Warum Gold glänzt und Bitcoin noch nicht

Foto: SmarterPix/sinenkiy
Wann zieht Bitcoin wieder an?

Gold profitiert von einer ausgeprägten Flucht in sichere Häfen und verzeichnet massive Kapitalzuflüsse. Bitcoin hingegen bleibt hinter den Erwartungen zurück und kann seine Rolle als Absicherungsinstrument nicht erfüllen. Der Vergleich der beiden Anlageklassen zeigt, wie stark Sentiment und Vertrauen derzeit auseinanderlaufen.

Gold erlebt derzeit einen ausgeprägten Safe-Haven-Run. An nur einem Tag (Mittwoch) legte der Preis um 4,4 Prozent zu, die Marktkapitalisierung stieg um rund 1,65 Billionen US-Dollar. Ein Kapitalzufluss, der fast der gesamten Marktkapitalisierung von Bitcoin entspricht. Der Markt signalisiert damit, wie hoch der Wunsch nach Absicherung aktuell ist.

Bitcoin bleibt in diesem Umfeld deutlich zurück. Seit dem Einbruch im vierten Quartal 2025 fehlt es an nachhaltiger Aufwärtsdynamik. Die oft beschworene Rolle als „digitales Gold“ wird kurzfristig nicht erfüllt. Kapital fließt nicht in das Neue oder Innovative, sondern in das Vertraute und Bewährte.

Dabei ist das zugrunde liegende Makro-Narrativ eigentlich eindeutig. Hohe Staatsverschuldung, fiskalische Unsicherheit und geopolitische Spannungen treiben den klassischen Debasement Trade an – und begünstigen Gold. Paradox ist jedoch, dass genau diese Faktoren auch das Kernargument für Bitcoin darstellen, vom Markt aktuell aber ausschließlich Gold zugeschrieben werden.

Das daraus entstehende Sentiment-Gefälle ist extrem. Gold befindet sich in einer Phase von Euphorie und Rekordzuflüssen, während Bitcoin von Zweifel und anhaltender Underperformance geprägt ist. Historisch war eine solche Konstellation häufig ein Kontraindikator. Extreme Euphorie ging oft mit sinkendem zukünftigen Renditepotenzial einher, während ausgeprägte Skepsis den Boden für langfristige Chancen bereitete.

Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.

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