Frauen sind Vorsorgemuffel

Obwohl Frauen stärker von Altersarmut bedroht sind, kümmern sie sich deutlich weniger um ihre Altersvorsorge als Männer. Cash. hat mit Finanzberaterinnen, die sich auf die Beratung von Frauen spezialisiert haben, über die weibliche Vorsorgemüdigkeit gesprochen.
Helma Sick
Helma Sick, Frau & Geld

Zahlreichen Studien zufolge setzen sich Frauen deutlich weniger mit Geld- und Finanzthemen auseinander als Männer. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Comdirect Bank aus dem letzten Jahr geben nur 44 Prozent der Frauen an, sich gerne mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen, bei den Männern sind es immerhin 61 Prozent. Außerdem ergreifen Frauen demnach bei Anlageentscheidungen seltener die Initiative als Männer. Mehr als jede vierte Frau (27 Prozent) gibt an, Entscheidungen zur Geldanlage anderen zu überlassen oder abzuwarten (Männer: 20 Prozent).

Gleichzeitig sind besonders Frauen von Altersarmut bedroht, da sie vermehrt in Teilzeit oder geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Wie viele finanzielle Mittel im Alter zur Verfügung stehen, wird von vielen Faktoren beeinflusst. So drohen auch Frauen, die nicht einem Minijob nachgehen, geringe Alterseinkünfte. Weibliche Erwebsbiografien sind häufig von so genannten Brüchen geprägt, die aus dem klassischen, weiblichen Rollenbild resultieren. Denn wenn sich Frauen für Kinder entscheiden, bedeutet das in den meisten Fällen neben einem Verdienstausfall während der Kinderauszeiten auch Teilzeitbeschäftigung sowie den Verzicht auf Karrierechancen und daraus resultiereund eine geringere Rente. Die höhere Lebenserwartung von Frauen führt zu einer weiteren Verschärfung des Vorsorgeproblems.

Laut einer Studie der R+V Versicherung investieren 40 Prozent der Frauen weniger als 50 Euro monatlich in ihre private Rente, 20 Prozent von ihnen gar nichts. Doch woher kommt diese mangelnde Bereitschaft zur Vorsorge? Für Finanzexpertinnen, die täglich mit Kundinnen über das Thema Altersvorsorge sprechen, wurzelt die weibliche Unlust sich mit Finanzen auseinanderzusetzen in der bestehenden Gesellschaftsstruktur.

Helma Sick, Gründerin der Finanzberatung Frau & Geld in München, glaubt das weibliche Desinteresse sei vor allem historisch begründet. Demnach verfügen Frauen erst seit 30 – 40 Jahren über Erfahrung im strategischen Umgang mit Geld. Denn bis in die 50er Jahre hinein sei Vermögen, das Frauen in die Ehe mit brachten, der Verwaltung ihres Mannes unterstellt gewesen. Nicht einmal ein Bankkonto habe eine Frau ohne Zustimmung ihres Mannes eröffnen können.

Seite zwei: Warum Frauen nicht vorsorgen

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