Frauen und Finanzen: Der Unlustfaktor

Oft fehle ihnen einfach die Zeit und Kraft, sich mit dem Thema Altersvorsorge auseinanderzusetzen. „Da dieses traditionell eine Männerdomäne ist, hoffen viele Frauen, dass ihr Mann sich um die Finanzen kümmert, schließlich kümmert sie sich um den Rest. Wenn dann die Ehe scheitert, kommt das böse Erwachen und die Frauen stehen nicht nur vor einem emotionalen, sondern trotz Unterhalt oft auch vor einem finanziellen Scherbenhaufen“, fasst sie zusammen.

Frauen beraten Frauen
Frauen beraten Frauen

Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, haben bereits vor mehr als zwanzig Jahren Frauen Finanzberatungen gegründet, in denen bis zum heutigen Tag speziell Geschlechtsgenossinnen, aber auch Männer beraten werden. Wulf ist seit 1986 in Sachen Frauen und Finanzen aktiv. „1986 mussten wir in der Beratung ganz langatmig ausholen, um zu erklären, was Rente ist und was das alles bedeutet“, berichtet sie. Damals sei das ein Tabuthema gewesen und Vorsorge zu betreiben, eine Sache, die als spießig galt. „Seit fünf bis acht Jahren haben wir eine kontinuierliche Berichterstattung in allen Medien. Damit ist das viel mehr in den Köpfen aller“, so Wulf weiter.

Der Wandel ist nicht nur am wachsenden Bewusstsein abzulesen: „1987 waren die Frauen, die anfangen wollten fürs Alter zu sparen, über 40. Heute sind sie um die 30“, sagt Helma Sick, Gründerin der Finanzberatung Frau & Geld in München. Das sei ein großer Erfolg, auch wenn angesichts der Rentensituation jeder und jede noch früher anfangen sollte, rät sie.

Es wird einiges getan, um Frauen an das Thema heranzuführen und ihnen das Gefühl zu nehmen, dass Geldangelegenheiten lästige Anhängsel sind. Beispielsweise gibt es bundesweit Veranstaltungen von Finanzdienstleistern, die sich mit den Themen Kapitalanlage und Altersvorsorge speziell an Frauen wenden. Doch: Bringen diese Seminare überhaupt etwas? Es sei durchaus notwendig, auf diese Zielgruppe zugeschnittene Veranstaltungen anzubieten, sagt Wulf. „Wir stellen selbst immer wieder fest, dass die Ansprache dort eine andere ist. Das hat den Vorteil, dass Frauen auch zu Wort kommen und ihre Fragen unbefangen stellen können.“

Das sieht Honorarberaterin Stefanie Kühn, Inhaberin der Private Finanzplanung Kühn in Grafing bei München, genauso. Sie bietet neben Vorträgen für Männer und Frauen auch Tagesseminare nur für das weibliche Geschlecht an – nicht weil diese andere Probleme als Männer hätten, sondern weil Frauen das schön fänden und manchmal das geschützte Umfeld bräuchten, sagt sie.

Constanze Hintze, Geschäftsführerin der Finanzberatung Svea Kuschel und Kolleginnen, findet hingegen, dass bei manchen Veranstaltungen dieser Art die Gefahr bestehe, dass sie zu „Wohlfühlabenden“ verkommen, nach dem Motto: erst wird Riester erklärt und dann gibt es eine Stilberatung und Häppchen im Stehen. Sie selbst fände das anmaßend. „Frauen wird unterstellt, sie vertrügen nur leichte Kost“, moniert sie. „Gute Veranstaltungen, die sich speziell an Frauen richten, können viel mehr. Sie informieren gezielt und machen den ersten Schritt leicht“, fügt Hintze hinzu.

Lesen Sie auf Seite 3 die Gründe, warum nicht vorgesorgt wird

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