So funktioniert die neue Frühstartrente für Kinder

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Eine Hand legt eine Euromünze in die offene Hand eines Kindes am Küchentisch neben einem Sparbuch.
KI-generiertes Bild (OpenAI)
Ab dem sechsten Geburtstag zahlt der Staat monatlich zehn Euro in das neue Altersvorsorgedepot ein.

Der Bundestag hat die Frühstartrente beschlossen: Ab 2027 soll der Staat monatlich zehn Euro in ein Altersvorsorgedepot für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren einzahlen. Wie viel am Ende daraus werden könnte und was Kritiker bemängeln, zeigt der Überblick.

Der Bundestag hat die Frühstartrente verabschiedet. Union und SPD befürworteten den Entwurf, Bündnis 90/Die Grünen sowie Die Linke votierten dagegen, und die AfD hielt sich bei der Abstimmung zurück. Damit ist der Weg für ein neues, vom Staat finanziertes Kinder-Altersvorsorgedepot frei - allerdings fehlt noch die Zustimmung des Bundesrats.

Wie ist der Stand des Gesetzes?

Bereits am 14. Oktober 2026 hatte der Finanzausschuss grünes Licht für den Regierungsentwurf (BT-Drucksache 21/7864) gegeben. Seine Beschlussempfehlung (BT-Drucksache 21/8606) enthält dazu Präzisierungen. Zuvor hatte das Plenum den Text am 25. September 2026 erstmals beraten. Hinzu kam am 5. Oktober 2026 eine rund anderthalbstündige öffentliche Anhörung von Sachverständigen im Finanzausschuss. Bevor die Frühstartrente startet, muss allerdings noch der Bundesrat zustimmen.

Wer bekommt die Frühstartrente?

Anspruch auf die Förderung haben Kinder zwischen ihrem sechsten und 18. Geburtstag. In diesem Zeitraum zahlt der Staat monatlich zehn Euro in ein individuelles, kapitalgedecktes Depot des Kindes ein, das sogenannte Altersvorsorgedepot. Hochgerechnet auf die gesamte Laufzeit von zwölf Jahren ergibt das eine staatliche Förderung von 1.440 Euro pro Kind - diese Rechnung liefert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Förderberechtigt ist als erster Jahrgang 2020: Diese Kinder bekommen die Förderung rückwirkend bereits seit Januar 2026 gutgeschrieben. Von 2027 an rutscht jährlich der nächste Jahrgang der Sechsjährigen in die Förderung hinein.

Wie viel dürfen Eltern zusätzlich einzahlen?

Auch Eltern, Großeltern oder andere Dritte können das Altersvorsorgedepot aufstocken - bis zu 6.840 Euro pro Jahr, erläutert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).


Das könnte Sie auch interessieren:

EckpunktRegelung
Förderzeitraum6. bis 18. Geburtstag
Staatliche Förderungzehn Euro pro Monat, insgesamt 1.440 Euro
Zuzahlung möglichbis 6.840 Euro pro Jahr durch Eltern, Großeltern oder Dritte
Startjahrgang2020, rückwirkend ab Januar 2026
Inkrafttreten des Gesetzes1. Januar 2027, vorbehaltlich Zustimmung des Bundesrats
Frühestmögliche Auszahlungmit Vollendung des 65. Lebensjahres
Kostendeckelmaximal ein Prozent Effektivkosten pro Jahr, keine Abschlusskosten bis 18 Jahre
Übertragbarkeitbis zum 35. Geburtstag in private Altersvorsorgeverträge möglich
Quelle: Deutscher Bundestag, GDV, Verbraucherzentrale Bundesverband

Auszahlung frühestens im Jahr 2085

Das Kapital im Depot darf frühestens ausgezahlt werden, wenn das Kind sein 65. Lebensjahr vollendet hat. Für Kinder des Jahrgangs 2020 bedeutet das: Die erste Auszahlung wäre frühestens im Jahr 2085 möglich.

Was passiert ohne eigenes Depot?

