Wie lange dauert noch der Iran-Konflikt? Welche Richtung schlagen die Kurse an der Börse in den kommenden Tagen und Wochen ein? Wie stelle ich mich nun mit meinem Portfolio am besten auf? Dies sind wohl nur einige Fragen, die sich aktuell viele Anleger stellen dürften. Naturgemäß gibt es auf diese Fragen keine verlässlichen Antworten; in Panik müssen Anleger nun aber dennoch nicht verfallen. Der Reihe nach.
Fakt ist: Nach dem Beginn der Angriffe auf das iranische Regime ist nicht nur der Ölpreis kräftig gestiegen, auch die Gaspreise zogen deutlich an. Die drastische Verteuerung der beiden für die Industriestaaten und Schwellenländer immens wichtigen Energieträger belastet zunehmend die Konjunkturaussichten und schürt die Sorge vor einem Anstieg der Inflation. Das sorgt an den Aktienmärkten für teils deutliche Kursrückgänge. Nahezu alle weltweit wichtigen Aktienindizes weisen seit Kriegsbeginn Verluste auf.
Straße von Hormus spielt eine zentrale Rolle
Welche Richtung die Kurse künftig einschlagen werden, ist derzeit völlig ungewiss. Denn einerseits sind die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten für die Weltwirtschaft noch nicht einschätzbar und werden wohl auch erst nach und nach greifbarer. Andererseits haben sich viele Staaten und Unternehmen noch nicht auf die neue Situation eingestellt und werden erst mit der Zeit Maßnahmen umsetzen, um sich angesichts knappen Öls und steigender Energiepreise zu behaupten.
Gleiches gilt im Grunde auch für die Notenbanken in den USA und der Euro-Zone; sie müssen nun erstmal prüfen, wie sich der Iran-Krieg und die damit einhergehenden Anstiege der Rohstoffpreise auf die Verbraucherpreise auswirken könnten. Die bisher diesseits und vor allem jenseits des Atlantiks erwarteten Zinssenkungen in diesem Jahr könnten geringer ausfallen als bisher gedacht oder sogar ganz ausfallen. Auch sind Erhöhungen des Leitzinses möglich, sollte die Inflation stärker anziehen als bisher angenommen.
Welchen Kurs die Börse kurzfristig einschlägt, dürfte daher im Wesentlichen davon abhängen, wie schnell es gelingt, die globale Ölversorgung wieder herzustellen und den Ölpreis so zu stabilisieren. Die häufig in der Berichterstattung erwähnte Straße von Hormus spielt dabei eine zentrale Rolle. Durch die Meerenge am Persischen Golf wird normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs transportiert. Solange der Iran diese Passage noch teilweise kontrolliert und damit die Öl- und Gastanker bedroht, können wichtige Förderländer am Golf wie Saudi Arabien, Kuwait oder Katar große Teile ihres Öls nicht abtransportieren.
Anhaltende Korrektur oder zeitnahe Stabilisierung
Das pessimistische Szenario würde bedeuten, dass die globale Ölversorgung über einen längeren Zeitraum gestört ist. In diesem Fall könnte der Ölpreis noch weiter steigen und damit einhergehend auch die Gefahr einer nachhaltig steigenden Inflation. Sollte die Teuerung zu stark zunehmen, wären die Notenbanken wohl zu Zinserhöhungen gezwungen, die die Konjunktur und somit schließlich auch die Börsen belasten. Die wirtschaftliche Lage bliebe dann auch in Deutschland und Europa angespannt und die erhoffte Konjunkturbelebung könnte dann wohl noch auf sich warten lassen – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Aktien-, Renten-, Rohstoff- und Währungsmarkt.
Auf der anderen Seite ist aber auch eine rasche Stabilisierung der Lage im Nahen Osten und die Wiederherstellung des globalen Ölhandels ein mögliches Szenario. Sollte der Angriff auf den Iran zeitnah beendet und die Straße von Hormus danach wieder sicher passierbar sein, würde der Ölpreis voraussichtlich wieder deutlich nachgeben. Das würde auch die Inflationsgefahren mindern und die Spielräume der Notenbanken für Zinssenkungen wieder erhöhen. Die Aussichten der Unternehmen und Volkswirtschaften würden sich wieder verbessern, die Konjunktur könnte sich erholen und der erhoffte Aufschwung womöglich doch nicht so lange auf sich warten lassen.
Ein Portfolio für Krisenzeiten und die Zeit danach
Aber: Sicher ist derzeit nur, dass nichts sicher ist. Dafür ist die Entwicklung im Nahen Osten noch zu dynamisch. Für Anleger bedeutet dies: Sie sollten auf alle Szenarien bestmöglich vorbereitet sein und sich dementsprechend positionieren. Und dies bedeutet nicht, dass sie nun vorschnell ihre Strategie über Bord werfen und sich zeitnah von zahlreichen Wertpapieren trennen. Vielmehr geht es in solch herausfordernden Zeiten zunächst einmal darum, Ruhe zu bewahren und die Chancen und Risiken der verschiedenen Börseninvestments genauestens zu prüfen.
Konkret bedeutet dies, dass große Risiken eliminiert und gleichzeitig Chancen gewahrt werden sollten. Grundsätzlich ist dieses Ziel am ehesten zu erreichen, wenn Anleger – entsprechend ihren Anlagezielen und ihrer persönlichen Risikobereitschaft – ihr Vermögen möglichst breit über verschiedene Anlageklassen streuen. Wer aber Mühe hat, diese alles andere als triviale Aufgabe in Eigenregie umzusetzen, kann mit einem aktiv gemanagten Mischfonds oder einer vermögensverwaltenden Lösung auch einem Anlageprofi die Wertpapierauswahl überlassen. Weist das Wertpapierportfolio dann wieder ein attraktives Chance- und Risikoprofil auf, haben Anleger beste Chancen, nicht nur die Nahost-Krise gut zu überstehen, sondern auch von der danach zu erwartenden Erholung zu profitieren.
Autor Nermin Aliti ist Leiter Fonds Advisory der Laureus AG Privat Finanz.












