fed-Chef Powell noch läuft, will insbesondere der republikanische Senator Thom Tillis nicht zustimmen. US-Finanzminister Bessent gab bekannt, dennoch zeitnah mit den Anhörungen starten zu wollen. 

Konjunktur: Die Auftragseingänge schwächten sich im Dezember erwartungsgemäß ab, mit -0,7% im Vormonatsvergleich. Das von Conference Board für Februar erhobene Konsumklima überraschte positiv mit einem Anstieg auf 91,2 Punkte. Die Erwartungskomponente kletterte auf 72 Punkte und erreichte damit ein Neun-Monats-Hoch. Die Erzeugerpreise für Januar stiegen im Vormonatsvergleich um 0,5% und damit deutlich stärker als erwartet, was auch die Sorge eines weiteren Aufwärtsdrucks bei den Konsumentenpreisen schüren dürfte. Sowohl für den ISM-PMI der Industrie als auch für den der Dienstleister wird jeweils heute und am Mittwoch für Februar ein leichter Rückgang erwartet. Dennoch würden sie dann weiter komfortabel über der Expansionsschwelle von 50 liegen. Der datenmäßige Höhepunkt dürfte am Freitag der Arbeitsmarktbericht für den Februar sein. Für die Non-Farm Payrolls wird nach den sehr starken Januardaten nun ein schwächerer Aufwuchs von lediglich 60.000 erwartet. Die Arbeitslosenquote dürfte unverändert bei 4,3% gelegen haben. In 2026 erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von 2,9%.

Deutschland

Wirtschaftspolitik: Der aktuelle Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums zeigt, dass die staatlichen Ausgaben mit deutlicher Dynamik in das neue Jahr gestartet sind. Das Gesamtdefizit des Kernhaushalts und der beiden Sondervermögen „Bundeswehr” und „Infrastruktur und Klimaneutralität” belief sich im Januar auf rund EUR 34 Mrd. und liegt damit knapp EUR 15 Mrd. über dem Vorjahr. Die Verteidigungsausgaben verzeichnen weiterhin einen starken Aufwuchs, blieben jedoch bislang hinter monatlichen Werten zurück, die nötig wären, um das ambitionierte Jahresziel von EUR 119 Mrd. zu realisieren. Schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren würden das Erreichen der Ausgabenziele unterstützen. Das kürzlich in den parlamentarischen Gesetzgebungsprozess eingebrachte Infrastruktur-Zukunftsgesetz dürfte die Umsetzung öffentlicher Infrastrukturprojekte beschleunigen. Insgesamt sieht der Bundeshaushalt 2026 ein Gesamtdefizit in Höhe von EUR 182 Mrd. vor, was einer Defizitquote von 3,9% des BIP entspricht. Neben dieser stark expansiv ausgerichteten Fiskalpolitik bedarf es jedoch auch fundamentaler Strukturreformen, um die Wachstumsperspektiven langfristig zu sichern. Vor diesem Hintergrund debattiert die Regierung aktuell über eine Neugestaltung der privaten Altersvorsorge, da die erste Säule des Rentensystems zunehmend unter demografischen Druck geraten wird.

Konjunktur: Das ifo-Geschäftsklima bestätigte mit seinem Anstieg auf 88,6 Punkte im Februar die positive Vorgabe des Einkaufsmanagerindexes. Lagebeurteilung und Geschäftserwartungen legten kräftiger zu als erwartet. Mit dem höchsten Stand seit August 2025 signalisiert auch der ifo-Index ein Anziehen der Konjunktur. Ernüchternd war dagegen die unerwartete Abschwächung in der GfK-Prognose für das Konsumklima im März. Die Arbeitslosenzahl ging im Februar nur wenig zurück und liegt nach wie vor leicht über 3 Millionen. Saisonbereinigt fiel die Veränderung mit +1.000 Personen im Vormonatsvergleich noch geringer aus. Die entsprechende Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,3%. Gemäß Erstmeldung hat sich die Verbraucherpreisinflation im Februar auf eine jährliche Rate von 1,9% abgeschwächt, etwas deutlicher als erwartet. Die Preisentwicklung bei Energieträgern wirkte spürbar dämpfend auf die Gesamtrate. Im Vormonatsvergleich zog der Preisindex lediglich um 0,2% an. Die jährliche Kernrate (o. Energie und Nahrungsmittel) lag unverändert bei 2,5%. Die Einzelhandelsumsätze für Januar sind um 0,9% im Vormonatsvergleich zurückgegangen. Am Freitag folgen die Januardaten zu den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe. Nach den starken und vor allem von Großaufträgen getriebenen Zuwächsen im November und Dezember dürfte es zu einem negativen Rückprall kommen. Dieser könnte auch noch etwas stärker ausfallen als die Markterwartung von -5,0% im Vormonatsvergleich.      

