Kartellermittlung gegen TV-Sender: Neues Risiko für US-Investments

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Ein Richterhammer liegt quer über einem Rundfunkmikrofon auf dunklem Holztisch
KI-generiertes Bild (OpenAI)
Pressefreiheit und Kartellrecht treffen aufeinander - ein Konflikt, der auch Bewertungen an der Börse berühren kann.

Seit dem 10. Oktober 2026 prüft das US-Justizministerium, ob ABC, CBS, CNN, Fox News und NBC mit dem Stopp ihrer Trump-Berichterstattung gegen das Kartellrecht verstoßen haben. Die Kartellermittlung gegen TV-Sender fügt sich in ein Muster staatlicher Eingriffe, das Berater mit hoher USA-Quote im Depot kennen sollten.

Derzeit läuft eine Kartellermittlung gegen TV-Sender in den USA: Das Justizministerium prüft, ob ABC, CBS, CNN, Fox News und NBC gegen den Sherman Act verstoßen haben, das zentrale US-Kartellgesetz. Auslöser ist die zeitweise Einstellung ihrer Berichterstattung über Präsident Donald Trump. Bereits am 9. Oktober hatte die Kartellabteilung der Behörde den fünf Sendern sogenannte „civil investigative demands“ zugestellt - behördliche Anforderungen, mit denen sie Dokumente einfordert. Das berichten mehrere US-Medien, darunter NBC News, „The Hill“ und „The Wrap“.

Eine Sprecherin des Ministeriums, Emily Covington, verweist darauf, dass Mitglieder des Fernsehpools die Berichterstattung über Termine im Weißen Haus boykottiert hätten. Gruppenboykotte zwischen kommerziellen Wettbewerbern könnten gegen den Sherman Act verstoßen. Die Kartellabteilung ermittle lediglich, ob die Senderorganisationen gegen Kartellrecht verstoßen hätten.

Kartellermittlung gegen TV-Sender folgt auf wochenlangen Streit

Der Konflikt reicht mehrere Wochen zurück. Am 18. und 19. September 2026 entzog das Weiße Haus den Journalisten von CNN, MS NOW und „Politico“ die Akkreditierung und verbannte sie vom Gelände. Als Reaktion darauf setzten die fünf Pool-Sender am 21. September ihre im Rotationsprinzip organisierte Berichterstattung über den Präsidenten aus. In einer gemeinsamen Erklärung hielten sie fest, keine Regierung solle eine Nachrichtenorganisation einschränken, weil sie deren Berichterstattung ablehne.

Per einstweiliger Verfügung verpflichtete ein Bundesrichter die Regierung am 24. September dazu, CNN, MS NOW und „Politico“ erneut Zugang zu gewähren. Nach Einschätzung des Gerichts hatte der Ausschluss aller Wahrscheinlichkeit nach die verfassungsmäßigen Verfahrensrechte der Medien verletzt. Dennoch schloss das Weiße Haus CNN Anfang Oktober erneut aus - diesmal von einer Pool-Reise nach Texas und Oklahoma.

Presseverbände werten die Kartellermittlung als weitere Eskalation. Der Präsident des Reporters Committee for Freedom of the Press, Bruce D. Brown, bezeichnet dies als besonders dreisten Versuch, Journalisten einzuschüchtern. Entscheidungen von Nachrichtenorganisationen über ihre Berichterstattung seien durch den ersten Verfassungszusatz geschützt. Zu den bereits ergriffenen Vergeltungsmaßnahmen des Weißen Hauses komme nun die Berufung auf das Kartellrecht hinzu.

Kein Einzelfall: Eingriffe in Medien- und Techkonzerne seit 2025

Wie Recherchen von NPR und der Rundfunkanstalt OPB zeigen, handelt es sich bei der Kartellermittlung gegen TV-Sender nicht um einen Einzelfall. Innerhalb von 17 Monaten der zweiten Amtszeit baute die Trump-Regierung Eigenkapitalbeteiligungen an 28 Unternehmen auf - 14 davon privat, 14 börsennotiert - bezahlt aus Steuermitteln.

Darunter befinden sich mehrere Medien- und Technologiekonzerne, die auch in Anlegerdepots eine Rolle spielen. Paramount Global, der Mutterkonzern von CBS, beglich am 2. Juli 2025 eine Klage Trumps rund um ein CBS-Interview mit Kamala Harris mit einer Zahlung von 16 Millionen Dollar. Nur wenige Wochen danach, am 24. Juli 2025, erteilte die Medienaufsicht FCC ihre Zustimmung zur acht Milliarden Dollar schweren Übernahme von Paramount durch Skydance Media.

