Warum die Filial-Schließungen bei KiK Eigentümer und Investoren aufrütteln sollten

Foto: KI-generiert (ChatGPT)
KI-generiertes Symbolbild

KiK will bis Ende 2026 europaweit rund 300 Filialen schließen, etwa 135 davon in Deutschland. Der Schritt steht für einen tiefgreifenden Wandel im stationären Handel, der sich längst auf Gewerbeimmobilien auswirkt. Für Eigentümer und Investoren steigen damit Risiko und Anpassungsdruck.

Die angekündigten Filial-Schließungen bei KiK reichen weit über eine interne Neuausrichtung des Unternehmens hinaus. Wenn ein großer Textildiscounter bis Ende 2026 europaweit rund 300 Standorte aufgibt, davon etwa 135 in Deutschland, sendet das ein deutliches Signal an den Markt für Gewerbeimmobilien, auch wenn in Deutschland rund 2.200 KiK-Läden übrig bleiben sollen.

Wo Filialen schließen, entstehen Leerstände. Für Eigentümer wachsen damit die Risiken, zugleich eröffnen sich neue Spielräume für die Nutzung der Flächen. KiK begründet den Rückbau mit unprofitablen Standorten, einer teils zu hohen Filialdichte und einem Umfeld, das durch steigende Kosten und verändertes Konsumverhalten schwieriger geworden ist.


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Der Fall steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung. Der Handelsverband Deutschland rechnet für 2026 nur noch mit rund 296.600 stationären Geschäften bundesweit. Damit setzt sich ein langfristiger Rückgang fort, der die Nachfrage nach klassischen Handelsflächen spürbar verändert.

Leerstände setzen Standorte unter Druck

Filialisten wie KiK sind seit Jahrzehnten wichtige Ankermieter, vor allem in kleineren Städten, Fachmarktzentren und Nebenlagen. Sie sorgen für Kundenfrequenz, planbare Mieteinnahmen und langfristige Verträge. Fällt ein solcher Mieter weg, bleibt es oft nicht bei einer einzelnen vakanten Fläche.

Sinkt die Frequenz, geraten auch benachbarte Mieter unter Druck. Das schwächt die Attraktivität ganzer Standorte und kann eine Abwärtsspirale auslösen. In vielen Innenstädten und Einkaufszentren zeigt sich bereits, dass nicht mehr nur kleine Händler betroffen sind, sondern zunehmend auch Filialketten mit größeren Flächen.

Besonders anfällig sind Objekte, die stark vom Non-Food-Einzelhandel abhängen. Im Textilsegment wächst der Druck durch Online-Plattformen wie Shein oder Temu, die mit anderen Kostenstrukturen arbeiten und das Preisniveau verschieben. Gleichzeitig dämpfen Inflation und Kaufzurückhaltung die Nachfrage, auch im Discountbereich.

Umnutzung wird zum entscheidenden Faktor

Für Vermieter steigt damit die Gefahr von Mietausfällen und längeren Vermarktungszeiten. Zugleich rückt die Frage in den Vordergrund, wie sich ehemalige Handelsflächen neu positionieren lassen. Häufig werden sie für Dienstleistungen, Gesundheits- und Bildungsangebote, Gastronomie, Freizeitkonzepte oder andere Formen der Nahversorgung geöffnet. Auch logistiknahe Nutzungen, etwa für Last-Mile-Konzepte, gewinnen an Bedeutung.

Damit wandelt sich die klassische Einzelhandelsimmobilie zunehmend zu einer multifunktionalen Fläche. Für Investoren zählt deshalb mehr denn je, ob ein Standort an neue Anforderungen angepasst werden kann. In Toplagen der Metropolen bleibt die Nachfrage meist stabil, während B- und C-Lagen deutlich stärker unter Druck geraten.

Auch bei der Bewertung verändert sich der Maßstab. Langfristige Mietverträge mit Handelsketten galten lange als verlässliche Basis für Finanzierung und Wertermittlung. Wenn diese Sicherheit schwindet, rücken Flexibilität, Drittverwendungsfähigkeit und die Qualität des Standorts stärker in den Mittelpunkt. Der Kurs von KiK zeigt dabei auch einen Strategiewechsel im Handel selbst: Wachstum bemisst sich nicht mehr an der Zahl der Filialen, sondern an der Profitabilität jedes einzelnen Standorts.

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