Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) stockt die Fördermittel für Neubauten der Klasse Effizienzhaus (EH) 55 im Rahmen des KfW-Programms „Klimafreundlicher Neubau“ erneut auf. Das kündigte das Ministerium an, ohne eine genaue Summe zu nennen. Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) wertet den Schritt als „pragmatische Nachsteuerung“ am tatsächlichen Bedarf der Branche.
EH55-Förderung: Mittel fast ausgeschöpft
Damit reagiert der Bund bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate auf die hohe Nachfrage nach zinsgünstigen KfW-Darlehen für EH55-Vorhaben. Die ursprünglich eingeplanten 800 Millionen Euro waren nach Angaben der KfW nahezu vollständig abgerufen. Zum 5. Oktober 2026 zählte die Förderbank rund 52.100 geförderte Wohneinheiten. Zahlreiche weitere Projekte seien baureif, aber bislang nicht finanziert gewesen, deshalb legte das Ministerium nach.
Förderbedingungen im Überblick
Die zentralen Eckpunkte der Förderung bleiben unverändert, nur der Budgetrahmen wächst:
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Programm | KfW-Programm „Klimafreundlicher Neubau“ für EH55 |
| Kredithöhe | bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit, zinsverbilligt |
| Weitere Fördervoraussetzung | Wärmeversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien |
| Ursprüngliches Fördervolumen | 800 Millionen Euro |
| Geförderte Wohneinheiten (Stand 5. Oktober 2026) | rund 52.100 |
| Förderzeitraum | Start Dezember 2025, derzeit befristet bis 31. Dezember 2026 |
| Zuständiges Ministerium | Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) |
Zweite Nachsteuerung binnen eines Jahres
Die Aufstockung ist bereits der zweite Eingriff des Bundes in das Programm. Befristet war die Förderung zunächst bis Ende Juni 2026. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) kündigte die Verlängerung am 19. Mai 2026 beim Tag der Immobilienwirtschaft des ZIA an. Im Juni löste das BMWSB dieses Versprechen ein und dehnte die Laufzeit aus, solange die Mittel reichen. Längstens läuft das Programm damit bis zum 31. Dezember 2026.
Hintergrund: Gestartet war die Förderung für EH55-Häuser im Dezember 2025, um den bestehenden „Bauüberhang“ abzubauen. Damit sind Neubauvorhaben gemeint, die bereits vor längerer Zeit genehmigt, aber noch nicht gebaut wurden. Insbesondere nach dem steilen Zinsanstieg im Jahr 2022 wurden viele Vorhaben auf Eis gelegt, davon war ein großer Teil nach dem Standard EH55 geplant. Zinsgünstige KfW-Darlehen gab es jedoch nur für Neubauten mit einem noch höheren Energiestandard, ohne KfW-Darlehen rechneten sich die EH55-Vorhaben mit den hohen Marktzinsen aber nicht mehr.
Deshalb erweiterte die Bundesregierung das Programm „Klimafreundlicher Neubau“ auf EH55-Häuser. Daneben ist eine weitere Voraussetzung zu erfüllen: Nur wenn die Wärmeversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt, greift die Förderung. Öl- und Gasheizungen sind damit tabu. Das Programm wird deshalb auch als EH55-Plus bezeichnet.
ZIA: „Pragmatische Politik, die beim Wohnungsbau ankommt“
ZIA-Präsidentin Iris Schöberl sieht in der hohen Mittelausschöpfung ein klares Signal für den Markt. „Dass die ursprünglich vorgesehenen Mittel fast vollständig abgerufen wurden, zeigt, wie groß das Interesse und wie real der Bedarf ist: Die Projekte sind baureif und warten auf ihre Umsetzung“, sagt Schöberl.
„Die Bundesregierung hat zweimal zügig und am Bedarf orientiert nachgesteuert. Das ist pragmatische Politik, die beim Wohnungsbau ankommt“, sagt die Verbandspräsidentin weiter. Für baureife Projekte bleibe Planungssicherheit weiterhin der entscheidende Faktor, ergänzt Schöberl.















