Anzeige
28. Januar 2013, 12:22
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Druck aufs Provisionsmodell erhöht sich”

Karl Matthäus Schmidt, Vorstand der Quirinbank, spricht über den Gesetzentwurf zur honorarbasierten Anlageberatung und die Zukunft der Honorarberatung in Deutschland.

Honorarberater

Karl Matthäus Schmidt, Quirinbank: “In der Praxis werden Anleger aber häufig rein produktgetrieben beraten.”

Cash.: Das BMF hat einen Gesetzentwurf für die honorarbasierte Anlageberatung vorgelegt. Sollte es eine analoge Neuregelung für den Versicherungsbereich geben?

Schmidt: Klares Ja. Zu einer ganzheitlichen Anlegerberatung gehört auch das Segment der Versicherungen. Eine Ausweitung des Honoraranlageberatungsgesetzes auf die Versicherungsvermittlung und eine gesetzlich verankerte Berufsbezeichnung eines „Honorar-Versicherungsberaters“ halte ich deshalb für absolut sinnvoll.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert eine einzige Zulassung für Honorarberater, mit der zu allen Anlageprodukten beraten werden kann. Ist das in Ihren Augen zweckmäßig?

Ich stimme der Forderung zu. Eine Finanzanlageberatung im Sinne des Anlegers muss in erster Linie die individuelle, persönliche Lebenssituation und die spezifischen Anlegerwünsche in den Mittelpunkt stellen. Erst dann kann eine umfassende und nachhaltige Lösung für den Kunden gefunden werden.

In der Praxis werden Anleger aber häufig rein produktgetrieben beraten. Kein Wunder – wird doch der klassische Bankberater oft durch Zuwendungen Dritter oder bankeigener Vertriebsvorgaben dazu angehalten, seinen Kunden bestimmte Finanzprodukte zu empfehlen. Dieser Systemkonflikt wird auch vom Gesetz des BMF nicht behoben.

Welche Faktoren müssen eintreten, damit die Honorarberatung auch hierzulande Fuß fasst?

Initiativen auf europäischer Ebene sowie die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes in Sachen „Kick-back“ bergen ein enormes Haftungspotenzial für Banken. Dies wird den Druck auf das Provisionsmodell in Deutschland weiter erhöhen.

Einen Systemwechsel im Sinne eines flächendeckenden Provisionsverbots halte ich vorerst jedoch aufgrund unserer starken deutschen Finanzlobby für unrealistisch.

Mit einer Neuregelung der Beweislastumkehr zugunsten des Anlegers, der Ausdehnung des Honoraranlageberatungsgesetzes auf den Versicherungsbereich und der steuerlichen Absetzbarkeit von Honoraren könnte die Bundesregierung indes deutliche Akzente für eine verbraucherfreundliche Finanzberatung setzen.

Interview: Julia Böhne

Foto: Urban Ruths

1 Kommentar

  1. Das ist völliger Quatsch, das wird noch 20 Jahre dauern bis sich die Honorarberatung durchsetzt. Die Menschen sind noch nicht soweit für Beratung direkt zu zahlen.

    Kommentar von Jan Lanc — 29. Januar 2013 @ 19:22

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

Vertrieb: Audiocalypse Now

“Wer versendet mindestens 50 Prozent seiner Nachrichten als Sprachnachrichten?” – Das war die Frage, die ich letzten Oktober Studenten stellte, als wir über Messenger in unserer Kultur redeten.

Gastbeitrag von Marko Petersohn, As im Ärmel

mehr ...

Immobilien

Immobilienvermarktung: “Kein Algorithmus ersetzt den Menschen”

Chancen für ein neues Dienstleistungsniveau: Die fortschreitende Digitalisierung kann auch in der Immobilien- und Maklerbranche nicht mehr weggeredet werden. Aber nicht alle Maklerbetriebe wollen oder können mitziehen.

mehr ...

Investmentfonds

Renten retten die Märkte nicht mehr

Die Folgen der Geldpolitik werden nach einem schlechten 2018 an den Finanzmärkten deutlich. Stürzen die Aktienkurse, bieten die Anleihen nur noch ein sehr dünnes bis gar kein Polster mehr. Eine Normalisierung der Geldpolitik ist nicht absehbar. Gastbeitrag von Dr. Eduard Baitinger, Feri.

mehr ...

Berater

Rankel: Mit Social Media Kunden gewinnen

Jeder zweite Facebook-Account eines Maklers ist inaktiv. Das zeigt: Viele Berater nehmen sich zwar vor, über Social Media Kunden zu gewinnen. Doch sie wissen nicht wie.

Die Rankel-Kolumne

mehr ...

Sachwertanlagen

Ernst Russ AG verliert beide Vorstände auf einen Schlag

Sowohl der Vorstandssprecher Jens Mahnke als auch Vorstandsmitglied Ingo Kuhlmann werden Ende März aus der Ernst Russ AG (ehemals HCI Capital) ausscheiden. Ein bisheriges Aufsichtratsmitglied springt ein.

mehr ...

Recht

Pflegeunterhalt: Wenn Kinder für ihre Eltern haften

Die Deutschen werden immer älter. Damit wächst auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Die Kosten hierfür sind hoch. Vielfach benötigen Eltern in diesem Fall die finanzielle Hilfe ihrer Kinder. Für diesen Fall gibt es genaue Regeln, wie eine Übersicht des Arag-Rechtsschutzes zeigt.

 

mehr ...