Nach der Wahl: Lobbyverbände stellen Ansprüche

Die Bundestagswahl ist vorbei. Die Koalitionsverhandlungen laufen, die Regierungsbildung ist in vollem Gange. Viele Berater und Vermittler im Land werden mit dem Ausgang der Wahl zufrieden sein, immerhin hatte sich fast die Hälfte der Teilnehmer einer Umfrage zum Vermittlerbarometer des Bundesverbands für Finanzienstleister (AfW) im Frühjahr dieses Jahres für die FDP ausgesprochen (cash-online berichtete hier).

Entsprechend positiv fallen die Reaktionen der Verbände der Finanzdienstleistungs-branche aus. Allerdings stellen die Lobbyisten auch Ansprüche.

GDV: Finanzmärkte weiter stabilisieren

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fordert von der neuen Regierung die Finanzmärkte weiter zu stabilisieren. Dies sei für die deutschen Versicherer in der Rolle des Anlegers von zentraler Bedeutung, „denn nur in stabilen Finanzmärkten können sie die Prämien ihrer Kunden langfristig sicher anlegen und ihre Rolle als Risikoträger zuverlässig erfüllen“, sagt Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung.

Sein Verband erwartet von der Politik, der privaten Vorsorge Priorität einzuräumen. Der Spielraum dürfe nicht durch weiter steigende Steuer- und Soziallasten eingeengt werden.

BVK: Beratungspflichten sollen für alle gelten

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) erhofft sich vom Koalitionsbündnis, dass „die in den letzten Jahren zu beobachtende Verunsicherung unseres Berufsstandes aufhört und regierungsamtliche Angriffe auf die Versicherungsvermittler, wie sie beispielsweise in Publikationen des Bundesarbeitsministeriums auftauchten, unterbleiben. Auch die Aufgabe aller Pläne für eine Offenlegung von Provisionen wie eine Beendigung der exklusiven Bevorzugung von Honorarberatern erwarten wir von der neuen Bundesregierung“, so BVK-Präsident Michael H. Heinz.

Der Verband werde die schwarz-gelbe Regierung auch daran messen, ob sie die gesetzlichen Novellierungen der letzten beiden Jahre im Versicherungsvermittlerrecht und im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) erst einmal wirken lässt oder mit neuen Gesetzesvorhaben nachkartet.

„Die bereits in der letzten Legislaturperiode verabschiedete Informationspflichtenverordnung zum VVG belastet allein unseren Berufsstand mit geschätzten 500 Millionen Euro jährlich“, erklärt Heinz, „sodass wir uns jetzt ein Entgegenkommen von der neuen Regierung wünschen.“ Darunter versteht der BVK unter anderem, dass die für Versicherungsvermittler geltenden gesetzlichen Beratungs-, Informations- und Dokumentationspflichten auf alle Finanzdienstleister übertragen werden.

AfW: Erwarten Regulierungen in geringerem Maße

Der AfW hat die Hoffnung, beim Thema Regulierung mit seinem Motto „soviel wie nötig – sowenig wie möglich“ mehr Anklang bei der neuen Regierung zu finden als beim rot-schwarzen Bündnis.

„Aufgrund der Tatsache dass wir künftig eine schwarz-gelbe Regierung haben, erwarten wir, dass es in geringerem Maße zu weiteren Regulierungen kommen wird“, sagte AfW-Vorstand Frank Rottenbacher gegenüber cash-online. Der Verband wünsche sich wie der BVK, dass die derzeit geltenden Pflichten für Versicherungsvermittler für die Gesamtbranche übernommen werden.

Votum: Sehen Chance zu Kurs aus der Krise

Der Verband unabhängiger Finanzdienstleistungsunternehmen Votum sieht in dem Wahlergebnis die Chance zu einem klaren Kurs aus der Krise.

„Wir verbinden dies mit der Hoffnung, dass insbesondere die FDP als Korrektiv dafür sorgt, dass die volkswirtschaftlich wichtige Berufsgruppe der unabhängigen Finanzberater nicht mit unnötiger Bürokratie überzogen wird“, sagte Martin Klein, Geschäftsführer von Votum, gegenüber cash-online. (hb/ks)

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