Möbliertes Wohnen: Agentur-Netzwerk wehrt sich gegen schärfere Regulierung

Foto: Mr. Lodge GmbH
Sara Basad und Norbert Verbücheln, beide Geschäftsführer des Zeitwohnwerks

Ein Gesetzentwurf zur weiteren Regulierung des Wohnungsmarkts sorgt für Kritik aus dem Segment des möblierten Wohnens. Das Netzwerk Zeitwohnwerk warnt vor weniger Angebot, sinkender Investitionsbereitschaft und negativen Folgen für die Fachkräfte-Mobilität.

Das Netzwerk Zeitwohnwerk reagiert mit deutlicher Kritik auf einen unlängst bekannt gemachten Gesetzentwurf zur weiteren Regulierung des Wohnungsmarkts. Der Zusammenschluss von Agenturen für möbliertes Wohnen sieht durch pauschale Eingriffe erhebliche Risiken für Angebot, Investitionen und die Mobilität von Fachkräften.

Nach Einschätzung der Geschäftsführer Sara Basad und Norbert Verbücheln drohen mehrere Fehlentwicklungen. Dringend benötigte möblierte Wohnungen für Zeiträume von sieben bis 36 Monaten könnten vom Markt verschwinden. Vermieter könnten sich angesichts steigender Unsicherheiten eher für einen Verkauf entscheiden, statt weiter zu vermieten. Damit würde Wohnraum dem Mietmarkt vollständig entzogen.


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Zugleich befürchtet das Netzwerk eine zusätzliche Verknappung. Wenn temporäre Angebote wegfallen, weiche die Nachfrage auf ohnehin knappe langfristige Mietwohnungen aus. Das verschärfe die Konkurrenz um Wohnraum und erhöhe den Druck auf alle Wohnungssuchenden.

Kritik am pauschalen Möblierungszuschlag

„Möbliertes Wohnen ist keine Randerscheinung und keine Notlösung, sondern ein eigenständiges Wohnmodell, das seit Jahrzehnten eine reale Marktlücke schließt und konkret nachgefragt wird“, erklären Basad und Verbücheln. Die im Netzwerk zusammengeschlossenen Agenturen haben nach eigenen Angaben weit über 200.000 Menschen mit Wohnraum versorgt. Das Angebot richtet sich vor allem an Fachkräfte, Projektarbeitende sowie Menschen in beruflichen oder privaten Übergangsphasen.

Besonders kritisch bewertet das Netzwerk einen im Gesetzentwurf diskutierten pauschalen Möblierungszuschlag von fünf Prozent. „Der im Gesetzentwurf diskutierte pauschale Möblierungszuschlag von fünf Prozent ist realitätsfern und bildet weder die tatsächlichen Investitionskosten für hochwertige Möblierung noch laufende Aufwendungen für Instandhaltung, Austausch und Service ab“, betont Sara Basad von Agent Home in Stuttgart.

Pauschale Regulierungen zerstörten aus Sicht der Geschäftsführer einen seit rund 40 Jahren etablierten Markt. Die möblierte Vermietung für Zeiträume über sechs Monate werde unter diesen Bedingungen nicht mehr funktionieren und schade dem gesamten Wohnungsmarkt.

„Vertrauen zerstört“

„Wir beobachten bereits, dass dringend benötigte möblierte Wohnungen nicht mehr angeboten werden“, warnt Basad. „Vermieter entscheiden sich zunehmend gegen eine Vermietung, weil rechtliche Unsicherheit und wirtschaftliche Risiken steigen. Wohnungen werden so dem Markt vollständig entzogen – statt zusätzlichen Wohnraum bereitzustellen.“

Auch langfristige Effekte rücken aus Sicht des Netzwerks in den Fokus. „Es wird Vertrauen zerstört – und Vertrauen ist die Grundlage jeder Investitionsentscheidung“, so Verbücheln. „Wenn Investoren und private Vermieter nicht mehr darauf vertrauen können, dass funktionierende Modelle Bestand haben, ziehen sie sich zurück.“

Nach Angaben von Agent Home und Mr. Lodge zeigen Umfragen unter Vermieterinnen und Vermietern, dass ohne die Möglichkeit der möblierten Vermietung zahlreiche Neubau- und Modernisierungsvorhaben nicht realisiert würden. Zudem sei die zeitliche Flexibilität ein zentrales Element des Modells. „Gerade die zeitliche Flexibilität ist das Wesen der möblierten Vermietung“, so Basad. „Wer Mietdauern deckelt, hebelt dieses Modell faktisch aus – und nimmt mobilen Fachkräften sowie Menschen in Übergangsphasen die passende Wohnform.“

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