Stimmen zum Rechtsruck: „Wie Klaus Hermann blicken wir besorgt auf das Erstarken extremistischer Positionen“

Foto: Die Bayerische
Martin Gräfer

Angesichts des Wählerzulaufs der in weiten Teilen rechtsextremen AfD sollte sich die Versicherungsbranche deutlich positionieren, forderte in der letzten Woche der Versicherungsmakler Klaus Hermann auf Linkedin. Cash. hat Reaktionen aus der Branche eingeholt.

Die Notwendigkeit, sich klar gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass zu positionieren, sehen auch die von Cash. befragten Vorstände von Versicherungen, Vertrieben und Verbänden. „Menschenfeindliche Ideologien und Ressentiments haben in unserer vielfältigen und demokratischen Gesellschaft keinen Platz. Als Unternehmen positionieren wir uns deshalb unmissverständlich für Offenheit, Toleranz und gegen jede Form der Diskriminierung. Deshalb haben wir auch die Charta der Vielfalt unterschrieben“, erklärt Martin Gräfer, Vorstand Die Bayerische, gegenüber Cash. Wie Klaus Hermann blicke das Unternehmen besorgt auf das Erstarken extremistischer Positionen und die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft. „Die Versicherungsbranche sehen wir als gelebte Vielfalt. In unseren Häusern zeigen Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen jeden Tag aufs Neue, dass Pluralität für uns alle ein Gewinn ist und ein vielfältiges Miteinander funktioniert“, betont Gräfer.

Worte und symbolische Aktionen können seiner Meinung nach wichtig sein. „Auch ich persönlich habe mich dazu vor einiger Zeit klar auf meinem Linkedin-Account positioniert und mit über 100.000 Menschen am letzten Wochenende mit Kollegen an der Großdemo gegen Rechtsextremismus in München teilgenommen. Entscheidend ist aber unser Handeln. Ausgrenzung und dumpfen Parolen wirken wir entgegen, indem wir als Branche einen Ort bieten, an dem sich niemand aufgrund seiner Herkunft, Kultur oder Orientierung ausgegrenzt fühlt. Das gilt nach innen unter Kolleginnen und Kollegen aber auch nach außen unseren Kundinnen und Kunden gegenüber. Seien wir selbst Teil einer engagierten Zivilgesellschaft“, fordert Gräfer.

Wegschauen sei keine Option, teilt Deutschlands größter Allfinanzvertrieb DVAG auf Anfrage mit. „Als Unternehmen bekennen wir uns zu den demokratischen Werten. Extremistische Tendenzen wie Rassismus und Intoleranz haben bei uns keinen Platz. Im Gegenteil: Wir stellen uns geschlossen gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Gelebte Toleranz, Menschlichkeit und Vielfalt – das sind die Werte, die auch weiterhin unser Handeln bestimmen.“ Auch Plansecur-Geschäftsführer Heiko Hauser plädiert dafür, für unverhandelbare Werte einzutreten: „Plansecur ist seit jeher eine werteorientierte Gemeinschaft und steht für ein respektvolles Miteinander. Demokratie und Menschenrechte sind für uns nicht verhandelbar. Das ist der gemeinsame Nenner der demokratischen Mitte unserer Gesellschaft.“

Die Branchenverbände beziehen ebenfalls klar Stellung. „Der GDV steht für unsere demokratische Grundordnung, den Parlamentarismus und eine Vielfalt und die Werte, die unser Grundgesetz garantiert. Es gibt eine wichtige und richtige Diskussion, wie sich Unternehmen und ihre CEOs in politischen Fragen positionieren. Das muss jeder und jede für sich entscheiden“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Für ihn sei klar: „Das Programm der AfD ist schlecht für Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand. Wer aus der EU austreten will, den europäischen Binnenmarkt verlassen will, der schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland und damit seinen Beschäftigten massiv.“

„Wir stehen zur wehrhaften Demokratie“

BVK-Präsident Michael H. Heinz erklärt gegenüber Cash., zwar nicht für die Versicherungsbranche allgemein sprechen zu können, jede Form von Extremismus aber entschieden abzulehnen. „Als ehrbare Versicherungskaufleute widersprechen wir zudem jedweden menschenverachtenden, demokratiefeindlichen sowie rassistischen Äußerungen und Umtrieben.“

Der Vorstand des AfW, bestehend aus Franziska Geusen, Frank Rottenbacher und Norman Wirth, gibt zu Protokoll, dass die Welt komplex sei, mit komplexen Fragestellungen, auf die es keine einfachen Antworten gebe – so wünschenswert das auch wäre. „Das kennt jeder Unternehmer aus seinem eigenen Unternehmen und so gilt das erst recht für ein ganzes Land, einen ganzen Kontinent oder gar globale Probleme.“

Doch bei aller Kritik an einzelnen Regulierungsvorhaben, Überbürokratisierung, verkrusteten Strukturen, schleppenden bis zu ausfallenden Entscheidungen gilt für den AfW: „Wir stehen zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Wir stehen zur wehrhaften Demokratie. Wir stehen zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Wir stehen zur Pluralität in der Gesellschaft. Rechtsradikales Gedankengut lehnen wir ab. Linksradikales Gedankengut lehnen wir ab.“

Das Plädoyer des AfW-Vorstands: „Wir sollten uns immer der Werte und Freiheiten bewusst sein, die seit 1989 wieder für ganz Deutschland gelten und um die uns viele Menschen auf der Welt beneiden. Wir halten es mit Friedrich Ebert, dem ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, der 1919 sagte: ‚Demokratie braucht Demokraten.'“ 

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