Fast jedes zweite Tech-Startup in Deutschland plant in diesem Jahr eine neue Finanzierungsrunde. Laut einer Umfrage von Bitkom Research unter 133 Startups wollen 48 Prozent frisches Kapital aufnehmen. Im Durchschnitt zielen sie dabei auf rund vier Millionen Euro.
Gleichzeitig wächst die Sorge um die Finanzierungsmöglichkeiten am Standort Deutschland. Nur 17 Prozent der befragten Startups halten das vorhandene Venture-Capital-Angebot für ausreichend. Ein Viertel der Unternehmen, 25 Prozent, denkt deshalb darüber nach, Deutschland wegen mangelnder Finanzierung zu verlassen.
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sieht darin ein Risiko für den Innovationsstandort. „Mit jedem Startup, das Deutschland verlässt, verlieren wir Arbeitsplätze und Wertschöpfung, aber vor allem auch innovative Ideen und Lösungen“, sagt er. „Helfen würde eine weitere Stärkung der WIN-Initiative, die Wachstums- und Innovationskapital für Deutschland bereitstellen will. Wichtig wären außerdem Anreize für institutionelle Investoren, in Venture Capital zu investieren. Mit einer Reform der privaten Altersvorsorge könnten zudem die Versicherten am Erfolg von Startups beteiligt werden, zugleich würde der Kapitalmarkt gestärkt.“
Finanzierung: Viele Gründer bleiben vorsichtig optimistisch
Trotz der angespannten Lage zeigen sich viele Gründer zuversichtlich, dass eine Kapitalrunde gelingt. 64 Prozent der Startups, die in diesem Jahr Geld einsammeln wollen, gehen davon aus, dass sie die Finanzierung erfolgreich abschließen. 13 Prozent äußern Zweifel, während 23 Prozent keine Einschätzung abgeben oder unsicher sind.
Bei der Herkunft der Investoren haben deutsche Kapitalgeber weiterhin die größte Bedeutung. 74 Prozent der Gründerinnen und Gründer würden ihren Kapitalbedarf am liebsten bei Investoren aus Deutschland decken. Für weitere 22 Prozent kommen sie grundsätzlich infrage, während fünf Prozent deutsche Investoren ausschließen. Auch Kapital aus anderen EU-Staaten wird von vielen Startups akzeptiert. 52 Prozent bevorzugen Investoren aus der Europäischen Union, für 46 Prozent sind sie zumindest eine Option. Nur ein Prozent lehnt sie grundsätzlich ab.
US-Investoren verlieren an Bedeutung
Investoren aus den Vereinigten Staaten spielen für deutsche Startups eine deutlich geringere Rolle als noch in früheren Jahren. Nur 13 Prozent der Gründer bevorzugen Kapital aus den USA. Für 59 Prozent kommt es zumindest infrage, während 23 Prozent US-Investoren ausschließen. Noch geringer ist das Interesse an Kapital aus China. Nur ein Prozent der Startups würde chinesische Investoren bevorzugen. Für 21 Prozent kommen sie grundsätzlich infrage, während 66 Prozent sie ausschließen. Investoren aus anderen Nicht-EU-Ländern werden von sieben Prozent bevorzugt, für 66 Prozent sind sie eine mögliche Option und für 17 Prozent keine.
Auch beim möglichen Börsengang zeigt sich ein offenes Bild. 43 Prozent der Startups können sich einen Gang an eine deutsche Börse vorstellen. 40 Prozent halten auch einen Börsengang im Ausland für eine Option.













