World Gold Council: Wie Gold digital nutzbar werden soll

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Wie die Infrastruktur für den Handel von digitalem Gold aussehen könnte

Der World Gold Council will den Markt für digitales Gold auf eine neue Grundlage stellen. Ein Whitepaper mit der Boston Consulting Group beschreibt, wie eine gemeinsame Infrastruktur Ausgabe, Handel und Rücknahme goldgedeckter Produkte vereinfachen könnte. Entscheidend ist, ob daraus ein Standard für den Markt entsteht.

Der World Gold Council hat eine Initiative für den Markt für digitales Gold vorgestellt. Gemeinsam mit der Boston Consulting Group hat die Organisation das Whitepaper „Digital Gold: The Case for a Shared Infrastructure“ erarbeitet. Im Mittelpunkt steht das Modell „Gold as a Service“, das als gemeinsame Plattform für die Ausgabe und Verwaltung skalierbarer, interoperabler Goldprodukte dienen soll.

Die Idee dahinter: Die physische Verwahrung von Gold soll enger mit den digitalen Systemen verzahnt werden, über die goldgedeckte Produkte emittiert und verwaltet werden. Standardisierte Prozesse bei Verwahrstellen, Abstimmung, Compliance und Rücknahme sollen die operative Komplexität senken und den Zugang zum Markt erleichtern.

Nach Einschätzung der Autoren ist Gold zwar längst in Teilen digitalisiert. Handel, Abwicklung und Buchführung laufen bereits weitgehend elektronisch, hinzu kommt eine wachsende Zahl digitaler Angebote wie Token. Dennoch bleibt der Markt aus ihrer Sicht fragmentiert, weil Ausgabe und Verwaltung aufwendig sind und es an einheitlichen Standards sowie an Fungibilität fehlt.


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Infrastruktur für digitales Gold

An diesem Punkt setzt das Konzept an. „Gold as a Service“ soll die Einbindung des Edelmetalls in ein zunehmend digitales Finanzsystem modernisieren, ohne dessen physische Grundlage aufzugeben. Ziel ist eine Infrastruktur, die bestehende Prozesse bündelt und dadurch die Nutzung digitaler Goldprodukte vereinfacht.

Das Whitepaper nennt dafür mehrere Hebel. Eine standardisierte Infrastruktur soll die Produktausgabe und die laufende Verwaltung vereinfachen. Einheitlichere Prozesse könnten zudem den Handel erleichtern, weil digitales Gold im Ökosystem stärker als konsistenter Vermögenswert mit vergleichbarem Wert und gleichen Rechtsansprüchen auftreten würde.

Hinzu kommen Kontroll- und Sicherheitsfunktionen innerhalb der Infrastruktur. Vorgesehen sind fortlaufende Abstimmung, Prüfung und Qualitätssicherung, um die physische Deckung nachvollziehbar zu machen und Eigentums- sowie Rücknahmerechte klar zu definieren. Gleichzeitig soll die Plattform die Anbindung an bestehende Finanzmarktinfrastrukturen und neue digitale Zahlungsschienen verbessern.

Mehr Einsatzmöglichkeiten für Gold

Mit höherer Fungibilität und Liquidität könnte digitales Gold nach Darstellung der Autoren über seine klassische Rolle als Diversifikations- und Wertaufbewahrungsmittel hinauswachsen. Denkbar sei, Gold stärker als einsetzbares Kapital zu nutzen, etwa als Sicherheit für Kreditaufnahmen.

David Tait, Chief Executive Officer des World Gold Council, erklärt: „Der Finanzsektor befindet sich in einem rasanten und tiefgreifenden digitalen Wandel. Gold muss sich ebenfalls weiterentwickeln, um seine Rolle im globalen Finanzsystem zu behaupten. “Gold as a Service” ist der jüngste Schritt im Programm des World Gold Council zur Innovation bei digitalem Gold und soll Vertrauen, Transparenz und Markteffizienz stärken. Eine gemeinsame Infrastruktur kann dazu beitragen, Gold zugänglicher und handelbarer zu machen und vollständig in moderne Finanzsysteme zu integrieren, damit es morgen ebenso relevant bleibt, wie es das seit Jahrtausenden ist.“

Matthias Tauber, Managing Director und Senior Partner bei BCG, ergänzt: „Die Frage lautet nicht mehr, ob Gold digital sein wird, sondern wie es an modernen Finanzsystemen teilhaben kann, ohne seine physische Integrität zu gefährden. Gemeinsam mit dem World Gold Council haben wir untersucht, was es braucht, um eine verlässliche Infrastruktur für digitales Gold im breiten Markt aufzubauen.“ Der World Gold Council ruft Innovatoren und Marktteilnehmer aus dem Goldsektor und darüber hinaus dazu auf, an der Entwicklung einer solchen Infrastruktur mitzuwirken.

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