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Wie Remote-Modelle die Kundenberatung neu definieren

Ricardo Tunnissen
Foto: Baufi Deutschland
Ricardo Tunnissen

Digitale Modelle verändern die Erwartungen der Kunden und die Strukturen der Anbieter grundlegend. Entscheidend ist nicht der Ort, sondern die Qualität der Prozesse – und genau hier zeigt sich ein klarer Wandel. Kolumne von Ricardo Tunnissen, Baufi Deutschland

Remote-Arbeit wird noch immer kritisch gesehen. „Der Kunde will doch mit einem am Tisch sitzen.“ „Vertrauen entsteht nur vor Ort.“ Das hört man ständig. Und ich kann das auch ein Stück weit nachvollziehen. Aber daraus abzuleiten, dass gute Beratung an ein Büro gebunden ist, halte ich für falsch. Denn die entscheidende Frage ist doch nicht, wo die Beratung stattfindet. Sondern, wie die gesamte Kundenreise aufgebaut und wahrgenommen wird. Es funktioniert problemlos digital – und ist in vielen Fällen sogar angenehmer für den Kunden und gibt einem als Berater und Arbeitgeber Möglichkeiten, die ein „Vor-Ort“ Büro niemals liefern könnte.

Vor-Ort-Beratung klingt erstmal sinnvoll: Vertrauen aufbauen, sich sehen und bei vielen auch „haben wir immer schon so gemacht, kann also nicht so falsch sein“. Das stimmt zwar in Teilen. Aber nur weil es stimmt, muss es nicht der beste Weg sein. In der Realität bedeutet es häufig: Ins Auto setzen, im Zweifel im Stau stehen, Parkplatz suchen. Ganz ehrlich: Das ist für viele Kunden eher Aufwand als Mehrwert.

Was wir bei Baufi Deutschland in der Praxis sehen: Viele Gespräche finden abends statt. 19 oder 20 Uhr. Dann, wenn der Kunde wirklich Zeit hat. Wer jeden Abend so lange im Büro sein muss, um danach erst nach Hause zu fahren, wird spätestens von der Familie irgendwann die ersten traurigen Blicke ernten.


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Ein Denkfehler, der sich erstaunlich hart hält: dass der eigene Markt regional begrenzt ist. Ist er nicht. Gerade ein Remote-Modell macht sichtbar, wie falsch dieses Denken eigentlich ist.

Social Media funktioniert nicht nach Standort, sondern nach Relevanz. Der Algorithmus interessiert sich nicht dafür, wo dein Büro steht – sondern ob dein Inhalt gut ist. Das führt zu einem ziemlich simplen Effekt: Wenn du sichtbar bist, bist du automatisch überregional sichtbar.

Die Frage ist also nicht mehr: „Wie gewinne ich Kunden in meiner Stadt?“ Sondern eher: „Wie erreiche ich die richtigen Kunden – egal wo sie sitzen?“

Und genau da verschiebt sich das Spiel. Plötzlich bist du nicht mehr auf einen Umkreis beschränkt, sondern kannst theoretisch Kunden in ganz Deutschland erreichen – ohne neue Büros, ohne neue Strukturen. Remote hebt diese Grenzen einfach auf.

Digitale Schulungsbereiche

Und genau hier zeigt sich, ob ein Remote-Modell wirklich funktioniert – oder eben nicht.

Ein Argument hören wir immer wieder: „Remote funktioniert vielleicht, aber die Qualität leidet.“  Meine Erfahrung ist genau andersrum. Remote zwingt dich dazu, sauber zu arbeiten und gute Prozesse zu bauen. Du kannst nicht mal eben etwas „zwischen Tür und Angel“ erklären.

Gerade in einem Remote-Setup ist ein sauberes System im Hintergrund Pflicht. Ein digitales Intranet, ein sauber aufgebauter Schulungsbereich, in dem alles hinterlegt ist: wie Gespräche geführt werden, wie die Bankenkommunikation ablaufen muss, welche Checklisten eingehalten werden müssen, etc.

Nicht in irgendeinem Ordner im Regal, sondern digital dokumentiert. Als Video, als Leitfaden, als Ablaufbeschreibung. Neue Mitarbeiter lernen bei uns genau darüber. Bestandsmitarbeiter greifen im Alltag darauf zurück.

Das macht einen riesigen Unterschied – und ist einer der Gründe, wie Remote überhaupt erst auf höchstem Niveau funktioniert.

Keine sinnlosen Teammeetings abhalten

Viele glauben, mehr Teammeetings bringen automatisch Nutzen. Tun sie nicht.

Wir haben feste Termine im Kalender – einmal pro Woche, dienstags um 9 Uhr. Aber nur, wenn es wirklich etwas zu besprechen gibt. Gibt es keine relevanten Themen, wird abgesagt. Ganz bewusst. Denn Zeit ist im Vertrieb zu wertvoll für sinnlose Meetings. Wenn wir uns austauschen, dann über Fälle, konkrete Learnings und Dinge, die uns besser machen. Alles andere ist Zeitverschwendung.

Remote macht genau das möglich, was heute entscheidet: bessere Erreichbarkeit für den Kunden, Zugang zu den besten Mitarbeitern unabhängig vom Standort und ein System, das schneller, effizienter und skalierbarer funktioniert als jedes klassische Büro.

Der ehemalige Banker Ricardo Tunnissen ist Finanzblogger und Content Creator. Seine besten Videos wurden millionenfach geklickt. Inzwischen ist er zudem Geschäftsführer bei Baufi Deutschland.

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