EXKLUSIV

Crowdinvesting 2026: Ein Markt zwischen Bereinigung und Neustart

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Foto eines Dinosaurier-Schädels, montiert in einen Laptopbildschirm
Foto: Timeless/forenna-stock.adobe.com (KI)/Montage: Cash
Bei Digitalinvestments ist auch mal ein 67 Millionen Jahre altes Dinosaurierer-Fossil als „Krypto-Asset“ in Token à 50 Euro nur ein paar Klicks entfernt (Montage: Foto des Dino-Schädels mit KI-Hintergrund).

Die Nullzinsjahre machten Crowdinvesting groß, die Zinswende legte die Schwächen des Geschäftsmodells offen. Nach dem Einbruch des Immobilienmarkts, Projektpleiten und Insolvenzen von zwei prominenten Plattformen präsentiert sich die Branche deutlich kleiner – sie ist aber keineswegs verschwunden. 

Es ist noch nicht lange her, da schien Crowdinvesting in Deutschland vor allem eine Richtung zu kennen: nach oben. Digitale Plattformen sammelten bei Privatanlegern Kapital für Immobilienentwickler, Start-ups, mittelständische Unternehmen und Energieprojekte ein. Niedrige Mindestanlagen, vollständig digitale Zeichnungsstrecken und Zinsen deutlich oberhalb klassischer Sparprodukte trafen auf ein Umfeld, in dem Tages- und Festgeld kaum etwas abwarfen. Besonders Immobilien-Crowdinvesting entwickelte sich prächtig.


Das könnte Sie auch interessieren:

Die Zinswende des Jahres 2022 beendete diese Konstellation abrupt. Seitdem durchläuft die Branche einen tiefgreifenden Umbau. Immobilienpreise kollabierten, Projektentwickler gerieten unter Druck, Projekte verzögerten sich oder fielen ganz aus.

Besonders deutlich wurde die Konsolidierung im Juli 2025. Die Berliner EV Digital Invest AG, bekannt durch die Marke Engel & Völkers Digital Invest, kündigte einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Für die Branche war das ein Einschnitt.

EV Digital Invest war kein kleines Nischenportal, sondern ein börsennotiertes Unternehmen mit prominenter Marke und Bafin-Zulassung als European Crowdfundig Service Provider (ECSP). Die technische Verwaltung der bestehenden Anlegerbeziehungen wurde später von Bergfürst übernommen, ebenfalls einer der wenigen deutschen ECSP. 

Insolvenzanträge bei OneCrowd

Nur rund ein Jahr später – vor wenigen Wochen also – folgte der nächste prominente Fall. Im Juli 2026 stellte die OneCrowd-Gruppe Insolvenzanträge für die OneCrowd GmbH sowie die Tochtergesellschaften OneCrowd Loans und OneCrowd Securities. Der Geschäftsbetrieb wird zunächst fortgeführt, seit Mitte August läuft die Suche nach Investoren, die das Plattformgeschäft übernehmen.

Die Bedeutung reicht weit über den Firmennamen OneCrowd hinaus. Zur Gruppe gehören beziehungsweise gehörten mit Seedmatch, Econeers und Mezzany Marken, die die deutsche Crowdfunding-Geschichte seit ihren frühen Jahren geprägt haben und die erst 2025 unter der Marke OneCrowd zusammengeführt wurden. Seedmatch war bereits 2011 gestartet und galt als Pionier des deutschen Startup-Crowdinvestings. Die Insolvenz ist deshalb symbolträchtig. 

Wer daraus jedoch das Ende des Crowdinvestings ableitet, übersieht die zweite Hälfte der Entwicklung. Im Sommer 2026 gibt es weiterhin ein breites Angebot an öffentlich zugänglichen Investments, die Vielfalt ist größer und die Branche ist zunehmend reguliert, agiert also direkt oder mittelbar unter Bafin-Aufsicht. 

