Morgen & Morgen Rating PKV: Wettbewerb belebt mittleres Segment

Thorsten Bohrmann | Senior Versicherungsanalyst
Foto: Morgen und Morgen
Thorsten Bohrmann: "Wir sehen eine klare Verschiebung hin zu Premiumtarifen sowie erstmals wieder eine Belebung im mittleren Segment."

Das Analysehaus Morgen & Morgen hat für das Rating PKV-Vollversicherung 2026 mehr als 4.000 Tarifkombinationen von rund 30 Versicherern untersucht. Das Ergebnis: Die Leistungsqualität im Markt bleibt insgesamt hoch, gleichzeitig verändert sich die Struktur des Wettbewerbs.

Mehr Tarife, mehr Auswahl – und mehr Differenzierung: Das Rating PKV-Vollversicherung 2026 von Morgen & Morgen bestätigt zwar das hohe Qualitätsniveau im Markt, zeigt aber auch, dass sich der Wettbewerb spürbar verschiebt.

Für das neue Rating hat das Analysehaus über 4.000 Tarifkombinationen von rund 30 Versicherern untersucht. Während zuletzt vor allem Premiumtarife im Fokus standen, rückt nun auch das mittlere Preis-Leistungssegment wieder stärker in den Blick. Viele Anbieter bauen ihre Produktlinien gezielt aus oder ordnen bestehende Tarife neu. Für Vermittler bedeutet das vor allem eines: Die Auswahl wächst weiter – und damit auch der Aufwand, die passenden Lösungen sauber herauszufiltern.

Premium bleibt Taktgeber im Markt

Im Premiumsegment entstehen weiterhin die Leistungsstandards, an denen sich der Markt orientiert. Besonders sichtbar wird das beim Zahnersatz: Vier Anbieter haben inzwischen Tarife mit vollständiger Kostenerstattung im Angebot. Rund 20 Varianten erreichen dieses Niveau.

Auffällig ist dabei, dass sich selbst diese leistungsstarken Tarife preislich noch unterhalb der gesetzlichen Krankenversicherung bewegen. Für einen 30-jährigen Versicherten starten die Beiträge bei etwa 650 Euro im Monat und können – je nach Selbstbehalt – auf über 900 Euro steigen. Der GKV-Höchstbeitrag liegt derzeit bei rund 1.261 Euro monatlich.


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Thorsten Bohrmann, Senior Versicherungsanalyst bei Morgen & Morgen, beschreibt die Entwicklung so: „Während bei der GKV die ständige Diskussion von Leistungskürzungen im Raum steht, bleibt die PKV sich treu und bringt weiterhin neue, leistungsstarke Tarife auf den Markt – häufig in gestaffelter Form, sodass Kunden ihren Versicherungsschutz individuell gestalten können. Unser aktuelles Rating der PKV-Vollversicherung bestätigt ein weiterhin sehr hohes Leistungsniveau. Zugleich sehen wir eine klare Verschiebung hin zu Premiumtarifen sowie erstmals wieder eine Belebung im mittleren Segment. Mit Blick auf die bevorstehende GOÄ-Novelle wird es besonders spannend sein, wie sich die Tariflandschaft in diesem Jahr weiterentwickelt,“ sagt Bohrmann.

Die eigentliche Bewegung liegt in der Mitte

Der spannendere Teil für den Vertrieb spielt sich jedoch unterhalb der Spitzentarife ab. Im Segment für alle PKV-Berechtigten sowie für Gruppen wie Selbständige oder Ärzte wurden 3.482 Tarifkombinationen bewertet. 519 Tarife erreichen die Höchstnote von fünf Sternen – weniger als im Vorjahr. Das liegt laut Morgen & Morgen allerdings nicht an einer schlechteren Qualität, sondern an weniger Tarifkombinationen infolge von Anpassungen und Fusionen.

Deutlich gewachsen ist dagegen das Vier-Sterne-Segment mit 1.591 Tarifen. Auch die Drei-Sterne-Kategorie legt auf 1.129 Angebote zu. Genau hier liegt für viele Vermittler das relevante Geschäft: solide Leistungen zu einem ausgewogenen Preis.

Am unteren Ende des Marktes nimmt die Zahl schwächerer Tarife weiter ab. Zwei-Sterne-Angebote gehen auf 182 zurück, Tarife mit nur einem Stern auf 61.

Stabile Qualität bei Beamtentarifen

Bei den Beamtentarifen zeigt sich ein ruhigeres Bild. Die Qualität bleibt stabil, die Verteilung verschiebt sich leicht nach oben. Von 622 Tarifkombinationen erhalten weiterhin 70 die Bestnote.

Die Zahl der Vier-Sterne-Tarife steigt leicht auf 269, während schwächere Bewertungen zurückgehen. Tarife mit nur einem Stern gibt es in diesem Segment weiterhin nicht.

Was das Rating wirklich aussagt – und was nicht

Für die Einordnung im Beratungsgespräch ist entscheidend: Das M&M-Rating bewertet ausschließlich die Versicherungsbedingungen, nicht die Beiträge. Grundlage sind rund 60 Leistungsfragen aus allen relevanten Bereichen – von ambulanter Behandlung über stationäre Leistungen bis hin zu Zahnersatz, Auslandsleistungen und Zusatzoptionen.

Tarife mit vier oder fünf Sternen erfüllen dabei klare Mindestanforderungen. Dazu zählen unter anderem Leistungen über die Gebührenordnungssätze hinaus, Chefarztbehandlung und bessere Unterbringung im Krankenhaus sowie umfassende Leistungen im Zahnbereich. Auch Themen wie Psychotherapie, Hilfsmittel oder Regelungen bei Auslandsaufenthalten fließen ein.

Mehr Möglichkeiten, mehr Erklärungsbedarf

Parallel zur Segmentverschiebung nimmt die Flexibilität der Tarife weiter zu. Viele Anbieter setzen auf modulare Bausteine, die sich individuell kombinieren lassen. Das eröffnet Spielräume in der Beratung, erhöht aber auch die Komplexität. Unterschiede liegen oft im Detail der Bedingungen – und genau dort entscheidet sich, ob ein Tarif wirklich zum Kunden passt.

Die Detailergebnisse des Ratings stellt Morgen & Morgen hier zur Verfügung.

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