Krieg in Nahost: Das sagen die Asset Manager

Mathieu Racheter, Head of Equity Strategy Research bei Julius Bär: „Die jüngste Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran hat den Märkten eine beträchtliche geopolitische Risikoprämie beschert, vor allem bezüglich Öl. Auch wenn die Geschichte zeigt, dass solche Schocks für Aktien oft nur von kurzer Dauer sind, erhöhen gestiegene Index-Niveaus die kurzfristige Anfälligkeit. Politische Anreize im Vorfeld der US-Zwischenwahlen könnten gegen einen langwierigen Konflikt sprechen, aber die Unsicherheit bleibt hoch. In diesem Umfeld sind Disziplin und eine Ausrichtung auf defensive Qualität weiterhin ratsam.

Für Aktien ist der entscheidende Übertragungskanal eher der Energiesektor (sowohl Öl als auch Flüssigerdgas) als das direkte Handelsrisiko, das für die westlichen Volkswirtschaften vernachlässigbar ist. Ein anhaltender Anstieg der Ölpreise würde die finanziellen Rahmenbedingungen verschärfen, die Margen unter Druck setzen und die Stagflationsängste wieder wecken, selbst in einer strukturell weniger ölintensiven Weltwirtschaft. 

Die Geschichte gibt Anlass zu einer gewissen Zuversicht, da geopolitische Schocks im Nahen Osten in der Regel kurze, starke Einbrüche ausgelöst haben, auf die in den folgenden Monaten eine Stabilisierung folgte. Allerdings spielen die Ausgangsbewertungen eine Rolle, und viele Indizes – insbesondere in Europa – notieren nahe ihren jüngsten Höchstständen, sodass der Spielraum für Enttäuschungen begrenzt ist und das Risiko einer kurzfristigen Abwertung steigt, wenn die Eskalation anhält. 

Daher dürfte die Streuung zwischen den Sektoren dominieren: Zykliker, konsumnahe Branchen, Chemie und Transport sind weiterhin am stärksten dem anhaltenden Druck auf die Energiekosten ausgesetzt, während Öl- und Gasaktien in der Vergangenheit einen teilweisen Schutz vor angebotsbedingten Preisspitzen geboten haben – ein Bereich, den Anleger aus Sicht der Portfoliozusammensetzung im Auge behalten sollten, auch wenn wir eine Übergewichtung nicht aktiv befürworten. 

Gleichzeitig nähern wir uns den US-Zwischenwahlen, und die erklärte Präferenz, langwierige Auslandseinsätze zu vermeiden, spricht gegen einen starken politischen Anreiz für einen langwierigen Krieg, was die Tail-Risiken zwar abschwächt, aber nicht beseitigt. Vor diesem Hintergrund erscheint es weniger attraktiv, kurzfristigen Bewegungen nachzujagen, als Disziplin zu wahren: Eine Ausrichtung auf Qualitätsunternehmen mit soliden Bilanzen, Preissetzungsmacht und widerstandsfähigen Cashflows dürfte relativen Schutz bieten, und insgesamt bleibt eine defensive Ausrichtung gerechtfertigt, bis mehr Klarheit über den Verlauf des Konflikts herrscht.“

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