„Die Regulatorik nimmt uns unternehmerische Freiheitsgrade“

Jörg Laser, Vorstandsmitglied des Bankhauses Donner & Reuschel, hat mit Cash. über Regulierung und Digitalisierung der Bankenbranche sowie seine Erwartungen an 2016 gesprochen.

Jörg Laser: „Die Regulatorik hat uns schon in den vergangenen Jahren beschäftigt und es ist kein Ende in Sicht.“

Cash.: Die anhaltende Niedrigzinsphase und die fortschreitende Regulierung beeinflussen die Bankenbranche. Was wirkt sich belastender aus, die Marktbedingungen oder die Regulatorik?

Laser: Die Regulatorik, denn sie nimmt uns die unternehmerischen Freiheitsgrade. Wenn Sie beispielsweise jemandem aus dem Einzelhandel, der Chemieindustrie oder dem Maschinenbau erklären würden, wie stark in unserer Branche regulatorisch ins Geschäftsmodell eingegriffen wird, wäre das für ihn kaum nachvollziehbar.

Das wiegt umso schwerer, wenn man durch die Marktentwicklungen eingeschränkt ist, darauf aber aufgrund der Bestimmungen nicht adäquat reagieren kann.

Sehen Sie perspektivisch Verbesserungen?

Überhaupt nicht. Im Gegenteil sehe ich sowohl auf der politischen als auch auf der aufsichtsrechtlichen Ebene und in der allgemeinen Presse keine wohlwollende Beobachtung der Banken. Das hat sicherlich alles seine Gründe.

Man muss aber immer wieder deutlich sagen, dass die Finanzmarktkrise nur von einem kleinen Teil der Branche zu vertreten ist. Dennoch müssen nun auch alle Institute, die kundenorientiert aufgestellt waren, ein solides Geschäftsmodell hatten und sich nichts vorzuwerfen haben, den neuen Rahmenbedingungen genauso gerecht werden wie diejenigen, die die Schuld an der Krise tragen.

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Anders als das Investment-Banking, das nicht kunden-, sondern kapitalmarktzentriert ist, haben wir – oder auch eine örtliche Sparkasse oder Volksbank – ein bodenständiges Geschäftsmodell und im Grunde genommen keine Möglichkeiten, dem regulatorischen Druck zu entkommen.

 

Seite zwei: „Im Gegensatz zu Fintechs wollen wir eine individuelle Beratung bieten

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