Ost spart anders als West? Zumindest beim Umgang mit dem eigenen Einkommen gibt eine repräsentative XTB-Umfrage zum Tag der Deutschen Einheit wenig Anlass für eine solche Trennlinie. In den alten Bundesländern geben 27 Prozent der Befragten an, nichts von ihrem monatlich verfügbaren Nettoeinkommen zu sparen oder zu investieren. In den neuen Bundesländern sind es 28 Prozent. Berlin, das in der Auswertung als Sonderfall separat betrachtet wird, liegt mit 28 Prozent ebenfalls gleichauf. Bundesweit legt damit mehr als jeder Vierte kein Geld zurück.
Auch unter denen, die sparen oder investieren, ähnelt sich das Bild in den neuen und alten Bundesländern. Jeweils knapp 25 Prozent legen zwischen fünf und knapp zehn Prozent ihres verfügbaren Nettoeinkommens zurück. In Berlin sind es 18 Prozent. „Beim Sparen verläuft die entscheidende Grenze nicht zwischen Ost und West. In beiden Landesteilen legt mehr als jeder Vierte nichts zurück. Das ist die Zahl, über die wir eigentlich sprechen müssen: Ohne regelmäßiges Sparen wächst weder ein finanzieller Puffer noch eine zusätzliche Altersvorsorge“, sagt Jens Chrzanowski, Deutschlandchef vom Online-Broker XTB.
Zwischen Frauen und Männern ist der Abstand größer
Während Ost, West und Berlin beim Anteil der Menschen ohne Ersparnisse eng beieinanderliegen, unterscheiden sich die Antworten von Frauen und Männern stärker. 31 Prozent der Frauen geben an, nichts zu sparen oder zu investieren. Bei den Männern sind es 24 Prozent. Mindestens ein Zehntel ihres verfügbaren Nettoeinkommens legen 14 Prozent der Frauen zurück, gegenüber 23 Prozent der Männer.
„Die größere Kluft beim Sparen verläuft nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen Frauen und Männern. Dass Frauen seltener größere Teile ihres Einkommens zurücklegen, kann mit Teilzeit, Unterbrechungen im Berufsleben und Sorgearbeit zusammenhängen. Diese Faktoren können zugleich die Altersvorsorge schwächen. Umso wichtiger ist es für Frauen, frühzeitig einen finanziellen Puffer aufzubauen und, soweit möglich, regelmäßig für das Alter vorzusorgen“, so Chrzanowski.

XTB-Umfrage: Mehr als jeder Vierte legt aktuell nichts von seinem Nettoeinkommen zurück. (Quelle: XTB)
Erst der Notgroschen, dann der Vermögensaufbau
Auch bei den Sparzielen zeigen sich nur geringe regionale Unterschiede. Am häufigsten legen die Befragten Geld für unerwartete Ausgaben zurück: 31 Prozent in den alten Bundesländern, 28 Prozent in den neuen und 30 Prozent in Berlin nennen den finanziellen Puffer als wichtigstes Sparziel. Bundesweit steht der „Notgroschen“ mit 29 Prozent an erster Stelle.
Die Altersvorsorge folgt mit deutlichem Abstand. Sie ist für 15 Prozent der Befragten im Westen, 17 Prozent im Osten und 18 Prozent in Berlin das wichtigste Sparziel. Reisen und Freizeit liegen bundesweit mit 17 Prozent als Sparziel knapp davor. Den langfristigen Vermögensaufbau führen neun Prozent als vorrangiges Ziel an.
„Der Notgroschen hat zu Recht Priorität. Er schützt davor, dass eine kaputte Waschmaschine oder eine unerwartete Rechnung sofort zum finanziellen Problem wird. Auf Dauer reicht dieser Puffer aber nicht. Wer nach dem Aufbau einer Reserve finanziellen Spielraum hat, sollte auch langfristig vorsorgen“, sagt Chrzanowski.
Trotz Inflation: Das Girokonto bleibt Deutschlands beliebtester Sparort
Beim Sparen und Anlegen setzen Menschen in beiden Landesteilen vor allem auf vertraute Formen. Bundesweit nennen 67 Prozent das Girokonto, 40 Prozent Bargeld und 33 Prozent Tages- oder Festgeld. ETFs nutzen 20 Prozent, Einzelaktien 13 Prozent und Kryptowährungen elf Prozent. Das Girokonto liegt im Westen und Osten mit jeweils 67 Prozent gleichauf. Bei Tages- oder Festgeld zeigt sich ein etwas größerer Abstand: 38 Prozent der Befragten in den alten Bundesländern nutzen diese Sparform, in den neuen sind es 31 Prozent. Auch ETFs sind im Westen mit 25 Prozent stärker verbreitet als im Osten mit 16 Prozent.
„Das Girokonto ist ein guter Parkplatz für laufende Ausgaben, aber der falsche Ort für langfristiges Sparen. Wer sein Geld dort zu geringen Zinsen liegen lässt, verliert durch die Inflation quasi täglich Kaufkraft. Für den Notgroschen zählt die schnelle Verfügbarkeit. Wer darüber hinaus Vermögen aufbauen will, sollte sein Geld breiter streuen und langfristig investieren“, so Chrzanowski.
Bargeld verbindet Ost und West
Auch beim Bargeld liegen alte und neue Bundesländer fast gleichauf. Für 49 Prozent im Westen und 50 Prozent im Osten ist es sehr wichtig, weiterhin bar bezahlen zu können. In Berlin sagen dies 48 Prozent. Weitere 31 Prozent im Westen, 29 Prozent im Osten und 22 Prozent in Berlin halten die Möglichkeit zur Barzahlung für eher wichtig – nur rund jeder Fünfte hält bundesweit Bar-Zahlung für unwichtig.
Über die Umfrage
Die Umfrage wurde vom Meinungsinstitut TGM im Auftrag von XTB durchgeführt. Befragt wurden 1.004 Personen in Deutschland. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. Für die regionale Auswertung wurden 484 Befragte aus den alten Bundesländern, 480 aus den neuen Bundesländern und 40 aus Berlin berücksichtigt. Berlin wurde als Sonderfall separat ausgewertet.













