KI-Bewertungsblase bei Aktien: Was Healthineers-Chef Montag zeigt

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Smartphone mit dem Logo von Siemens Healthineers vor einem Hintergrund mit Börsenkursen und Candlestick-Charts.
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Siemens Healthineers ist seit 2018 an der Frankfurter Börse notiert und gehört seit 2021 dem DAX an.

Siemens-Healthineers-Chef Bernd Montag lehnt den Begriff KI-Strategie demonstrativ ab: KI sei kein Selbstzweck. Das Zitat trifft mitten in die Debatte um eine mögliche KI-Bewertungsblase, vor der Notenbanken warnen. Was das für Berater und Anleger mit KI-Aktien im Depot bedeutet.

„Wenn mich jemand fragt: Was ist eure KI-Strategie? – dann sage ich: Wir brauchen keine. Weil KI kein Endpunkt ist.“ Mit diesem Satz sorgte Bernd Montag, Vorstandsvorsitzender von Siemens Healthineers, am 24. August 2026 für Aufsehen. Das Zitat trifft mitten in eine Debatte, die Notenbanken, Vermögensverwalter und Ratingagenturen seit Wochen umtreibt. Droht an den Börsen eine KI-Bewertungsblase? Oder ist ein Großteil der aktuellen KI-Bewertungen durch reale Geschäftsmodelle gedeckt?

Für Berater und Vermögensverwalter, die Kundenportfolios mit Technologie- oder Themeninvestments bestücken, ist diese Unterscheidung längst keine akademische Frage mehr. Sie entscheidet mit darüber, welches Risiko in einem Depot tatsächlich steckt.

Montag: KI ist Werkzeug, nicht Ziel

Montags Argumentation folgt einer klaren Logik. Sein Unternehmen definiere zunächst medizinische Ziele – etwa den Kampf gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle. Erst danach frage es sich, welche Rolle künstliche Intelligenz auf dem Weg dorthin spielen könne. „Wir wollen den Krebs besiegen. Und dann überlegen wir auf dem Weg, Krebs zu bekämpfen, welche Rolle kann KI spielen“, sagte er laut dpa. KI sei damit Werkzeug, nicht Ziel.

Bemerkenswert ist zudem, wie Montag die Grenzen von KI in der Medizin markiert. Gute Diagnosealgorithmen benötigten keine Milliarden Datenpunkte, sondern kuratierte, qualitativ hochwertige Datensätze erfahrener Radiologinnen und Radiologen. Ärztliche Expertise bleibe unersetzlich – ein Kontrapunkt zur Erzählung, KI könne komplexe medizinische Entscheidungen allein aus der Datenmasse ableiten.

Siemens Healthineers beschäftigt rund 75.000 Mitarbeitende. Im Geschäftsjahr, das am 30. September 2025 endete, erzielte der Konzern einen Umsatz von rund 23,4 Milliarden Euro. Er zählt zu den fünf größten Medizintechnik-Unternehmen der Welt und notiert seit 2021 im Dax.

Was Healthineers tatsächlich unter KI versteht

Montags Zurückhaltung beim Begriff „KI-Strategie“ bedeutet allerdings nicht, dass der Konzern auf KI verzichtet. Das Unternehmen hat über Jahre ein Portfolio an KI-gestützten Anwendungen aufgebaut, das mehrere Bereiche der Medizintechnik abdeckt. In der Radiologie automatisiert eine Plattform die Erkennung von Organen und Auffälligkeiten in Bildgebungsdaten sowie die Befunderstellung. MRT-Geräte nutzen KI-Algorithmen unter anderem zur automatisierten Patientenpositionierung.

Ähnlich funktioniert das CT-System mit dem „FAST Integrated Workflow“: Es steuert per 3D-Kamera und Software die Lagerung von Patientinnen und Patienten. In der klinischen Entscheidungsunterstützung bündelt KI Mustererkennung, um Behandlungspfade zu strukturieren. In der Mammadiagnostik klassifiziert sie automatisiert das Brustkrebsrisiko. In der Labordiagnostik erkennt sie Fehler bei der Probenverarbeitung.

Was in den öffentlich zugänglichen Unternehmensangaben allerdings fehlt, sind harte Kennzahlen. Weder in der Kommunikation zu diesen Produkten noch im Geschäftsbericht zum Fiskaljahr 2025 weist Siemens Healthineers einen separaten Umsatzanteil für KI-Funktionen aus. Auch eine gesondert ausgewiesene Forschungsquote für KI-Entwicklungen oder eine Patentzahl speziell für KI-Anmeldungen sucht man vergeblich.


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Das ist in der Medizintechnikbranche nicht ungewöhnlich. KI wird dort meist als integriertes Merkmal bestehender Geräte und Software vermarktet, nicht als eigenständiges Geschäftsfeld. Für die Einordnung des Montag-Zitats bedeutet das aber auch: Seine Aussage lässt sich anhand der vorliegenden Quellen plausibilisieren. Mit unternehmenseigenen KI-Kennzahlen exakt beziffern lässt sie sich jedoch nicht.

Die KI-Bewertungsblase: Wie teuer ist „reine“ KI wirklich?

Der eigentliche Grund, warum Montags Aussage über eine Randnotiz hinausgeht, liegt an der Börse. Dort klafft derzeit eine erhebliche Bewertungslücke. Auf der einen Seite stehen Unternehmen, die als „reine“ KI-Wetten gehandelt werden. Auf der anderen Seite stehen jene, die KI lediglich als ein Werkzeug unter vielen einsetzen. Ein Stichtagsvergleich vom 24. August 2026 verdeutlicht das Ausmaß:

UnternehmenRolle im KI-ÖkosystemKGV (aktuell)KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis)
NvidiaKI-Infrastruktur (Chips) – „reine“ KI-Wette34,9519,43
PalantirKI-Software – „reine“ KI-Wette192,7469,98
SAPEtabliertes Softwarehaus, KI als Produktmerkmal26,16nicht öffentlich verfügbar
Siemens HealthineersMedizintechnik, KI als Werkzeug20,9 (TTM) / 17,1 (2026e)1,9
Quelle: Eulerpool, AlleAktien; Stichtag 23./24. August 2026. KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Palantir wird demnach mit dem 193-Fachen des erwarteten Jahresgewinns und fast dem 70-Fachen des Jahresumsatzes bewertet. Damit liegt das Unternehmen bereits deutlich unter seinem Vorjahreswert, als das KGV noch bei 678 lag. Nvidia notiert mit einem KGV von rund 35 moderater. Beim Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt der Wert mit über 19 dennoch bei einem Vielfachen dessen, was etablierte Industrie- oder Softwareunternehmen aufrufen. Siemens Healthineers dagegen wird mit einem einstelligen KUV und einem KGV im Bereich klassischer Industriewerte gehandelt. Das gilt, obwohl der Konzern selbst umfangreich KI-gestützte Produkte im Portfolio hat.

Diese Kluft ist kein Zufall, sondern spiegelt unterschiedliche Erwartungshaltungen wider. Bei Nvidia und Palantir preist der Markt ein, dass ein erheblicher Teil des künftigen Gewinnwachstums direkt aus dem KI-Geschäft stammt. Bei Healthineers ist KI dagegen ein Baustein unter vielen in einem breit diversifizierten Medizintechnikgeschäft mit Bildgebung, Labordiagnostik und Strahlentherapie. Entsprechend bewertet der Markt das Unternehmen nach klassischen Industriemaßstäben.

Seite 2: Notenbanken warnen vor der KI-Bewertungsblase

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