Die Inflation in den USA ist im September 2026 stärker gestiegen als von Ökonomen erwartet. Die Verbraucherpreise legten gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,7 Prozent zu. Der Dow-Jones-Konsens hatte zuvor lediglich 3,6 Prozent erwartet. Damit rückt der Fed-Zinsentscheid Ende Oktober in den Fokus.
Auch die Kernrate des Verbraucherpreisindex, die Energie und Lebensmittel unberücksichtigt lässt, übertraf die Erwartungen: Sie kletterte auf 2,6 Prozent, erwartet hatten Volkswirte 2,5 Prozent. Im August hatte die Kernrate noch bei 2,4 Prozent gelegen. Gegenüber dem Vormonat zog der Gesamtindex saisonbereinigt um 0,6 Prozent an, die Kernrate um 0,3 Prozent.
| Kennzahl | Erwartet (Konsens) | Tatsächlich (BLS) |
|---|---|---|
| Gesamtrate (gegenüber Vorjahr) | 3,6 Prozent | 3,7 Prozent |
| Kernrate (gegenüber Vorjahr) | 2,5 Prozent | 2,6 Prozent |
| Gesamtrate (gegenüber Vormonat, saisonbereinigt) | - | 0,6 Prozent |
| Kernrate (gegenüber Vormonat) | - | 0,3 Prozent |
Energiepreise treiben die US-Inflation an
Treiber der US-Inflation sind vor allem die Energiepreise. Der Energie-Teilindex zog im Monatsvergleich um 5,2 Prozent an, zum Vorjahr beträgt das Plus 20,4 Prozent. Besonders deutlich schlugen die Benzinpreise zu Buche: Sie stiegen um 9,1 Prozent zum Vormonat und um 34,2 Prozent zum Vorjahreswert.
Hintergrund ist die Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Seit dem 14. Juli 2026 blockiert die US-Marine erneut iranische Häfen auf See, nach einer ersten Blockade von April bis Juni 2026. Der Brent-Ölpreis stieg dadurch von rund 70 auf mehr als 100 US-Dollar je Barrel.
Die Wohnkosten (Shelter) legten ebenfalls zu, allerdings moderater: im Monatsvergleich um 0,4 Prozent, zum Vorjahr um 3,2 Prozent. Die Lebensmittelpreise blieben zum Vormonat unverändert, lagen jedoch 2,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.
US-Inflation beschleunigt sich gegenüber August
Im August 2026 hatte die Jahresrate noch bei 3,4 Prozent gelegen, unverändert gegenüber dem Juli-Wert. Von August auf September beschleunigte sich die Teuerung somit um 0,3 Prozentpunkte. Die Kernrate stieg im selben Zeitraum von 2,4 auf 2,6 Prozent.
| Monat | Gesamtrate (gegenüber Vorjahr) | Kernrate (gegenüber Vorjahr) |
|---|---|---|
| August 2026 | 3,4 Prozent | 2,4 Prozent |
| September 2026 | 3,7 Prozent | 2,6 Prozent |
Fed-Zinsentscheid: Pause oder weitere Zinserhöhung?
Der bevorstehende Fed-Zinsentscheid Ende Oktober fällt damit in eine angespannte Phase. Erst am 16. September 2026 hatte das geldpolitische Gremium, der Offenmarktausschuss (FOMC), den Leitzins angehoben - um 25 Basispunkte, womit sich die Spanne auf 3,75 bis 4,00 Prozent erhöhte. Das Gremium entschied einstimmig mit zwölf zu null Stimmen. Es war die erste Anhebung nach einer längeren Pause. Begründet wird der Schritt damit, schneller zum Inflationsziel von zwei Prozent zurückkehren zu wollen.
Die kräftige Teuerung setzt die Notenbank zusätzlich unter Druck. An ihrer Spitze steht seit Mai 2026 mit Kevin Warsh ein neuer Vorsitzender. Der Senat bestätigte Warsh am 13. Mai 2026 mit 54 zu 45 Stimmen. Die Vereidigung folgte am 22. Mai 2026. Sein Vorgänger Jerome Powell, dessen Amtszeit als Fed-Chef am 16. Mai 2026 auslief, bleibt als Gouverneur im Gremium.
Wann kommt der nächste Fed-Zinsentscheid?
Der FOMC trifft sich am 27. und 28. Oktober 2026 erneut, dann allerdings ohne aktualisierte Wirtschaftsprojektionen. Die nächste Sitzung mit neuem Summary of Economic Projections folgt am 8. und 9. Dezember 2026.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung?
Anhaltspunkte liefern private Prognoseplattformen wie Polymarket und Kalshi. Eine Zinspause im Oktober wurde dort zuletzt mit rund 80 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist. Auf eine zusätzliche Anhebung um 25 Basispunkte kamen etwa 17 bis 22 Prozent. Eine Zinssenkung spielt in diesen Erwartungen praktisch keine Rolle. Die Werte stammen allerdings nicht von der Fed, sondern geben lediglich Markterwartungen wieder.
RSM-Chefvolkswirt Joe Brusuelas hatte die Jahresrate bereits zwei Tage vor der Veröffentlichung auf 3,6 Prozent geschätzt. In seinem Marktkommentar vom 12. Oktober 2026 erwartete er zudem einen Monatswert von 0,6 Prozent. Auf die Risiken verweist er deutlich: „there is the risk of rising oil and energy costs and sticky service-sector inflation pushing the overall inflation rate higher“, schreibt er. Zu den Folgen für die Kaufkraft hält er fest: „real wages have been falling since April, set off by the energy shock“. Seiner Einschätzung nach pausiert die Fed im Oktober zunächst, bevor sie im Dezember 2026 und Anfang 2027 erneut anhebt.
Marktreaktion: Renditen springen, Gold und Dollar schwächer
Die Anleihemärkte reagierten unmittelbar. Nach Bekanntgabe der Daten schnellte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5,306 Prozent, während 30-jährige Papiere mit 5,564 Prozent rentierten.
Schon im Vorfeld hatte sich der Dollar abgeschwächt: Der Euro kostete am Morgen des 14. Oktober 2026 zwischen 1,1190 und 1,1211 US-Dollar. Ebenfalls noch vor den Daten gab der Goldpreis nach. Er notierte den dritten Tag in Folge schwächer - bei etwa 4.147,81 US-Dollar pro Feinunze - ein Minus von 0,3 Prozent. Der Dollar-Index (DXY) sank auf etwa 102,10 Punkte.
Was der Fed-Zinsentscheid für deutsche Anleger bedeutet
Für Finanzberater, Vermögensverwalter und Anleger mit Dollar-Anlagen oder US-Anleihen verschiebt sich damit die Fragestellung. Zur Debatte steht derzeit keine Zinssenkung, sondern eine Pause im Oktober oder eine weitere Anhebung im Dezember. Entsprechend wirkt der Fed-Zinsentscheid auf die Anleiherenditen und auf den Dollarkurs. Die Rendite zehnjähriger Papiere liegt bei rund 5,3 Prozent. Betroffen sind damit auch deutsche Renten- und Mischfonds sowie Lebensversicherer mit US-Dollar-Anleihebeständen.















