Nachhaltigkeitsfonds: Bei Privaten stark, bei Institutionellen schwach

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Per Ende September 2022 lag das von Publikums- und Spezialfonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen verwaltete Vermögen bei 717 Milliarden Euro.

Das entspricht, trotz eines leichten Rückgangs im dritten Quartal, einem Wachstum von 7,1 Prozent seit Jahresultimo 2021. Zum Vergleich: Das Volumen konventioneller Fonds ist dieses Jahr um 16,9 Prozent gesunken, insbesondere wegen des Ukraine-Krieges, der hohen Inflation und der andauernden Corona-Pandemie. Nachhaltig anlegende Produkte haben sich zumindest teilweise vom schwierigen Marktumfeld abkoppeln können. Aber auch Umstellungen vormals konventioneller Fonds haben sich positiv auf das nachhaltig verwaltete Vermögen ausgewirkt.

Auf Publikumsfonds entfielen 590 Milliarden Euro. Der Anteil von Artikel-8-Fonds (mit ökologischen und/oder sozialen Merkmalen) und Artikel-9-Fonds (die zu mindestens einem Nachhaltigkeitsziel beitragen) beträgt 47 Prozent des gesamten Publikumsfonds-Marktes.
Nachhaltige Spezialfonds für institutionelle Investoren verwalteten 127 Milliarden Euro. Ihre Anlagestrategien werden meist nach individuellen Wünschen der Investoren ausgestaltet.

Seit August 2022 sind neben dem Status gemäß der Offenlegungsverordnung weitere Produktmerkmale
relevant. Berater können Kunden mit Nachhaltigkeitspräferenzen nur „Artikel-8-Plus“- und „Artikel-9-Plus“-Fonds empfehlen. Diese sehen einen Mindestanteil nachhaltiger Investitionen bzw. Investitionen im Sinne der EU-Taxonomie vor oder berücksichtigen die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf bestimmte Nachhaltigkeitsziele (PAI) in der Anlagestrategie.

Vorläufig liegen für mehr als die Hälfte des gesamten Publikumsfonds-Vermögens Meldungen zum Vertriebsstatus vor:
■ Seit Ende Juni wurden weitere fünf Prozent des bis dahin ohne Nachhaltigkeitskriterien verwalteten Fondsvermögens auf Artikel-8-Plus umgestellt.
■ Bisherige Artikel-8-Fonds erfüllen zu fast 90 Prozent die neuen Kriterien als „Plus“-Fonds.
■ Per Ende Juni noch als Artikel-9-Fonds geführte Produkte wurden hingegen häufiger zurückgestuft.
Jeweils knapp 40 Prozent haben ihren Status behalten oder fallen in die neue Kategorie der Artikel-8-Plus-Fonds. Die übrigen Produkte sind nach Anbieterangaben nicht mehr für Kunden mit Nachhaltigkeitspräferenzen geeignet. Wegen der noch geringen Meldequote beträgt das Gesamtvermögen dieser Fonds jedoch nur 1,6 Milliarden Euro.

Wie erwartet, nutzen Fonds am häufigsten eine Kombination aus den PAIs und einem Mindestanteil nachhaltiger Investitionen. Dieser Ansatz wird auf über 60 Prozent des Vermögens der Artikel-8-Plus-Fonds angewendet. Weitere 37 Prozent konzentrieren sich ausschließlich auf die Berücksichtigung der wichtigsten nachteiligen Auswirkungen. Andere Kombinationen spielen praktisch keine Rolle, vor allem, weil bisher noch verlässliche Unternehmensdaten fehlen, beispielsweise um die Erfüllung der technischen Kriterien der Taxonomie bewerten zu können.

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