Legen Eltern für ihr Kind kein eigenes Depot an, fließt das Geld in eine kollektive Kapitalmarktanlage. Dafür soll zum 1. Januar 2028 ein eigenes Sondervermögen entstehen. Einem Bericht von t-online zufolge verwaltet die Deutsche Bundesbank dieses Sondervermögen. Laut Beschlussempfehlung des Finanzausschusses dürfen die Mittel der kollektiven Anlage ausschließlich in „breit diversifizierte globale Aktien oder Aktienfonds“ fließen. So soll verhindert werden, dass mit der Geldanlage andere politische Ziele verfolgt werden.

Was die Frühstartrente den Staat kostet

Für den Bundeshaushalt entstehen durch die Frühstartrente Mehrkosten. Für 2027 gibt die Bundesregierung 198 Millionen Euro an, bis 2030 soll die Summe auf bis zu 411 Millionen Euro steigen.

JahrKosten für den Bundeshaushalt
2027198 Millionen Euro
2030bis zu 411 Millionen Euro
Quelle: Deutscher Bundestag

Kostendeckel für Anbieter von Altersvorsorgedepots

Private Anbieter unterliegen beim geförderten Standardprodukt einem engen Kostenrahmen: Die laufenden Effektivkosten dürfen laut vzbv maximal ein Prozent pro Jahr betragen. Bis zum 18. Lebensjahr fallen zudem keine Abschlusskosten an. Wer das angesparte Kapital später in einen individuellen Vertrag überführen möchte, kann das bis zum 35. Geburtstag tun.

Wie viel am Ende zusammenkommen könnte

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) nannte in seiner Bundestagsrede vom 25. September 2026 konkrete Zahlen. Nach Schätzung der Bundesregierung summiert sich allein durch die staatliche Förderung bis zum Eintritt ins Rentenalter ein Kapital von etwa 53.000 Euro.

„Wenn jetzt sogar noch die Eltern oder die Großeltern jeden Monat 20 Euro dazugeben, dann wird es nach unseren Schätzungen bis zum Renteneintritt eine Summe von 160.000 Euro sein, die dort zusammenkommt“, sagt Klingbeil im Plenum. Die Reform begründet er zudem sozialpolitisch: „Es ist noch heute so, dass viel zu häufig der Geldbeutel der Eltern darüber entscheidet, welche Zukunft Kinder in unserem Land haben. Das brechen wir ein Stück weit mit der Frühstartrente auf.“

SzenarioGeschätztes Kapital bei Renteneintritt
Nur staatliche Förderung (zehn Euro pro Monat, 6. bis 18. Lebensjahr)rund 53.000 Euro
Zusätzlich 20 Euro pro Monat von Eltern oder Großelternrund 160.000 Euro
Quelle: Bundesregierung, Schätzung (Bundestagsrede von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, 25.09.2026)

Kritik von Opposition und Verbänden an der Frühstartrente

Der GDV begrüßt die Frühstartrente grundsätzlich. Verbandschef Jörg Asmussen hält den Ansatz für sinnvoll, weil er Kinder und Eltern frühzeitig an die Themen Altersvorsorge und Kapitalmarkt heranführe. Dennoch reicht die Gesamtförderung von 1.440 Euro pro Kind laut GDV als Basis für die Altersvorsorge nicht aus. Der Verband verlangt deshalb unter anderem verbesserte Übergangsmöglichkeiten für das Kapital nach dem 18. Lebensjahr.

„Private Kundenakquise auf Staatskosten“ - mit diesen Worten kritisierte die Linken-Abgeordnete Lisa Schubert das Projekt, als der Bundestag es am 25. September 2026 debattierte. Vorsicht mahnt in diesem Zusammenhang auch der vzbv an: Kapitalmarkterfahrung allein sei noch keine finanzielle Bildung, heißt es dort.

Was das für Berater und Anbieter bedeutet

Vermittler und Produktanbieter bekommen mit der Frühstartrente ein mögliches neues Massenprodukt - allerdings mit klaren Vorgaben: Beim Standardprodukt schreibt der Gesetzgeber keine Beratungspflicht vor, dafür aber einen gedeckelten Kostenrahmen. Wer solche Kinder-Depots anbietet, muss die Effektivkosten auf ein Prozent pro Jahr begrenzen und darf bis zum 18. Lebensjahr des Kindes keine Abschlusskosten verlangen. Richten Eltern dagegen kein eigenes Depot ein, fließen die Einzahlungen in die kollektive Standardanlage.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments