Aigner fordert Routenplan für Finanzberatung

Das Verbraucherschutzministerium will Checklisten entwickeln, die Verbrauchern bei der Wahl von Finanzprodukten helfen sollen. Dies ist ein konkretes Ergebnis der gestrigen Fachtagung ?Qualitätsoffensive Verbraucherfinanzen? (cash-online berichtete hier).

?Wenn Verbraucher sich durch die Finanzwelt bewegen, brauchen sie einen verlässlichen ?Routenplaner? für die Finanzberatung, der sie in Zeiten der Finanzkrise und darüber hinaus erfolgreich durch die Finanzwelt steuert“, sagte Ilse Aigner.

Verbraucher sollen Produkte verstehen können

Zwei Aspekte seien besonders wichtig: Transparenz und Verständlichkeit. So müsse klar sein, was sich hinter einem Produkt verbirgt und dieses solle halten, was es verspricht. Um Anlageprodukte beurteilen zu können, seien die vier Merkmale Sicherheit, Flexibilität, Rendite und Kosten entscheidend.

Produktampel offenbar nicht mehr vorgesehen

Frank Rottenbacher, Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung in Berlin und Referent auf dem Symposium, zeigte sich gegenüber cash-online darüber erleichtert, dass ein Ampelsystem für Finanzprodukte sowie ein TÜV offenbar nicht mehr zur Diskussion stehen. ?Die Produktwelt ist viel zu komplex, als dass man sie auf drei Farben reduzieren könnte. Ein Produkt-TÜV wiederum wirft zu viele Fragen auf. Wer haftet beispielsweise für falsche Empfehlungen und kontrolliert die Qualität der Produkte? Wenn die Regierung dergleichen verlangt, müsste sie theoretisch auch für Schäden aufkommen?, argumentiert Rottenbacher.

Qualifizierungsnachweis für alle gefordert

Der AfW plädierte vor den rund 200 Zuhörern zudem dafür, dass es IHK-Sachkundeprüfungen nicht nur für Versicherungen, sondern auch für die Kapitalanlage, geschlossene Fonds und Baufinanzierung geben müsse und zwar gleichermaßen für Vertreter der Assekuranzen wie freier Finanzdienstleister als auch Bankberater. ?Der momentane Zustand führt zu einer Wettbewerbsverzerrung. Banker sind nach wie vor besser gestellt als freie Vermittler, obwohl die Banken die Finanzkrise verursacht haben und nicht die Finanzdienstleister?, betont Rottenbacher gegenüber cash-online.

Aigner sieht dennoch erheblichen Verbesserungsbedarf bei den freien Finanzvermittlern. Für alle Vermittler sollten verbindliche Mindeststandards gelten, insbesondere im Hinblick auf die Berufsqualifikation. Die Vertriebs- und Anreizsysteme dürfen nicht dazu führen, dass Qualität, Seriosität und die Achtung des Kundenwunsches auf der Strecke bleiben.

Bis zur Bundestagswahl keine weitere Regulierung

Rottenbachers Resumée zu der Tagung: ?Klar ist, dass es zu einer weitgehend einheitlichen Regulierung aller Bereiche der Finanzdienstleistungsbranche kommen wird, die Frage ist nur wann. Es scheint allerdings, dass in dieser Legislaturperiode nicht mehr damit zu rechnen ist.?

Erschwerend kommt hinzu, dass mehrere Bundesministerien für Teilbereiche der gesamten Finanzbranche zuständig sind und es keinen gemeinsamen Ausschuss gibt. Für die EU-Versicherungsvermittlerrichtlinie (VVR) war das Wirtschaftsministerium verantwortlich, die Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) lag wiederum beim Justizministerium, die Finanzmarktrichtlinie MiFID beim Ministerium für Finanzen und nun mischt auch das Verbraucherschutzministerium mit. (aks)

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