Versicherer im Wandel: Von Schadenregulierung zu Prävention

Risikomanagement
Foto: KI-generiertes Symbolbild
Aon verortet die Versicherungswirtschaft an einem strategischen Wendepunkt.

Die "Aon Marktprognose 2026" zeichnet ein Bild wachsender Unsicherheit für Unternehmen und Versicherer. Künstliche Intelligenz und geopolitische Spannungen verändern Risikolandschaften grundlegend.

In der Versicherungswirtschaft etabliert sich Künstliche Intelligenz als Treiber für neue Prozesse und Produkte. Sie unterstützt die datenbasierte Risikobewertung, automatisiert Schadenprozesse und ermöglicht neue Serviceansätze. Der Nutzen entsteht laut Marktprognose jedoch erst im Zusammenspiel mit qualifizierten Mitarbeitenden, klaren Governance-Strukturen und einem verantwortungsvollen Einsatz.

Richtig implementiert, schafft KI fundiertere Entscheidungsgrundlagen, mehr Transparenz und eine stärkere Ausrichtung auf Prävention statt reiner Schadenbearbeitung. Gleichzeitig zählt sie weltweit zu den größten unternehmerischen Risiken, direkt hinter Cyberrisiken. Neue Haftungsfragen bei KI-gestützten Entscheidungen, fehlerhafte oder verzerrte Daten sowie regulatorische Unsicherheiten erhöhen den Handlungsdruck.

Unternehmen sind daher gefordert, potenzielle KI-Risiken frühzeitig zu identifizieren und systematisch in ihre Risikostrategie einzubinden. Ohne ein strukturiertes Risikomanagement drohen nicht nur regulatorische Konflikte, sondern auch Reputationsschäden und operative Fehlentscheidungen.


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Parallel verschärfen sich die geopolitischen Rahmenbedingungen. Protektionistische Tendenzen, neue Zollregime und internationale Rivalitäten treffen insbesondere exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland. Politische Risiken nehmen zu, Lieferketten reagieren empfindlicher, Investitionsentscheidungen werden volatiler.

Die Marktprognose sieht Unternehmen deshalb in der Pflicht, ihre Widerstandsfähigkeit gezielt auszubauen. Dazu zählen eine breitere Aufstellung von Lieferketten ebenso wie der verstärkte Einsatz daten- und KI-gestützter Risikomodelle, um Szenarien besser bewerten und steuern zu können.

Vor diesem Hintergrund verortet Aon die Versicherungswirtschaft an einem strategischen Wendepunkt. Die klassische Schadenregulierung tritt in den Hintergrund, während Prävention, Beratung und aktive Resilienzentwicklung an Bedeutung gewinnen.

„Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo Versicherung über die klassische Police hinausgeht und Prävention, Beratung und datenbasierte Services gleichwertig integriert“, betont Hartmuth Kremer-Jensen, Chief Broking Officer DACH und Deputy CEO Germany bei Aon Deutschland. „Wenn Unternehmen Risiken aktiv gestalten und Versicherung als strategischen Partner verstehen, entstehen daraus nicht nur Schutz, sondern echte Chancen für Wachstum und Resilienz“.

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