Munich Re: Naturkatastrophen treiben Schäden 2025 auf über 220 Milliarden Dollar

Thomas Blunck, Vorstand Münchener Rück
Foto: Munich Re
Munich Re-Vorstand Thomas Blunck: "Es war 2025 pures Glück für die USA, dass Hurrikane sie verschonten. Und dennoch: Das Land ist Spitzenreiter der Schadensstatistik, da der Trend zu sehr hohen Schäden durch ‚Non-Peak Perils‘ bleibt. Wir dürfen uns nichts vormachen. Die Menschheit muss sich den Risiken anpassen.“

Waldbrände, Hochwasser und schwere Gewitter haben 2025 weltweit hohe Schäden verursacht. Die aktuelle Naturkatastrophenbilanz von Munich Re zeigt: Nicht Hurrikane, sondern sogenannte Non-Peak-Perils treiben die versicherten Verluste. Was das für Versicherer bedeutet.

Wetterextreme haben 2025 weltweit Schäden von rund 224 Milliarden US-Dollar verursacht. Etwa 108 Milliarden US-Dollar davon trugen Versicherer. Das geht aus der aktuellen Naturkatastrophenbilanz der Munich Re hervor. Damit liegt das Jahr erneut über der Schwelle von 100 Milliarden Dollar versicherter Schäden, auch wenn die Gesamtschäden unter dem Vorjahresniveau blieben.

Fast die gesamte Schadenlast ging auf Wetterereignisse zurück. Auf sie entfielen 92 Prozent der weltweiten Gesamtschäden und 97 Prozent der versicherten Schäden. Rund 17.200 Menschen kamen infolge von Naturkatastrophen ums Leben. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr, aber weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte.

Besonders ins Gewicht fielen Waldbrände, Hochwasser und schwere Gewitter. Diese sogenannten Non-Peak-Perils verursachten Gesamtschäden von 166 Milliarden US-Dollar, wovon rund 98 Milliarden US-Dollar versichert waren. Damit lagen sie klar über den inflationsbereinigten Durchschnittswerten der vergangenen zehn und 30 Jahre.

Waldbrände und Unwetter prägen das Schadenjahr

Dass die weltweiten Gesamtschäden dennoch unter dem Zehnjahresdurchschnitt blieben, lag vor allem am Ausbleiben schwerer Hurrikan-Treffer auf das US-Festland. Ohne dieses meteorologische Glück hätte die Bilanz deutlich höher ausfallen können. Die versicherten Schäden entsprachen in etwa dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Der Anteil unversicherter Schäden lag mit rund 50 Prozent unter dem langjährigen Schnitt. Grund dafür war der hohe Versicherungsgrad bei den verheerenden Waldbränden im Großraum Los Angeles. Ohne diese Schäden hätte die Versicherungslücke dem üblichen Niveau entsprochen, so die Munich Re.

Die teuerste Naturkatastrophe des Jahres waren genau diese Brände in Kalifornien. Eine Kombination aus Dürre und starken Winden ließ die Feuer im Januar rasch eskalieren. Der Gesamtschaden belief sich auf rund 53 Milliarden US-Dollar, davon waren etwa 40 Milliarden US-Dollar versichert. 30 Menschen verloren ihr Leben.

Extreme Ereignisse rund um den Globus

Eine humanitäre Tragödie spielte sich in Myanmar ab. Ein Erdbeben der Magnitude 7,7 forderte rund 4.500 Todesopfer. Der wirtschaftliche Schaden lag bei etwa zwölf Milliarden US-Dollar, versichert war nur ein geringer Teil. Selbst in Bangkok, rund 1.000 Kilometer entfernt, kam es aufgrund des weichen Untergrunds zu Schäden.

In den USA verursachte eine Serie schwerer Gewitter im März hohe versicherte Verluste. Mehr als 100 Tornados, teils der zweithöchsten Kategorie, führten zu Gesamtschäden von rund 9,4 Milliarden US-Dollar. Etwa sieben Milliarden US-Dollar davon entfielen auf Versicherer.

Die Hurrikansaison verlief ungewöhnlich. Zwar bildeten sich im Atlantik drei Hurrikane der höchsten Kategorie, doch das US-Festland blieb erstmals seit zehn Jahren verschont. Jamaika hingegen wurde von Hurrikan Melissa schwer getroffen. Der Sturm verursachte Schäden von rund 9,8 Milliarden US-Dollar, etwa drei Milliarden US-Dollar waren versichert.

Klimawandel als zentraler Risikofaktor

Der Rückversicherer sieht im Klimawandel einen klaren Treiber vieler Extremereignisse. Tobias Grimm, Chefklimatologe von Munich Re, sagt: „In einer Welt im Fieber sind extreme Wetterkatastrophen wahrscheinlicher. 2025 war wieder eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit waren die zwölf vergangenen Jahre die wärmsten überhaupt. Es gibt kein Zeichen der Entwarnung, der Klimawandel kann sich unter diesen Umständen weiter verschärfen.“

Regional dominierte Nordamerika erneut die Schadenstatistik. Allein dort summierten sich die Gesamtschäden auf 133 Milliarden US-Dollar, davon waren rund 93 Milliarden US-Dollar versichert. In Europa fiel die Bilanz mit etwa elf Milliarden US-Dollar vergleichsweise moderat aus.


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Asien-Pazifik und Afrika waren geprägt von hohen Gesamtschäden bei gleichzeitig sehr niedriger Versicherungsdichte. Erdbeben, Überschwemmungen und Zyklone führten dort immer wieder zu hohen menschlichen und wirtschaftlichen Verlusten, die größtenteils unversichert blieben.

Thomas Blunck, Mitglied des Vorstands von Munich Re, ordnet ein: „Das Jahr begann heftig mit sehr hohen Schäden durch die Brände in Los Angeles. Es war 2025 pures Glück für die USA, dass Hurrikane sie verschonten. Und dennoch: Das Land ist Spitzenreiter der Schadensstatistik, da der Trend zu sehr hohen Schäden durch ‚Non-Peak Perils‘ bleibt. Wir dürfen uns nichts vormachen. Die Menschheit muss sich den Risiken anpassen.“

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