Union Investment: In KI abseits des Aktienmarktes investieren

Foto: Stock.Adobe.com/ Sikov
KI-Investments abseits der Börse?

An der Börse zeigt sich beim Thema Künstliche Intelligenz ein differenziertes Bild. Während Halbleiterwerte gefragt bleiben, geraten Softwaretitel unter Druck. Für Investoren rücken damit alternative Anlageklassen in den Fokus – von Anleihen bis Rohstoffen.

Die Erfolgsstory der Künstlichen Intelligenz (KI) ist an der Börse kein Selbstläufer mehr. Während Anbieter von Halbleitern weiter gefragt sind, steigt die Skepsis gegenüber Software-Unternehmen. Entsprechend haben Titel wie Salesforce, Adobe und ServiceNow seit Jahresanfang rund 30 Prozent ihres Börsenwerts eingebüßt. Auch die Aktien der deutschen SAP notieren rund 18 Prozent niedriger. Die Divergenz hat sich zur aktuellen Berichtssaison noch verschärft: Während es bei Hardware weiterhin zu Engpässen kommt und die Titel entsprechend gefragt sind, treibt Investoren eine wachsende Besorgnis über eine nachhaltige KI-Disruption bei bisherigen Geschäftsmodellen um. 

Diese Differenzierung zwischen KI-Gewinnern und -Verlierern dürfte sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Das muss aber nicht zu einer Abkehr von Investitionen in Technologietitel führen. Denn der KI-Trend bietet nach wie vor Renditepotenzial. Es lohnt der Blick auf andere Anlageklassen wie Anleihen, Wandelanleihen oder Rohstoffe. Eine Verbreiterung des KI-Anlagespektrums ist für Investoren interessant.


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Im Anleihemarkt etwa wirkt sich die Sorge vor der KI-Disruption bislang noch relativ wenig auf die Risikoaufschläge entsprechender Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating aus. So standen die Investoren Schlange, als der Google-Mutterkonzern Alphabet jüngst eine Anleihe mit hundert Jahren Laufzeit emittiert hat. Die in Pfund denominierte Anleihe war neunfach überzeichnet. Neben der hundertjährigen Anleihe hat Alphabet weitere Bonds in Pfund, Schweizer Franken und US-Dollar mit unterschiedlichen Laufzeiten und einem Gesamtvolumen von rund 31 Milliarden US-Dollar begeben. Dies ist umso erstaunlicher, da nicht nur bei Alphabet der Finanzierungsbedarf groß ist. Die Betreiber von riesigen Rechenzentren – so genannte Hyperscaler wie Alphabet, Meta, Microsoft, Oracle und Amazon – erhöhen zur Finanzierung des massiven Ausbaus von Rechenkapazität und KI-Infrastruktur ihre Investitionsausgaben (Capex) deutlich. Rund 730 Milliarden US-Dollar wollen die fünf Konzerne allein im laufenden Jahr dafür ausgeben.

Das sind hohe Summen. Doch zum einen handelt es sich hier um fünf der weltgrößten Unternehmen. Die Tech-Riesen sollten unserer Meinung nach genügend operativen Cash Flow generieren, so dass nur ein kleiner Teil der Investitionsausgaben über neue Schulden finanziert werden muss.

Zum anderen haben Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta enorme Kapazitäten, Schulden aufzunehmen. Die vier Unternehmen verfügen über ein AA-Rating oder besser. Microsoft zum Beispiel wies über die vergangenen Jahre lediglich einen Nettoverschuldungsgrad zwischen 0,1 und 0,2 aus. Der Konzern erzielt also vier- bis fünfmal so viel Gewinn pro Jahr, wie er Nettoschulden hat. Der Verschuldungsgrad bei Amazon, Alphabet und Meta bewegt sich in einer ähnlichen Bandbreite.

Aktuell bieten die großen Emissionen der Hyperscaler Kaufgelegenheiten für Anleihen mit sehr guter Bonität und attraktiven Prämien. Die hohe Nachfrage zeigt, dass viele Investoren ebenfalls dieser Meinung sind.

KI mit weniger Marktdominanz im Anleihesektor

Was das Risiko der Anleihen angeht, bedarf es aber einer Differenzierung: Bei Oracle etwa beläuft sich der Verschuldungsgrad auf über 4,0 – Tendenz steigend. Das Fremdkapital ist somit viermal so hoch wie das Eigenkapital. Hier gibt der Anleihemarkt einen wichtigen Fingerzeig zur Beurteilung der Risiken.

Wichtig zu wissen ist auch, dass das Gewicht des Technologiesektors im Anleihemarkt im Vergleich zum Aktienmarkt gering ist. Der Aktienmarkt wird von den „Magnificent Seven“, den großen sieben Technologiewerten, dominiert. Im Unternehmensanleihemarkt hat dagegen der Bankensektor das größte Gewicht, mit einigem Abstand gefolgt von Versorgern. Sowohl im Anleihemarkt in US-Dollar als auch in Euro liegt das Gewicht des Technologiesektors im unteren Drittel.

