Zentralbanken im Fokus: Energieschock verändert Zinsperspektiven

Kevin Thozet, Carmignac,
Foto: Carmignac
Kevin Thozet, Carmignac

Eine ungewöhnlich dichte Woche der Geldpolitik trifft auf einen neuen Energieschock. Während die Märkte zuletzt auf Zinssenkungen setzten, rückt nun das Abwarten in den Vordergrund. Entscheidend wird, wie die Notenbanken die Lage einordnen.

Diese Woche tagen die großen Zentralbanken der G10. Im Mittelpunkt steht ein neuer Schock für die Energieversorgung. Noch vor wenigen Wochen setzten die Märkte vielerorts auf Lockerungen. Inzwischen gilt in den meisten Fällen ein Stillhalten als wahrscheinlicher. Entscheidend wird daher weniger der Zinsentscheid selbst als die Frage, wie die Notenbanken den Anstieg von Öl- und Gaspreisen einordnen.

In den USA hat sich die Hoffnung auf mehrere Zinssenkungen deutlich abgeschwächt. Die Inflation bleibt hartnäckig, vor allem mit Blick auf mögliche Folgewirkungen höherer Energiepreise. Zugleich zeigt sich die US-Wirtschaft weiter robust. Für die Fed spricht das für eine abwartende Haltung und gegen schnelle Zinssenkungen.


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In der Eurozone verschärft der Anstieg der Gaspreise das bekannte Dilemma aus schwächerem Wachstum und neuer Inflationsgefahr. Besonders anfällig sind Länder wie Deutschland und Italien. Zugleich ist der finanzielle Spielraum der Staaten kleiner als in der Energiekrise 2022. Für die EZB wird die Energiefrage damit erneut zu einem zentralen geldpolitischen Thema.

Auch in Großbritannien dürfte die Bank of England die Zinsen zwar unverändert lassen. Die Lage bleibt aber schwierig. Die Konjunktur schwächt sich ab, während die Inflation hoch bleibt und die Inflationserwartungen zuletzt stark gestiegen sind. Das erschwert Zinssenkungen, ohne dass bereits ein neuer Straffungskurs naheliegt.

In der Schweiz ist der Handlungsspielraum der Nationalbank wegen des starken Frankens, des Nullzinsniveaus und der sehr niedrigen Inflation eng.

In Japan wirkt der Energieschock vor allem als Belastung für Wachstum, Kaufkraft und Unternehmen. Dort dürften steigende Ölpreise und ein schwacher Yen vorerst ebenfalls gegen einen weiteren Zinsschritt sprechen.

Unter dem Strich rechnen die Märkte in dieser Woche mehrheitlich nicht mit Änderungen bei den Leitzinsen. Umso wichtiger wird, wie die Zentralbanken auf den neuen Energieschock reagieren und wie stark sie darin ein Risiko für Inflation, Wachstum und künftige Zinsschritte sehen.

Autor Kevin Thozet ist Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac.

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