In den Jahren 2021 bis 2023 erlebten die Private Markets starke Ausschüttungen, rekordverdächtige Transaktionsvolumina – und Investoren, die um höhere Kapitalzusagen wetteiferten. Seitdem ist es auf dem Transaktionsmarkt unbestreitbar ruhiger geworden, und in den letzten Jahren war auf institutioneller Seite ein Rückgang der Kapitalbeschaffung zu beobachten. Dies ist aus unserer Sicht jedoch kein Zeichen für das „Ende einer Ära“. Das Umfeld bleibt gut investierbar, wenn man weiß, wo man suchen muss.
Dabei gibt es zwei große Themen, welche die Richtung künftig maßgeblich bestimmen könnten und die Investoren daher beobachten sollten: die Investitionsdynamik rund um Künstliche Intelligenz (KI) und die Debatte um ein mögliches Ende der US-Dominanz.
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KI-Investitionen spielen entscheidende Rolle
Entscheidend ist aus unserer Sicht, ob die Ausgaben für KI-Infrastruktur und -Implementierung weiter zunehmen – denn das beeinflusst Wachstum, Zinsen und Inflation in den USA.
Wenn die KI-Ausgaben anhalten, spricht das aus unserer Sicht für die Vereinigten Staaten als attraktivsten Investitionsstandort. Das Interesse von Investoren an KI-Unternehmen ist nach wie vor groß und machte im dritten Quartal 2025 fast 50 Prozent aller US-Deals aus. 2025 übertraf zudem sämtliche Mittelzuflüsse in KI-Fonds des Jahres 2024. Zwar gingen die Mega-Finanzierungsrunden für KI-Unternehmen gemessen am absoluten Kapitalvolumen leicht zurück, doch führende Anbieter von Basismodellen konnten gegen Jahresende weiterhin sehr große, mehrfach überzeichnete Runden abschließen. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit höherer Zinsen und höherer Inflation. Lassen die KI-Ausgaben hingegen nach, sehen wir ein Rezessionsszenario für die USA – verbunden mit niedrigeren Zinsen. Außerdem würde das aus unserer Sicht auch außerhalb des Landes zu geringerem Wachstum führen.
Das Segment Venture Capital wird zunehmend von KI-bezogenen Investitionsmöglichkeiten dominiert. Über 50 Prozent des weltweiten Venture-Transaktionsvolumens entfielen in den ersten drei Quartalen 2025 auf diesen Bereich. Die Bewertungen sind hoch und es ist nicht ausgemacht, dass die Einnahmen anhalten werden oder die Unternehmen jemals profitabel sein werden. Wer jedoch eine Blase befürchtet, sollte bedenken, dass sich die KI-Investitionswelle von früheren Vergleichen unterscheidet. Das Risiko ist nicht so ausgeprägt, weil viele KI-Unternehmen bereits deutlich schneller Umsätze generieren als dies in früheren Investitionsphasen vergleichbarer Innovationsbereiche der Fall war.
Kein Ende der US-Dominanz
Die KI-Dynamik zeigt: Ein erheblicher Teil der Marktrichtung hängt weiterhin von den USA ab. Das führt zur zweiten Frage, die Investoren sich stellen sollten: Könnte dies das Ende der US-Dominanz sein? Für uns beschreibt diese die Rolle der USA als bevorzugter Investitionsstandort – sowohl im Hinblick auf Kapitalsicherheit und Renditepotenzial als auch darauf, ob sich dies angesichts wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen ändern könnte. Bei börsennotierten Anlagen ist die Antwort eindeutig: Betrachtet man den Anteil ausländischer Eigentümer an US-Aktien, so befindet sich dieser auf einem Allzeithoch – eine Abkehr auf breiter Basis ist aktuell nicht zu erkennen.
Für Private Markets, insbesondere Private Equity, ist die Antwort nuancierter. Die Branche war lange von nordamerikanischer – im Kern US-amerikanischer – Aktivität geprägt. Angesichts dieser Struktur ist es unwahrscheinlich, dass sich das Gesamtbild in naher Zukunft ändern wird. Gleichzeitig sehen wir ein steigendes Interesse an europäischen Managern – teils durch US-Fonds, die ihre Allokationen außerhalb der Vereinigten Staaten diversifizieren wollen, teils durch chinesische Investoren, die in den USA stärkeren Restriktionen unterliegen. Diese Nachfrage konzentriert sich jedoch auf eine kleine Zahl großer Manager – das institutionell investierbare Opportunity Set außerhalb der USA wächst entsprechend nur schrittweise.
Auch aus Renditesicht hat US-Private-Equity im Vergleich zu US-Aktien zuletzt weniger überzeugend ausgesehen – im globalen Vergleich bleiben die USA aus unserer Sicht jedoch weiterhin der renditestärkste Private-Equity-Markt. Europa hat wiederum ein anderes Profil: Der Buyout-Markt gilt als weniger risikoreich bietet vorhersehbarere Erträge als der US-Buyout-Markt – allerdings mit tendenziell weniger Luft nach oben. Europäische Buyouts zeigen zudem eine stärkere Outperformance im Vergleich zu europäischen Aktien. Asien weist geringere Risikoaufschläge auf, liefert aber nicht die Renditen, die aus unserer Sicht eine breite Umschichtung auslösen würden. Entsprechend ist ein Anstieg der Aktivitäten außerhalb der USA wahrscheinlicher, wobei es jedoch wichtig ist anzumerken, dass die US-Allokationen kurzfristig ihre zentrale Rolle nicht verlieren.
Marktkommentar basierend auf dem Halbjahresausblick von Mario Giannini, Executive Co-Chairman von Hamilton Lane.












