Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran und die daraus folgende Sperrung der Straße von Hormus haben die globalen Energiemärkte in Aufruhr versetzt. WTI-Rohöl notiert derzeit bei rund 100 Dollar je Barrel – ein Niveau, das die Inflationsdebatte in den wichtigsten Wirtschaftsräumen der Welt neu entfacht hat.
Besonders in der Eurozone schlägt der Preisanstieg durch. Im April kletterte die Inflation auf 3,0 Prozent und liegt damit deutlich über dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent. Gleichzeitig trübt sich die Konjunkturlage ein: Das Verbraucher- und das Unternehmervertrauen haben merklich nachgegeben.
Die EZB steht damit vor einem klassischen geldpolitischen Dilemma – Inflationsbekämpfung bei schwächelnder Wirtschaft. Dennoch hat die Notenbank signalisiert, die Zinsen in den kommenden Monaten anzuheben; der erste Schritt wird voraussichtlich für Juni erwartet. Die Geldmarkt-Futures preisen derzeit rund drei Zinserhöhungen innerhalb der nächsten zwölf Monate ein, was den Leitzins auf 2,75 Prozent bringen würde.
EZB und Fed: Kurswechsel unter Inflationsdruck
In der zweiten Jahreshälfte 2027 dürften diese Erhöhungen nach Markterwartungen teilweise wieder zurückgenommen werden. Wie schnell das geschieht, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung des Konflikts ab. Eine Beilegung würde der EZB ermöglichen, einen weniger restriktiven Kurs einzuschlagen.
Auch die US-Notenbank Fed hat ihren geldpolitischen Kurs angepasst. Zu Jahresbeginn hatte sie noch zwei Zinssenkungen bis Ende 2026 in Aussicht gestellt. Der anhaltende Inflationsdruck – die Inflation liegt seit nunmehr fünf Jahren über dem Zielwert von zwei Prozent – hat die Fed seitdem von einer akkommodierenden zu einer neutralen Haltung bewogen und sie zunehmend offen für mögliche Zinserhöhungen gemacht.
Die Märkte haben diese Wende bereits vollzogen: Während zu Jahresbeginn noch Zinssenkungen eingepreist waren, gehen Geldmarkt-Futures nun von unveränderten Zinsen im leicht restriktiven Bereich für das laufende Jahr aus sowie von Zinserhöhungen ab Frühjahr 2027 – auf dann 4,00 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau von 3,75 Prozent. Für Kevin Warsh, den von Präsident Trump als Fed-Nachfolger nominierten Kandidaten, ist das eine anspruchsvolle Ausgangslage.
Bank of Japan und PBOC: Unterschiedliche Ausgangspunkte
Die Bank of Japan setzt ihren vorsichtigen Normalisierungskurs fort. Seit 2024 hat sie die Zinsen in vier Schritten um jeweils 25 Basispunkte angehoben. Im Fokus steht dabei die Kern-Kern-Inflation, die besonders volatile Preiskomponenten ausklammert. Trotz eines jüngsten Rückgangs liegt die Inflation im Schnitt weiterhin über dem Ziel von zwei Prozent – getragen vom schwachen Yen sowie von Druck auf Löhne und Dienstleistungen. Preisbezogene Komponenten des Einkaufsmanagerindex deuten zudem auf erneut anziehende Preise hin. Die Märkte preisen eine weitere Zinserhöhung für die Sitzung im Juni ein.
Die chinesische Zentralbank PBOC verfolgt derweil einen stabilen, akkommodierenden Kurs. Die Zinssätze blieben im vergangenen Jahr unverändert; der Fokus liegt auf moderatem Wachstum und der Steuerung der Yuan-Volatilität. Zwar deuten PMI-Daten auf eine gewisse Belebung hin und die Inputpreise befinden sich auf dem höchsten Stand seit 2022, doch der Erzeugerpreisindex signalisiert weiterhin schwache Endproduktpreise.
Der Immobiliensektor bleibt im Abschwung, sinkende Immobilienpreise belasten das Verbrauchervertrauen und die Binnennachfrage. Zinssenkungen im Verlauf des Jahres 2026 gelten angesichts steigender Energiepreise als weniger wahrscheinlich; Zinserhöhungen hält die PBOC nach wie vor für sehr unwahrscheinlich.
Intakter Gewinnzyklus stützt Risikoassets
Trotz des geopolitischen Drucks und steigender Zinsen halten sich Risikoassets bisher bemerkenswert gut. Haupttreiber ist ein intakter Gewinnzyklus, der maßgeblich von Technologieinvestitionen gestützt wird. Für den globalen Aktienmarkt (MSCI AC World) wird das Gewinnwachstum im laufenden Jahr auf 26 Prozent geschätzt, für das Folgejahr auf 16 Prozent und für 2028 auf zwölf Prozent.













