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Simon Brunke, Exporo: „Die Branche verändert sich gerade grundsätzlich“

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Foto: Carolin Thiersch Photography
Simon Brunke, Exporo: "Die Anleger sind anspruchsvoller geworden."

Nach einer schwierigen Phase seit 2022 steht die Branche der Crowd- und Digitalinvestments vor einer Neuordnung. Cash. fragte Simon Brunke, Vorstand des Plattformbetreibers Exporo, nach dem aktuellen Stand und der weiteren Strategie des Unternehmens. 

Wie hat sich das Neugeschäft von Exporo in den vergangenen Monaten generell entwickelt? 

Brunke: Insgesamt hat sich unser Neugeschäft stabil entwickelt und liegt ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Von den Volumina unserer stärksten Jahre sind wir allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Mit der aktuellen Entwicklung sind wir dennoch grundsätzlich zufrieden - insbesondere vor dem Hintergrund der Veränderungen im Immobilien- und Finanzierungsmarkt der vergangenen Jahre.

Unser Anspruch ist aber klar, das Neugeschäft zukünftig wieder deutlich auszubauen. Wir sehen aktuell sowohl auf Investorenseite als auch bei Projektentwicklern und Finanzierungspartnern wieder mehr interessante Möglichkeiten.

Wie ist zuletzt das Verhältnis von klassischem Plattformgeschäft zu Club Deals/Direktinvestments? Inwieweit gibt es hier eine Schwerpunktverlagerung beziehungsweise entsprechende Planung?  

Brunke: 2026 haben wir bislang deutlich mehr Geschäft über Club Deals und Direktinvestments gemacht als über das klassische Plattformgeschäft.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen haben wir im Zuge des Austauschs verschiedener Dienstleister unsere Plattform technisch und regulatorisch angepasst. Dadurch war das Investieren über die Plattform für einen Zeitraum von fast drei Monaten nicht möglich. Zum anderen sehen wir aber tatsächlich eine steigende Nachfrage von größeren und professionelleren Anlegern, die höhere Beträge investieren möchten und dabei teilweise individuellere Strukturen bevorzugen.

Wir sehen Club Deals und Direktinvestments deshalb nicht als Konkurrenz zum Plattformgeschäft, sondern als sinnvolle Ergänzung. Unser Ziel ist letztlich, unterschiedliche Investorengruppen mit den jeweils passenden Investmentstrukturen bedienen zu können.


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Als ECSP-Projekte, also Projekte nach der europäischen Regulierung für European Crowdfunding Service Provider, stehen bei Exporo aktuell zwei Immobilienfinanzierungen zur Investition offen, Erneuerbare Energie nur als Direktinvestment. Ist das Zufall oder Strategie? 

Brunke: Wir steuern unser Angebot nicht nach festen Quoten für einzelne Assetklassen. Entscheidend ist für uns vielmehr, ob ein Investment aus Sicht des Anlegers ein überzeugendes Risiko-Rendite-Profil bietet.

Bei Erneuerbaren Energien schauen wir aktuell sehr genau hin. Nicht jedes Projekt ist aus unserer Sicht gleichermaßen „bankable“, und entsprechend defensiv sind wir bei der Auswahl. Gleichzeitig sehen wir derzeit im Immobilienbereich einen erheblichen Kapital- und Finanzierungsbedarf und damit verbunden auch wieder sehr interessante Investmentmöglichkeiten.

Dass aktuell mehr Immobilienfinanzierungen auf der Plattform zu finden sind, ist daher weniger Ausdruck einer strategischen Festlegung auf Immobilien, sondern das Ergebnis unserer Investmentselektion. Wenn wir im Bereich Erneuerbare Energien attraktive Investments mit einem aus unserer Sicht überzeugenden Risiko-Rendite-Profil sehen, werden wir diese genauso anbieten.

Die beiden Immobilienprojekte haben eine Verzinsung von neun Prozent beziehungsweise acht Prozent pro Jahr. Sind das Einzelfälle oder handelt es sich um das bei Exporo nun wieder übliche Niveau? 