Ausblick: Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 abgesenkt. Für das laufende Jahr erwartet sie nun ein Wachstum von 1,0%. Zuvor lag die Prognose bei 1,3%. Zwar werden die Staatsausgaben in 2026 ein wesentlicher Wachstumstreiber sein. Aber nach Einschätzung der Regierung dürfte der Fiskalimpuls doch mehr Zeit benötigen, um seine Wirkung in der Realwirtschaft voll zu entfalten. Für 2027 erwartet die Regierung ein Wirtschaftswachstum von 1,3%. Unsere Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 sind mit jeweils 1,5% optimistischer, da wir insbesondere vom staatlichen Konsum, vom privaten Verbrauch und auch vom Wohnungsbau etwas kräftigere Impulse erwarten. Im Zuge der expansiveren Finanzpolitik dürfte das gesamtwirtschaftliche Defizit in 2026 auf 3,5% ansteigen.

Eurozone

Wirtschaftspolitik: Die EU-Kommission kündigte am vergangenen Freitag an, das Mercosur-Handelsabkommen vorläufig in Kraft zu setzen. Gemäß EU-Recht ist dies möglich, sobald das Abkommen durch mindestens einen Mercosur-Staat ratifiziert wurde. Zuvor hatten bereits Uruguay und Argentinien als erste Staaten das Abkommen intern ratifiziert. Bis zur vollständigen Ratifizierung durch das Europäische Parlament dürfte es jedoch noch einige Zeit dauern, da die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs über die Rechtmäßigkeit des Abkommens noch aussteht.  

EZB: Erwartungsgemäß beließ die EZB die Leitzinsen im Februar das fünfte Mal in Folge unverändert. Der Einlagensatz liegt bei 2,00% und damit in der Mitte des von der EZB als neutral erachteten Intervalls von 1,75% bis 2,25%. Präsidentin Lagarde wiederholte erneut, dass sich die aktuelle Politik „an einem guten Punkt“ befinde. Dies stützt unsere Erwartung, dass es auf absehbare Zeit zu keinen weiteren Zinssenkungen kommen dürfte. An den Finanzmärkten ist bis Jahresende eine Lockerung von rund 14 Bp. eingepreist. Dies entspricht in Summe einer implizierten Wahrscheinlichkeit von 56% für eine weitere Zinssenkung. Unter anderem aufgrund des drohenden Inflationsdrucks, ausgehend von der expansiven deutschen Finanzpolitik und struktureller Arbeitsmarktengpässe, erwarten wir eine erste Zinsanhebung um 25 Bp. ab Mitte 2027.

Konjunktur: Das ESI-Geschäftsklima für Februar enttäuschte mit einem leichten Rückgang im Vormonatsvergleich und fiel auf 98,3 Punkte. Die Stimmung trübte sich sowohl bei den Dienstleistern als auch im Verarbeitenden Gewerbe ein, wohingegen sich das Verbrauchervertrauen minimal aufhellte. Morgen steht die Erstmeldung zur Verbraucherpreisinflation im Februar an. Die harmonisierte Gesamtrate dürfte im Vorjahresvergleich erneut bei 1,7% gelegen haben. Im Vormonatsvergleich wird ein Anstieg um 0,5% erwartet. Die jährliche Kernrate (o. Nahrung, Energie, Tabak u. Alkohol) dürfte im Februar mit 2,2% ebenfalls unverändert geblieben sein. Am Mittwoch wird die Arbeitslosenquote für Januar bei konstant 6,2% erwartet. Am Donnerstag stehen außerdem die Januardaten zu den Einzelhandelsumsätzen an. Am Freitag werden die detaillierten Daten zum BIP in Q4 veröffentlicht, dessen Wachstumsrate bei 0,3% gegenüber Vorquartal gelegen hat.  Für 2026 rechnen wir für die Eurozone mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1%. Die deutsche Fiskalpolitik dürfte als wesentlicher Impulsgeber für die gesamte Eurozone wirken.

Die Autoren sind: Marc Schattenberg, Senior Economist; Felicitas Henze, Economist; Robin Winkler, Chefvolkswirt Deutschland

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