Unabhängig an der Spitze

Family Office gilt als Königsdisziplin in der Betreuung Hochvermögender. Immer mehr Vermögensverwalter und Banken agieren unter dieser Flagge. Während die klassischen Anbieter um die Unabhängigkeit der Leistung fürchten, sehen die modernen Vertreter keine Interessenkonflikte.

Family Office Liesner Balzer
Jörg Liesner (links) und Eric M. Balzer, gesch.ftsführende Gesellschafter des Hamburger Family Office Liesner & Co. übernehmen keine Tätigkeiten, die zu Interessenkonflikten führen könnten.

Die Bezeichnung Family Office ist zum Modebegriff geworden. Noch vor wenigen Jahren kannte kaum jemand außerhalb der Finanzbranche das Geschäftsmodell, das sich der ganzheitlichen Betreuung und Verwaltung großer Vermögen verschrieben hat. Mittlerweile bedienen sich immer mehr Banken und Vermögensverwalter der Bezeichnung, um ihrer Dienstleistung einen gewissen Nimbus zu verleihen. Nicht zuletzt aufgrund der Verschwiegenheit der Branche ist die genaue Anzahl der hierzulande agierenden Family Offices unbekannt.

Expertenschätzungen liegen zwischen 100 und 1.300 Single Family Offices und 20 bis 200 Multi Family Offices. Die Zahl der deutschen Family Offices hat sich seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts deutlich vergrößert – seit dem Jahr 2000 gibt es einen besonders rasanten Zuwachs. Da keine verbindliche Definition des Begriffs existiert, kann sich jeder das Label Family Office zulegen.

Family-Office-Konzept als Marketinginstrument

Und tatsächlich haben bereits unterschiedlichste Marktteilnehmer – von der Immobilienverwaltung bis zum Versicherungsmakler – den Begriff genutzt, um ihre Dienstleistung marketingtechnisch zu veredeln. Diese Entwicklung ist etablierten Anbietern ein Dorn im Auge. Sie fürchten, dass sich der Markt durch die wachsende Zahl der Family-Office-Anbieter mit unterschiedlichen Leistungskatalogen immer mehr von der Ursprungsidee eines Family Office als ausschließlicher Vertreter der Interessen der Familie beziehungsweise des Vermögensinhabers entfernt.

Im Oktober 2014 hat sich vor diesem Hintergrund der Verband unabhängiger Family Offices e.V. (Vufo) gegründet. Da die Bezeichnung „Family Office“ zunehmend inflationär verwendet wird, will der Vufo ethische Grundregeln und Qualitätsstandards festlegen sowie Transparenz über Angebotsstrukturen schaffen. Die Initiative zur Gründung des Vufo geht auf einen Gesprächskreis von Vertretern unterschiedlicher Single und Multi Family Offices zurück, der sich bereits in 2013 zusammengefunden und danach regelmäßig getroffen hat.

Seite zwei: Verband will Qualitätsstandards etablieren

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