15. Oktober 2013, 08:11
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Finanzberatung: Was bringt die Zukunft?

Wagt man einen Blick in die Zukunft, so wird deutlich, dass der Bedarf an unabhängiger Finanzberatung ungebrochen ist. Die Anforderungen an die Berater sind allerdings in den letzten Jahren erheblich gestiegen.

Gastbeitrag von Franz-Josef Rosemeyer, A.S.I. Wirtschaftsberatung

Finanzberatung

“Vielfach wird es dabei aber nicht mehr um Vorsorgethemen, sondern eher um Themen der Ruhestandsplanung gehen.”

Die Altersvorsorgeberatung unter Berücksichtigung der gemischten Versicherung auf den Todes- und Erlebensfall (kapitalbildende Versicherung) hat mit der heutigen Beratung unter Einbeziehung der horizontalen Produktebene (Schicht I. bis III.), sowie der vertikalen Differenzierung (konventionelle Produkte, fondsgebundene Produkte, Zwei-Topf oder Drei-Topf Hybrid Modelle, Wertsicherungskonzepte etc.), nur noch wenig gemeinsam.

Die unterschiedlichen Besteuerungsmechanismen sowohl während der Ansparphase (partielle oder vollständige Absetzbarkeit, Maximalbeiträge, Zulagenberücksichtigung et cetera, als auch in der Rentenbezugsphase (nachgelagerte Besteuerung, Ertragsanteilsbesteuerung) tragen ebenfalls nicht zur Komplexitätsreduktion in der Beratung bei.

Regulierung geht weiter

Darüber hinaus wird die Berücksichtigung weiterer Anlageformen, ob sie der Alterssicherung oder der Vermögensbildung dienen, vom anspruchsvollen Kunden schon heute selbstverständlich erwartet und dieser Trend wird sich noch weiter verstärken.

Die regulatorischen Maßnahmen werden weitere Einschränkungen bringen, IMD 2 und MIFID II stehen schon vor der Tür. Damit eng verbunden ist außerdem die Diskussion um die richtige Vergütungsform für unabhängige Berater. Weitere Regelungen auf Produktgeberseite werden die Produktentwicklungen in allen Finanzanlagebereichen erheblich beeinflussen.

Social Media wird wichtiger

Der technische Fortschritt, allen voran in der Informationstechnologie, wird mit ungebremster Geschwindigkeit weitergehen und eine noch höhere Reaktionsgeschwindigkeit auf Beraterseite erfordern.

Social Media werden sich nicht nur als Kommunikationsplattform, sondern auch als Informationsforum rasant weiterentwickeln und die wichtigsten Zugangsmedien insbesondere zu den Generationen X und Y werden.

Gleichzeitig darf die Bevölkerungsgruppe der über 55-Jährigen nicht vergessen werden. Die Verschiebung der Alterspyramide führt dazu, dass der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe allein in den nächsten 15 Jahren massiv ansteigen wird und damit auch das in dieser Altersgruppe vorhandene Vermögen.

Ruhestandsplanung ist “terra incognita”

Vielfach wird es dabei aber nicht mehr um Vorsorgethemen, sondern eher um Themen der Ruhestandsplanung gehen. Ein Gebiet, das für viele Finanzberater zum heutigen Zeitpunkt noch “terra incognita” ist.

Auch auf Produktgeberseite besteht hier noch viel Kreativitäts- und Handlungspotenzial. Die Bedeutung von Social Media als Kontaktplattform wird in dieser Zielgruppe aber wohl eher von untergeordneter Bedeutung sein.

Grundsätzlich ist jedoch davon auszugehen, dass der Informationsgrad der Kunden in Bezug auf die Beratungsthemen weiter steigen wird.

Bekenntnis zu mehr Qualität

Auch diese Veränderungen untermauern die erhöhten Qualifikationsanforderungen an die Finanzberater der Zukunft. Die Sicherstellung dieses Qualifikationsniveaus ist in erster Linie Aufgabe der Branche, allerdings mit Unterstützung der Politik.

Das Bekenntnis zu mehr Qualität wird durch die aktuelle Weiterbildungsoffensive für Finanzberater eindeutig dokumentiert. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik ihren Regulierungsauftrag mit Augenmaß betreibt und sich nicht nur ideologisch, sondern vor allem auch durch bereits vorliegende Erfahrungswerte aus anderen Ländern leiten lässt.

In einem Umfeld verlässlicher Rahmenbedingungen wird die Finanzberatung auch in Zukunft ein attraktives und anspruchsvolles berufliches Betätigungsfeld mit hoher gesellschaftlicher Verantwortung sein.

Autor ist Franz Josef Rosemeyer, Vorstand der A.S.I. Wirtschaftsberatung AG

Foto: Stephanie Eckgold

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