Im neuen Portfolio Update von Metzler Asset Management bleibt der Frankfurter Vermögensverwalter bei Elektroauto-Aktien, Aktien aus der KI-Anwendungssoftware und Tourismus-Aktien untergewichtet. Nach Einschätzung der Autoren zählen die drei Themen 2026 zu den schwächsten Megatrends im hauseigenen Anlageraster. Deshalb hält Metzler sie in seinen aktiv gemanagten Publikumsfonds weiterhin unter.
Warum die „Dogs of the Dow“-Strategie bei Megatrends nicht aufgeht
Hinter der Entscheidung steckt eine verhaltensökonomische Beobachtung. Anleger deuten gefallene Kurse gern als Schnäppchen und setzen auf eine Rückkehr zum historischen Mittelwert. An der Börse ist dieses Prinzip als „Dogs of the Dow“-Strategie bekannt. Metzler zufolge griff dieser antizyklische Ansatz an klassischen Aktienmärkten zwischen 1975 und 2009 noch recht zuverlässig. Seit 2010 schneidet er jedoch schlechter ab. Grund sei, dass strukturell geförderte Technologiekonzerne die vermeintlichen Verlierer-Werte regelmäßig übertreffen. Bei thematischen Fonds ist das Risiko eines verfrühten Einstiegs nach Einschätzung der Autoren noch größer. Verliert ein Megatrend an Fahrt, lässt sich das entweder als temporäre Schwächephase einordnen - oder als nachhaltige strukturelle Umwälzung deuten.
Elektroauto-Aktien: Rekordabsatz trifft auf Rekordpreiskampf
Am klarsten belegen unabhängige Daten die Metzler-These zu Elektroauto-Aktien. In den USA endete zum 30. September 2025 die bis zu 7.500 US-Dollar hohe Steuergutschrift für neue Elektrofahrzeuge. Dahinter steht der „One Big Beautiful Bill Act“ vom 4. Juli 2025. Für Elektroauto-Aktien in den USA markiert dieser Stichtag eine Zäsur: Bei den Neuwagenverkäufen sackte der Anteil rein elektrischer Fahrzeuge im dritten Quartal 2026 auf rund sechs Prozent ab. Kurz vor Ablauf der Förderung hatte er im Vorjahr noch bei rund elf Prozent gelegen.
Anders sieht es in Europa und China aus. Der Herstellerverband ACEA meldet für die EU-Neuzulassungen einen Anstieg des Marktanteils batterieelektrischer Pkw auf 20,7 Prozent im ersten Halbjahr 2026, verglichen mit 15,6 Prozent im Vorjahreszeitraum. In China erreichte der Anteil von New Energy Vehicles bei den Einzelhandelsverkäufen im Juli 2026 mit 65,1 Prozent einen Rekordwert. Dazu zählen reine E-Autos und Plug-in-Hybride. Das meldet die China Passenger Car Association. Rein batterieelektrische Fahrzeuge kamen dort auf rund 44 Prozent.
Dieses Wachstum erkauft sich die Branche jedoch mit sinkender Profitabilität. Chinas Autoindustrie bringt es auf eine jährliche Produktionskapazität von 55,5 Millionen Fahrzeugen. Davon setzte die Branche 2025 nur etwa 23 Millionen im Inland ab - eine Auslastung von gerade einmal 50 Prozent, berichtet das Fachportal autonotizen.de. Beim Hersteller BYD sank der Gewinn 2025 um 19 Prozent, während die Bruttomarge auf 17,7 Prozent zurückging - den niedrigsten Wert seit drei Jahren. Im ersten Quartal 2026 stürzte der Gewinn sogar um 55,4 Prozent ab. Zudem gewährte BYD im August 2026 bei einzelnen Modellen Preisnachlässe von bis zu rund 32 Prozent - ein Zeichen für den fortdauernden Preiskampf. Dieser Preisdruck treibt chinesische Hersteller gleichzeitig verstärkt auf den europäischen Markt: In 18 westeuropäischen Ländern kletterte ihr gemeinsamer Marktanteil von 5,7 Prozent im zweiten Quartal 2025 auf 10,7 Prozent im zweiten Quartal 2026. Im Juli 2026 erreichte er bereits 11,2 Prozent.
| Markt | Kennziffer | Zeitraum | Quelle |
|---|---|---|---|
| USA | Marktanteil reiner Elektrofahrzeuge: rund sechs Prozent (Vorjahr vor Förderende: rund elf Prozent) | Drittes Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr | NPR |
| EU | Marktanteil batterieelektrischer Pkw: 20,7 Prozent (Vorjahr: 15,6 Prozent) | Erstes Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr | ACEA |
| China | New-Energy-Vehicle-Anteil: 65,1 Prozent; reine Elektrofahrzeuge: rund 44 Prozent | Juli 2026 | CPCA / CnEVPost / CleanTechnica |
| Westeuropa (chinesische Hersteller) | Gemeinsamer Marktanteil: 10,7 Prozent, bereits 11,2 Prozent im Juli 2026 (Vorjahr: 5,7 Prozent) | Zweites Quartal 2025 bis Juli 2026 | electriccarsreport.com |
KI-Anwendungssoftware-Aktien: Marge wandert zur Infrastruktur
Beim zweiten Thema sieht Metzler eine klare Zweiteilung. Chip- und Rechenzentrumsausrüster profitieren von den Milliardeninvestitionen in KI-Kapazitäten. Klassische Unternehmenssoftware steht hingegen zunehmend unter Druck, weil autonome KI-Agenten herkömmliche Benutzeroberflächen überflüssig machen könnten - ein Substitutionsrisiko, das die Studienautoren als zentral einstufen. Gleichzeitig komme die Monetarisierung neuer KI-Funktionen langsamer voran als ursprünglich angenommen. Als defensiver gelten laut den Studienautoren jene Kernsysteme, die tief in Geschäftsprozesse eingebunden sind und hohe Wechselkosten verursachen. Einfache Anwendersoftware ohne klaren „Burggraben“ notiert dagegen bereits mit Bewertungsabschlägen. Belastbare Renditezahlen liefert die Studie zu diesem Themenfeld allerdings nicht, denn die im Text aufgeführten Prozentwerte decken sich nicht mit den Angaben in der beigefügten Tabelle.
Tourismus-Aktien: Geopolitik bremst das Fernreisegeschäft
Zu Tourismus-Aktien stützt sich die Metzler-Studie hauptsächlich auf eine qualitative Argumentation: Fortwährende Konflikte, vor allem im Nahen Osten, setzen wichtigen Flugkorridoren zu. Fluggesellschaften müssen daher Routen anpassen und Kapazitäten kürzen. Hinzu kommen hohe Ticketpreise und Unsicherheit bei den Kerosinkosten. Auch beim Buchungsverhalten zeigt sich ein Wandel: Reisende entscheiden sich immer spontaner für kurzfristige Buchungen. Der heimische Binnentourismus in den USA und der EU verzeichne zwar ein solides Wachstum von vier bis sechs Prozent. Das margenstärkere internationale Fernreisegeschäft leide dagegen spürbar, so die Studienautoren.















