Frauen und Finanzen: Der Unlustfaktor

Nicht nur die Frauen selbst sind die Zielgruppe. Auch in der Finanzbranche und in der Politik wollen die Finanzberaterinnen Gehör finden. Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten ist daher die Vereinigung „FinanzFachFrauen“ aktiv. Wulf hat die Vereinigung 1988 mit anderen Frauen zusammen gegründet. „Wir versuchen, mit Politikerinnen ins Gespräch zu kommen, aber auch mit Gesellschaften, die wir unter anderem fragen, warum Frauen ab einem bestimmten Alter fast doppelt so viel an Krankenversicherungsbeiträgen zahlen wie Männer“, berichtet Wulf über ihr Engagement. Die Antwort stehe immer noch aus, aber auch nach zwanzig Jahren bohre man weiter, um etwas zu erfahren.

Interessen bündeln

Um in der Öffentlichkeit noch mehr wahrgenommen zu werden, wurde vor zehn Jahren der Bundesverband unabhängiger Finanzdienstleisterinnen (BuF) gegründet. „Damals galten als Aufnahmekriterien neben der beruflichen Qualifikation eine bestehende Vermögensschadenhaftpflicht, geordnete wirtschaftliche Verhältnisse und eine mindestens dreijährige berufliche Tätigkeit als Maklerin. Damit waren wir schon damals der Zeit weit voraus“, berichtet Gründerin und Vorstand Upgang. Schon seit vielen Jahren beschäftige sich der Verband gezielt mit der Erarbeitung von Qualitätsstandards für die Beratung und der angebotenen Produkte.

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Findet ein Beratungsgespräch statt, so stellt sich zwangsläufig die Frage nach geeigneten Produkten für die Kundin oder den Kunden. So bieten neben den zahlreichen Tarifen vornehmlich Versicherer sogenannte Lady-Tarife an. Unter diesem klangvollen Oberbegriff werden spezielle Tarife für die Frau zusammengefasst. Das sind meist reine Marketingaktionen, lautet das einstimmige Urteil der Finanzberaterinnen. Hintze bringt es auf den Punkt: „Frauenprodukte sind Marketing pur – wie der Seniorenteller, den auch keiner bestellt.“ Betagte Damen und Herren wollen einfach nur kleinere Portionen essen und Frauen Lösungen für ihre Geldthemen. Will heißen, Frauen brauchen keine speziellen Produkte.

Punkten mit Frauenprodukten?

Es gäbe genug gute und interessante Geldanlagen für jede Risikoeignung. Man müsse sie nur im Interesse der Kunden einsetzen, findet Sick. Damit geht sie mit Daniela Wilmsen, selbstständige Finanzberaterin für die Deutsche Bank, konform, die ebenfalls in der Beratung nicht zwischen Produkten für Männer und Frauen unterscheidet. „Ich habe noch nie den Fall gehabt, dass mir in der Beratung mit einer Kundin ein Produkt gefehlt hätte“, sagt sie.

Doch welche Produkte sind dann die richtigen? Hintze nennt die Faktoren Sicherheit und Flexibilität. Ganz vorne auf der Beliebtheitsskala ihrer Kundinnen stünden private, flexible Rentenversicherungen und Riester. Bei der Geldanlage seien es vor allem sicherheitsorientierte Rentenfonds und aktiv gemanagte Aktienfonds. „Die Aktienquote in den Depots meiner Kundinnen ist mit rund 28 Prozent nicht sehr hoch“, fügt sie hinzu. Doch wie bei ihren männlichen Pendants lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren. Kühn beispielsweise hat durchaus Frauen mit einer gewissen Zockermentalität in den Reihen ihrer Mandantinnen, aber auch sehr konservativ geprägte Anlegerinnen. Insgesamt sei jedoch festzustellen, dass Frauen bei der Geldanlage einen Tick risikoscheuer agieren als Männer.

Glaubt man jedoch einer Studie des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin vom November 2009, in deren Rahmen 8.000 private Haushalte befragt wurden, agieren Frauen bei der Geldanlage vorsichtiger, weil sie über weniger Vermögen und Einkommen verfügen und nicht, weil sie weniger risikofreundlich als Männer sind. Durchschnittlich verdienen Frauen 10.000 Euro weniger als Männer; beim Vermögen sind es durchschnittlich 20.000 Euro, das Frauen weniger zur Verfügung haben. Das Ergebnis der Wissenschaftler: Wenn das Vermögen steigt, steigt auch der Hang zum Risiko, unabhängig davon, ob Frau oder Mann.

Nur Frau sein reicht nicht

Allerdings sind damit noch nicht alle Aspekte genannt, die für das weibliche Geschlecht von Wichtigkeit sind. „Viele Frauen bevorzugen Produkte, die nach ökologischen und ethischen Kriterien anlegen“, sagt Göpf. Das bestätigt auch Beraterkollegin Wulf. Sie beobachte seit Bestehen ihrer Beratung, dass Frauen immer wieder hinterfragen, was mit ihrem Geld passiert und wohin es fließt. Das liege in der Tradition. Frauen würden nach wie vor zum Schützen, Versorgen und Bewahren erzogen, lautet ihre Erklärung.

Lesen Sie auf Seite 5, warum so wenige Frauen als Beraterin arbeiten

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