Brunke: Das aktuelle Zinsniveau spiegelt natürlich das veränderte Markt- und Risikoumfeld wider. Die Konditionen legen wir weiterhin für jedes Projekt individuell fest und berücksichtigen dabei unter anderem Struktur, Laufzeit, Besicherung und das jeweilige Projektrisiko.

Grundsätzlich sehen wir Renditen in einer Größenordnung von etwa acht bis neun Prozent pro Jahr aktuell aber durchaus als einen Maßstab für attraktive Immobilienfinanzierungen. Gegenüber der Niedrigzinsphase haben sich die Renditeanforderungen der Investoren deutlich verändert - und das muss sich entsprechend auch in der Verzinsung widerspiegeln.

Entscheidend ist für uns dabei allerdings nicht die möglichst hohe Nominalverzinsung, sondern das Verhältnis zwischen Rendite und eingegangenem Risiko.

Sind inzwischen alle Ihre ECSP-Projekte tokenisiert und erfolgen auch die Club Deals/Direktinvestments rein digital oder ist hier persönlicher Kontakt erforderlich beziehungsweise üblich? 

Brunke: Unsere Investments auf der Plattform sind weiterhin tokenisiert. Das liegt insbesondere daran, dass die Tokenisierung Bestandteil der technischen Infrastruktur unserer Plattform ist und sich dieser Prozess über die vergangenen Jahre etabliert hat.

Bei Club Deals und Direktinvestments sind wir dagegen flexibler. Diese Investments laufen nicht zwingend über die klassische Plattforminfrastruktur und müssen daher auch nicht in jedem Fall tokenisiert werden.

Gerade bei größeren Tickets spielt zudem der persönliche Kontakt eine deutlich größere Rolle. Anleger möchten ein Investment häufig detaillierter diskutieren, Rückfragen stellen und die Struktur verstehen. Wir glauben daher nicht an ein Entweder-oder zwischen Digitalisierung und persönlicher Betreuung: Die Prozesse können weitgehend digital und effizient ablaufen, während die Investitionsentscheidung gerade bei größeren Beträgen häufig durch persönlichen Austausch begleitet wird.

Welche weiteren Entwicklungen oder Trends sind aus Ihrer Sicht in der Branche und/oder bei Exporo von Bedeutung?

Brunke: Aus unserer Sicht verändert sich die Branche gerade grundsätzlich. Die Grenzen zwischen klassischem Crowdinvesting, digitalen Direktinvestments, Club Deals und Private Markets werden zunehmend fließend, dazu verschwinden europaweit immer mehr typische Crowdinvesting-Plattform, auch in Deutschland.

Vor einigen Jahren stand vor allem die Demokratisierung von Investments im Vordergrund - also die Möglichkeit, Privatanlegern überhaupt einen einfachen digitalen Zugang zu Anlageklassen zu ermöglichen, die zuvor häufig institutionellen oder sehr vermögenden Investoren vorbehalten waren. Dieser Gedanke bleibt richtig.

Gleichzeitig sind die Anleger anspruchsvoller geworden. Entscheidend sind heute weniger Begriffe wie „Crowdinvesting“ oder „Tokenisierung“, sondern die Qualität des Investments, Transparenz, Strukturierung und vor allem ein attraktives Verhältnis von Risiko und Rendite.

Auch Exporo entwickelt sich entsprechend weiter. Wir kommen historisch aus dem digitalen Immobilieninvestment und dem klassischen Plattformgeschäft. Heute verstehen wir uns breiter: Wir wollen Anlegern Zugang zu attraktiven Private-Market-Investments ermöglichen - je nach Investment und Anlegergruppe über die Plattform, als Club Deal oder als Direktinvestment.

Die Technologie bleibt dabei ein wichtiger Enabler. Am Ende sollte aber nicht die Technologie darüber entscheiden, ob ein Investment gut ist, sondern die Qualität des zugrunde liegenden Assets und der Struktur.

Die Fragen stellte Stefan Löwer für den Artikel Crowdinvesting 2026: Ein Markt zwischen Bereinigung und Neustart. Die Antworten sind teilweise in den Artikel eingeflossen und Cash. bringt sie hier nochmals in voller Länge. Die Antworten geben den Stand vom 14. August 2026 wieder.

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