11. Juli 2017, 07:09
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Der mündige Anleger – Ideal oder Irrweg?

Der möglichst umfassend aufgeklärte, dabei aber autonom und uneingeschränkt entscheidende Anleger galt viele Jahre lang als Leitbild. Es wird jedoch durch Politik und konkretes Aufsichtsrecht aktuell infrage gestellt. Dies bringt im Einzelfall Einschränkungen, kann aber mittelfristig auch positive Effekte haben.

Gastbeitrag von Professor Dr. Thomas Zacher, Kanzlei Zacher & Partner Rechtsanwälte

Zacher in Der mündige Anleger – Ideal oder Irrweg?

“Produktverbote sind keine Papiertiger und können sogar schon im Vorfeld erhebliche Auswirkungen haben.”

Oftmals unbemerkt haben sich in der letzten Zeit in verschiedenen Anlageklassen konkrete Verbotsmöglichkeiten auch für “an sich” zulässige Anlageprodukte etabliert.

Soweit sie überhaupt von Fachleuten als Randerscheinungen in Gesetzestexten bemerkt wurden, herrschte die Meinung vor, dass sie jedenfalls für die Praxis vernachlässigt werden könnten.

Schlichter Entwurf eines Bafin-Verbots reicht

Ein erster aktueller Fall zeigt, dass dies nicht so ist. Schon der schlichte Entwurf eines Verbots der Bafin hat dazu geführt, dass die dadurch betroffenen sogenannten Bonitätsanleihen Privatkunden fast nirgendwo in Deutschland mehr angeboten werden.

Nach Schätzungen sind in dieser Anlageklasse rund sechs Milliarden Euro investiert. Bonitätsanleihen sind ein Kreditderivat. Sie gehören zu den sogenannten Credit Linked Notes und werden in der Regel von Banken begeben.

Die Besonderheit liegt darin, dass Banken dabei in ihrer verzinslichen Schuldverschreibung (Anleihe) ein Kreditereignis definieren, das wiederum bei einem oder mehrerer ihrer Referenzschuldner eintreten könnte.

Höherer Zins mit besonderem Risiko erkauft

Tritt dieses Kreditereignis (Insolvenz, Zahlungsausfall, Zahlungsverzug etc.) ein, ist der Emittent seinerseits gegenüber den Anleihegläubigern berechtigt, Zins und/oder die Rückzahlung insgesamt zu kürzen oder auch ganz einzustellen.

Der Emittent überträgt damit im Regelfall auf seiner Seite bestehende Kreditrisiken in gewissem Umfang auf seine Kreditgeber; diese erhalten für dieses – zusätzliche – Risiko einen höheren Zins. Der höhere Zinssatz wird mit einem besonderen Risiko erkauft.

Während manchen solche Finanzinstrumente als interessantes Produkt zur Bereicherung der Palette der Finanzinstrumente ansehen und die dadurch mögliche Risikodiversifikation hervorheben, sehen andere dies eher als Wette gegen den Kreditausfall von Unternehmen.

Seite zwei: Zu komplex für Privatanleger

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1 Kommentar

  1. Vielleicht war ja der Weg über Transparenz notwendig, um der Branche deutlich zu machen, dass die Kundeninteressen berücksichtigt werden müssen. Aber unter dem Strich kann der Kunde die Komplexität von Finanzprodukten nie ganz überblicken, das können ja viele Finanzdienstleister nicht. Also gibt es doch nur das, was es schon immer gab, Beraterhaftung. Wer Fehler macht muss dafür gerade stehen und die Beweiserbringung muss für den Kunden einfach sein, dann klappt das schon mit der Qualität. Es gibt übrigens auch Produkte und Bedingungen von Finanzinstituten, die nicht akzeptabel sind. Da fragt man sich schon, wie so etwas genehmigt wurde. Zuletzt möchte ich zwei Begriffe erinnern, soziale Verantwortung und Fürsorgepflicht. Zuviele in der Branche haben vergessen worum es geht, der deutsche Bürger soll gut versorgt sein. Die Aufgabe ist nicht erfüllt. Sie BU, Unfall, KT, Pflege, Hinterbliebenen und Rente. Fürsorgepfllicht – die Gesellschaft und der Vermittler haben für den Kunden eine Fürsorgepflicht. Und wenn die mit der Aufklärungspfllicht über Bord geschmissen wird, dann ist Deutschland in Not. Wer kümmert sich aktuell noch um Kunden? Das sind die Profis, denen es gut geht und dien Kunden kann man nur gratulieren. Kategorie ehrbarer Kaufmann, das sind und werden die Gewinner sein.

    Kommentar von Karl Werner Schmitz — 11. Juli 2017 @ 18:46

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