Das Vermögen der ausstehenden Verbindlichkeiten der Hyperscaler betrug Ende vergangenen Jahres rund 325 Milliarden US-Dollar. Angenommen, das Anleihevolumen würde sich bis zum Jahr 2030 auf 650 Milliarden US-Dollar verdoppeln, weil die Hyperscaler die Emissionstätigkeit auf dem aktuellen Niveau beibehalten würden – auch dann hätte der Technologiesektor trotzdem nur ein durchschnittliches Sektorgewicht im Gesamtmarkt. Selbst bei größeren Schwankungen von KI-bezogenen Anleihen dürfte ihr Einfluss auf den Gesamtmarkt also begrenzt bleiben. Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass es bei wachsenden Zweifeln an KI-Investitionen zu stärkeren Korrelationen zwischen den Aktien- und Anleihekursen betroffener Unternehmen kommen dürfte. 

Mit Wandelanleihen diversifizieren

Eine weitere Möglichkeit, nicht mit dem vollen Risiko einer Aktienanlage auf den KI-Trend zu setzen, bieten Wandelanleihen. Dieses Anleihesegment ist ein Zwitter zwischen Eigenkapital- und Fremdkapitalrisiken. Es verfügt traditionell über einen hohen Anteil an Emittenten aus dem Technologiebereich, da dieses Instrument häufig bei wachstumsstarken Unternehmen mit hohem Finanzierungsbedarf eingesetzt wird.

Dazu zählen vor allem kleinere und mittlere IT-Unternehmen, und dies über alle Stufen der KI-Wertschöpfungskette: vom Energiezulieferer über chemische Grundstoffproduzenten als Zulieferer für Leiterplattenhersteller bis hin zu Herstellern von Speicherchips oder Entwicklern von Datenzentren. Die Wandelanleihen können vom Unternehmen zu bestimmten Zeitpunkten in Aktien umgewandelt werden. Damit bieten sie eine Teilhabe an steigenden Aktienkursen, während gleichzeitig das Abwärtsrisiko fallender Kurse dadurch gemindert wird, dass die Anleihe einen Kupon trägt. Dieser ist meist höher als der einer konventionellen Anleihe. Eine genaue Titelauswahl ist auch hier erfolgsentscheidend. 

Kupfer und Gas als indirekte KI-Profiteure

Weiteres Renditepotenzial abseits der großen KI-Aktien bietet der Rohstoffsektor. Der „Hunger” der KI nach Industriemetallen wie etwa Kupfer und nach Energie bleibt groß. Rohstoffe sind unverzichtbar. Ein Beispiel ist das autonome Fahren. In China etwa sind bereits in neun Städten Robo-Taxis im Einsatz. Ein weiterer Wachstumsmarkt ist die Produktion humanoider Roboter. Momentan entwickeln mehr als fünfzig Unternehmen weltweit humanoide Plattformen. Auch hier ist China mit über 80 Prozent der Installationen führend. Die Auslieferungen sollen von rund 20.000 Einheiten im Jahr 2025 auf etwa zehn Millionen jährlich bis 2035 steigen. Das Industriemetall Kupfer wird dabei sowohl für die Elektromobilität als auch für die verbauten Halbleiter benötigt. 

Zudem bedeutet der zunehmende Einsatz von KI einen erhöhten Strombedarf. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Kupfer durch den Ausbau von Datenzentren um bis zu 200.000 Tonnen jährlich steigen wird. Mit mittlerweile mehr als 150 Gigawatt geplanten Datenzentren durch die Hyperscaler werden diese zu den wichtigsten Treibern für die US-Stromnachfrage. Dabei bleibt Gas neben erneuerbaren Energien, Kernenergie und Kohle eine wesentliche Quelle für die Stromerzeugung. Davon dürften nicht nur Gasförderer, sondern auch regionale Netzbetreiber profitieren.

Dennoch spielen die KI-bezogenen Treiber bei beiden Rohstoffen in Relation zu anderen Megatrends wie der grünen Transformation eher eine untergeordnete Rolle. Eine Beimischung von Rohstoffen kann ein Portfolio aber widerstandsfähiger gegen Kursschwankungen am Aktienmarkt machen.

Fazit

Ein Bezug zu KI bedeutet am Aktienmarkt nicht mehr automatisch steigende Kurse für Tech-Unternehmen. Es wird viel stärker zwischen Gewinnern und möglichen Verlierern differenziert, wie der Kursrutsch bei den Aktien von Softwareunternehmen zeigt. Zugleich belegen die von den Hyperscalern angekündigten hohen Investitionsausgaben, dass der langfristige KI-Trend weiterhin intakt zu sein scheint. Dadurch ergibt sich Renditepotenzial abseits der großen KI-Unternehmen und auch außerhalb des Aktienmarkts. Eine Diversifizierung des KI-Themas hin zu Anleihen, Wandelanleihen und Rohstoffen bietet Anlegern attraktive Chancen.

Autor Moritz Bauer ist Leiter Investmentstrategie bei Union Investment.

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