Gold als sicherer Hafen wieder gefragt

Goldbarren
Foto: PantherMedia/ scanrail
Gold ist wieder im Aufwind.

Markus Blaschzok, Chefanalyst der Solit Management GmbH, kommentiert den jüngsten Aufschwung des Edelmetalls.

Gold wurde als sicherer Hafen zu Wochenbeginn gesucht und eröffnete am Montagmorgen mit einer Kurslücke von 23 US-Dollar bei 1.856 US-Dollar, nachdem am Wochenende ein Konflikt im Nahen Osten ausgebrochen war. Die Märkte fürchten Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, insbesondere wenn geopolitische Spannungen mit dem Iran zu einer neuen Ölkrise führen sollten. Spekulanten wurden daher zur Eindeckung von Shortpositionen am Goldmarkt gezwungen, während gleichzeitig neue Käufer in den Markt strömten.   

Der Goldpreis war in den letzten beiden Wochen um mehr als 130 US-Dollar eingebrochen und auf eine starke und wichtige Unterstützung bei 1.800 US-Dollar gefallen, nachdem die US-Notenbank höhere Zinsen für längere Zeit signalisierte und der US-Dollar stark angestiegen war, während bullische Katalysatoren für den Goldmarkt fehlten.   

An diesem Punkt hatten wir nun etwas Glück, denn in der letzten Woche hatte ich mit meinen Abonnenten die Gewinne aus unserem Short-Trade am Goldmarkt mitgenommen, nachdem unser Korrekturziel bei Gold und den Goldminenaktien erreicht wurde, worauf wir auf eine technische Erholung des Goldpreises gewettet haben.   Der Goldpreis war kurzfristig zwar überverkauft doch zeigt der neueste CoT-Report der US-Terminmarktaufsicht vom Freitag, dass der Preiseinbruch am Gold- und Silbermarkt unter erheblicher Schwäche und einem physischen Überangebot erfolgte.   

Die Terminmarktdaten für Silber zeigten sich noch schwächer als die Daten für Gold und sind mit einem CoT-Index von 43 Punkten bestenfalls neutral, weshalb kurzfristige Erholungen eher vorübergehender Natur sein dürften. Anders als der Goldpreis, konnte der Silberpreis keinen nennenswerten Anstieg der Nachfrage verzeichnen und handelt nahezu auf dem gleichen Niveau wie zum Schluss der letzten Handelswoche. Die physische Nachfrage dürfte sich aufgrund der aufziehenden Rezession kurzfristig weiterhin tendenziell abschwächen.   

Der HUI-Goldminenindex fiel in der letzten Woche in unsere Kaufzone unterhalb von 200 Punkten mit 197 Punkten im Tief. Mittlerweile stieg der Index wieder auf 210 Punkte an, nachdem der Goldpreis zum Wochenbeginn mit einem Sprung auf den Konflikt reagierte. Der Krieg in der Ukraine hatte bereits gezeigt, dass politische Börsen kurze Beine haben und die Märkte ihre Trends nach einem kurzfristigen Ausreißer wieder fortsetzen. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten nicht ausweiten, dürften dem Goldpreis und den Goldminenaktien eine Streckfolter oberhalb der Unterstützung bei 1.800 US-Dollar bevorstehen. 

Gold zeigt Stärke angesichts starker US-Arbeitsmarktzahlen

Die neuesten US-Arbeitsmarktdaten fielen am Freitag überraschend stark aus und lagen mit 336 Tsd. neuer Stellen außerhalb der Landwirtschaft deutlich über dem Marktkonsens von 170 Tsd. neuer Jobs. Weiterhin wurden die beiden Vormonate stark nach oben revidiert von 157 Tsd. auf 236 Tsd. im Juli und von 187 Tsd. auf 227 Tsd. im August. Die Arbeitslosenquote lag mit 3,8 % leicht über der Erwartung von 3,7 %, doch stiegen die Stundenlöhne mit 0,2 % weniger stark an als die erwarteten 0,3 %.   Die Zinsen und auch der US-Dollar legten daraufhin kurzzeitig auf hohem Niveau zu, während der Goldpreis noch einmal auf 1.810 US-Dollar abrutschte. Bemerkenswert war aber die Stärke, die sich folgend zeigte mit einem Anstieg des Goldpreises auf 1.833 US-Dollar zum Wochenschluss. Der Goldpreis reagierte mit Stärke auf Daten, die ihn sonst eher belastet hätten, was ein bullisches Indiz war und kurzfristig agierende Trader in den Markt zog, die auf eine Gegenbewegung des Goldpreises spekulieren.   

Der USD-Index steht womöglich vor einer ersten Korrektur seiner starken Rallye der letzten drei Monate, nachdem der Euro bei 1,05 US-Dollar und das britische Pfund bei 1,21 US-Dollar wichtige Unterstützungen erreicht haben. Der USDX fiel in der letzten Woche bereits von 107 auf 106 Punkte, trotz der guten Arbeitsmarktdaten und weiter steigenden Zinsen. Diese temporäre Dollarschwäche dürfte dem Goldpreis in US-Dollar kurzfristig unter die Arme greifen.       

Es bleibt abzuwarten, ob sich der Konflikt im Nahen Osten ausweitet und ob dies einen nachhaltigen Einfluss auf den US-Dollar und den Goldpreis haben wird. Nachdem wir unsere Shorts in der letzten Woche eingedeckt und die Gewinne mitgenommen haben, sind wir kurzfristig Long, wobei der Anstieg des Goldpreises unterhalb des Widerstands bei 1.900 US-Dollar sein Ende finden dürfte und eine Einladung für Spekulanten wäre, erneut auf die Shortseite zu wetten, sofern die Ereignisse im Nahen Osten nicht weiter eskalieren. Abgesehen davon fehlen die Katalysatoren und mit dem starken US-Dollar, hohen und weiter steigenden Zinsen, QT und Kreditverknappung sowie der aufziehenden Rezession, gibt es viele Faktoren, die den Goldpreis mittelfristig weiterhin belasten dürften. Wir nutzen daher den aktuellen Preisanstieg, um auf einen erneuten Test der Unterstützung bei 1.800 US-Dollar zu spekulieren, wenn die temporäre Dollarschwäche ihr Ende gefunden hat und der Goldpreis einen signifikanten Widerstand erreicht hat.

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