Als Gegenleistung für Subventionen aus dem Chips Act beteiligte sich der amerikanische Staat im August 2025 mit etwa zehn Prozent am Halbleiterhersteller Intel, im Wert von rund zehn Milliarden Dollar. Einen Vorstandssitz erhält die Regierung laut der Vereinbarung jedoch nicht.

Auch bei der Übernahme von US Steel durch Nippon Steel im Wert von 14,9 Milliarden Dollar sicherte sich die Regierung im Juni 2025 eine sogenannte goldene Aktie. Damit kann der Staat unter anderem Werksschließungen, Jobverlagerungen oder eine Verlegung des Firmensitzes aus Pittsburgh blockieren - dieses Vetorecht bei Standortfragen läuft bis 2035.

Im August 2025 einigten sich Nvidia und AMD darauf, 15 Prozent ihrer Erlöse aus dem Verkauf von KI-Chips nach China an den amerikanischen Staat abzugeben - als Ausgleich für gelockerte Exportauflagen. Bei H200-Chips war im Dezember 2025 von einem Satz in Höhe von 25 Prozent die Rede. Das zeigt, wie eng staatliche Eingriffe inzwischen mit der KI-Bewertungsblase bei Aktien verknüpft sind. Auch ohne Kapitalbeteiligung übt die Regierung Druck aus: Im September 2025 stellte FCC-Chef Brendan Carr Disney und einzelnen ABC-Sendern den Verlust ihrer Sendelizenzen in Aussicht. ABC setzte die Late-Night-Show von Jimmy Kimmel daraufhin unbefristet aus.


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Warum das Risiko für US-Aktien im Depot zunimmt

Die Kartellermittlung gegen TV-Sender trifft Anleger in einer Phase, in der auch die Bonität der USA nachgibt. Moody’s senkte das Rating am 16. Mai 2025 von der Bestnote Aaa auf Aa1. Damit verloren die USA die letzte Top-Bonitätsnote der drei großen Ratingagenturen - ein Umfeld, in dem auch die Fed-Zinsentscheidung im September von Anlegern besonders genau beobachtet wurde.

Für Anleger und Berater ist das keine akademische Frage: Zum 30. September 2026 machten US-Werte laut MSCI 72,94 Prozent des MSCI World Index aus. Richtet jemand ein Portfolio passiv an diesem Weltindex aus, übernimmt er damit automatisch ein überdurchschnittlich hohes politisches Risiko der USA.

Institutionelle Investoren preisen dieses Risiko bereits ein. Natixis Investment Managers befragte im September und Oktober 2025 insgesamt 515 institutionelle Anleger aus 29 Ländern, die zusammen 29,9 Billionen Dollar verwalten. 63 Prozent von ihnen äußerten die Einschätzung, dass die Politisierung US-amerikanischer Institutionen die Attraktivität des Landes für Investments mindere. Unter den 80 befragten US-Investoren stimmten dem 51 Prozent zu.

Entsprechend verschieben sich die Allokationspläne: Nur 25 Prozent der US-Investoren wollten ihr US-Engagement erhöhen. 46 Prozent planten dagegen, ihre Europa-Quote auszubauen, 44 Prozent ihre Position in Asien-Pazifik.

Wie lässt sich politisches Risiko bei Investments definieren?

Laut der Multilateral Investment Guarantee Agency (MIGA), einer Einrichtung der Weltbankgruppe, besteht politisches Risiko in der Möglichkeit, dass hoheitliche Eingriffe die Eigentums- oder Nutzungsrechte eines Investors beschneiden oder den Unternehmenswert verringern. Dazu zählen offene Enteignung, Vertragsbruch sowie die schleichende Enteignung durch eine Serie von Einzelmaßnahmen.

Kartellermittlung gegen TV-Sender: offene Fragen

Juristisch bewegen sich mehrere dieser Eingriffe in Graubereichen. Ann Lipton, Rechtsprofessorin an der University of Colorado, sieht darin eine Marktverzerrung: Wenn die amerikanische Regierung ein Unternehmen gegenüber Konkurrenten zu begünstigen scheine, schade das der Wirtschaft. Daniella Ballou-Aares vom Leadership Now Project beobachtet eine Abkehr vom regelbasierten Kapitalismus.

Die Kartellermittlung gegen TV-Sender steht allerdings noch am Anfang. Anklagen oder Entscheidungen liegen bislang nicht vor; es handelt sich um eine Untersuchung, nicht um ein Urteil. Belastbare Daten dazu, wie stark der Fall die Aktienkurse der betroffenen Konzerne bewegt hat, fehlen bisher ebenfalls.

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