Aktuell 56 öffentlich sichtbare Angebote auf 16 Plattformen

Cash. hat mit KI-Unterstützung eine Bestandsaufnahme vorgenommen und die für deutsche Privatanleger relevanten Plattformen durchforstet. Zwar liegt weiterhin ein Großteil davon brach, zum Stichtag 20. August 2026 fanden sich jedoch insgesamt 56 öffentlich sichtbare Angebote auf 16 Plattformen. Die größten Projektzahlen entfallen demnach auf FunderNation mit acht offenen Runden und Companisto mit sieben Angeboten. Wiwin kommt in der Momentaufnahme auf fünf, Conda und Rockets jeweils auf vier. 

Die Struktur unterscheidet sich indes erheblich von der Immobilienlastigkeit früherer Jahre. Immobilien bilden nur rund ein Viertel der untersuchten Angebote. Sie bleiben jedoch weiterhin die größte Kategorie. Zum Stichtag finden sich beispielsweise Finanzierungen für Wohn- und Pflegeimmobilien, Bestandsobjekte und Projektentwicklungen. Die avisierten Verzinsungen – sofern ohne Anmeldung einsehbar – liegen zwischen 7,75 und 9,5 Prozent pro Jahr. Ein über Rockets angebotenes Immobilien-Unternehmensinvestment erreicht sogar 11,25 Prozent.

Zinsen erheblich höher als noch vor Kurzem üblich

Damit liegen die Zinsen erheblich höher als noch vor wenigen Jahren üblich. Die beiden aktuellen Immobilienprojekte von Exporo etwa liegen bei neun beziehungsweise acht Prozent pro Jahr. Ist das wieder das übliche Niveau? „Die Konditionen legen wir weiterhin für jedes Projekt individuell fest und berücksichtigen dabei unter anderem Struktur, Laufzeit, Besicherung und das jeweilige Projektrisiko“, antwortet Exporo-Vorstand Simon Brunke.

„Grundsätzlich sehen wir Renditen in einer Größenordnung von etwa acht bis neun Prozent pro Jahr aktuell aber durchaus als einen Maßstab für attraktive Immobilienfinanzierungen. Gegenüber der Niedrigzinsphase haben sich die Renditeanforderungen der Investoren deutlich verändert – und das muss sich entsprechend auch in der Verzinsung widerspiegeln“, sagt er. 

Daneben hat sich Energie und Infrastruktur als zweite tragende Säule der Plattformen etabliert. Aktuell werden unter anderem Windparks, Photovoltaikprojekte, Batteriespeicher und Energiepark-Anleihen finanziert. Die avisierten Zinsen sind deutlich niedriger als bei den Immobilienprojekten.

Erneuerbare Energie mit 4,0 bis 5,5 Prozent

Sie beginnen in diesem Segment bei 4,0 Prozent für ein Solarprojekt von DKB-Crowd und reichen bis 5,5 Prozent zuzüglich möglicher Bonuskomponenten bei einem Wiwin-Windpark. Etwas darüber liegt Klimja mit einem recht exotischen Vorhaben: Ein Solarprojekt zur Ananas-Trocknung in Uganda. Es lockt mit sechs Prozent Geldzins oder acht Prozent Naturalzins (Warengutscheine). 

Der dritte große Block sind Unternehmens- und Startup-Finanzierungen. Companisto bietet Beteiligungen unter anderem in Logistik/KI, Biotechnologie, Cleantech und Software. FunderNation deckt ein Spektrum von Bautechnologie und Energieeffizienz über Medizintechnik bis Foodtech ab. Diese Emissionen hängen am Unternehmenserfolg und bieten keine festen Zinsen. Daneben gibt es „Collectibles“, also Sammlerstücke wie Gemälde oder Oldtimer, die keine laufenden Erträge abwerfen, sondern allein auf die erhoffte Wertsteigerung setzen. 

Nächste Seite: Exporo-Vorstand: „Branche verändert sich gerade grundsätzlich“

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

1 2 3Startseite

Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments