Die Ergo und die Gewerkschaft Verdi haben am 18. Februar 2026 einen neuen Sozialen Ordnungsrahmen unterzeichnet. Er gilt bis Ende 2030 und löst die seit 2021 bestehende Vereinbarung ab. Zentrale Elemente sind der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, ein weitreichender Standortschutz sowie ein Bekenntnis zu Ausbildung und Qualifizierung.
Die Einigung fällt in eine Phase strategischer Neuausrichtung. Wie das „Handelsblatt“ berichtet hatte, will die Munich-Re-Tochter bis 2030 rund 1.000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. Ein Unternehmenssprecher bestätigt den Bericht. Darauf hätten sich Ergo mit den Arbeitnehmervertretern geeinigt, schrieb das Handelsblatt. Betriebsbedingte Kündigungen blieben bis dahin ausgeschlossen.
Mit dem dritten Strategieprogramm will der Versicherer sein internationales Profil schärfen und sich stärker technologiegetrieben aufstellen. Neben der Stärkung des Kerngeschäfts setzt der Versicherer auf den systematischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz und organisatorische Anpassungen.
Sozialpartnerschaft im Zeichen des Stellenabbaus
„Mit unserem dritten Strategieprogramm verfolgen wir erneut ambitionierte Ziele. Dafür bedarf es sowohl Investitionen in neue Technologien und Wachstum als auch Sicherheit, Transparenz und Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Dr. Oliver Willmes, Vorstandsvorsitzender der Ergo Deutschland AG.
Dr. Lena Lindemann, Arbeitsdirektorin und Mitglied des Vorstands der Ergo Group, sagt: „Gemeinsam mit Verdi und dem Konzernbetriebsrat schaffen wir die Grundlage für eine erfolgreiche, zukunftsorientierte Transformation und gehen auch weiterhin einen verantwortungsbewussten Weg, der von hohen sozialen Standards geprägt ist.“
Auch die Gewerkschaft Verdi betont die Bedeutung der tariflichen Leitplanken. „Es ist uns in konstruktiven Verhandlungen gelungen, soziale Leitplanken in einem neuen Tarifvertrag zu vereinbaren. Damit schaffen wir in Zeiten der Transformation Sicherheit, Transparenz und verlässliche Perspektiven für die Beschäftigten. Ein solcher Vertrag kann zur Vorlage für weitere Unternehmen der prosperierenden Finanzdienstleistungsbranche werden, die alle vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Klar ist: Wer Investitionen und Wachstum ankündigt, muss auch soziale Verantwortung zeigen. Die im neuen Tarifvertrag vereinbarten hohen sozialen Standards sind dafür die Grundlage. ver.di wird die Umsetzung dieser Vereinbarungen konstruktiv und aufmerksam begleiten“, sagt Deniz Kuyubasi, Verdi Verhandlungsführerin.
Kündigungsschutz und Qualifizierung als Puffer
Der neue Ordnungsrahmen sichert die sieben Verwaltungsstandorte in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Mannheim, München und Nürnberg sowie die Regionaldirektionen der Ausschließlichkeitsorganisation ab. Betriebsbedingte Beendigungskündigungen sind bis Ende 2030 ausgeschlossen.
Gleichzeitig dürfte der geplante Abbau von rund 1.000 Stellen die Organisation spürbar verändern. Der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz zielt auf Effizienzgewinne, die sich mittelbar auf Aufgabenprofile und Personalbedarf auswirken.
Mit einer eigenen Ergo Reskilling Academy will das Unternehmen Beschäftigte für neue Aufgabenfelder qualifizieren und digitale, sprachliche sowie interkulturelle Kompetenzen stärken. Die Ausbildung an allen Verwaltungsstandorten und im Vertrieb bleibe Bestandteil der Personalstrategie, betont der Versicherer.














