31. Juli 2018, 17:19
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Crowdinvesting: BaFin-Untersuchung offenbart laxen Umgang mit Werbevorschriften

Die Finanzaufsicht BaFin hat eine umgangreiche Internet-Recherche zu Verstößen gegen Regelungen des Vermögensanlagengesetzes im Bereich der Werbung durchgeführt. Die Quote der Internet-Plattformen mit “Auffälligkeiten” ist ziemlich hoch.

Bafin-1 in Crowdinvesting: BaFin-Untersuchung offenbart laxen Umgang mit Werbevorschriften

Gebäude der BaFin in Frankfurt. Die Wertpapieraufsicht hat bei knapp 70 Prozent der Plattformen “Auffälligkeiten” festgestellt.

Das geht aus der jetzt veröffentlichten Präsentation der Behörde zu einer Informationsveranstaltung Mitte Juni hervor. Dabei ging es um “Schwarmfinanzierungen”, also Emissionen bis zu 2,5 Millionen Euro nach dem Vermögensanlagengesetz, die unter bestimmten Voraussetzungen von der gesetzlichen Prospektpflicht befreit sind und lediglich ein dreiseitiges Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) veröffentlichen müssen.

Die BaFin hat demnach im März 2018 eine umfangreiche Internet-Recherche mit dem Fokus Schwarmfinanzierungen durchgeführt und 50 aktive Internet-Dienstleistungsplattformen überprüft. Insgesamt wurden bei knapp 70 Prozent der untersuchten Plattformen “Auffälligkeiten” festgestellt.

Fehlender Hinweis auf Totalverlustrisiko

In 94 Prozent der Fälle fehlte der vorgeschriebene, hervorgehobene Hinweis auf das Totalverlustrisiko, in 26 Prozent der Fälle (auch) der Hinweis, dass der in Aussicht gestellte Ertrag nicht gewährleistet ist und auch niedriger ausfallen kann. In 17 Prozent der Fälle war das VIB nicht ohne Zugriffsbeschränkungen zugänglich, drei Prozent erweckten gesetzeswidrig den Anschein eines besonders günstigen Angebots.

Die Maßnahmen der BaFin beschränkten sich zunächst auf eine “nichtförmliche telefonische Kontaktaufnahme” mit den Website-Betreibern inklusive der Möglichkeit, “Rechtskonformität herzustellen und die Website zu überarbeiten”.

Geldbuße bis 100.000 Euro möglich

Dabei stellte die BaFin zwar eine hohe Kooperationsbereitschaft der Plattformen fest, registrierte aber auch längere Bearbeitungszeiten für die Korrektur der Auffälligkeiten. Zudem seien “bei der überwiegenden Anzahl der Vorgänge nach der erfolgten Überarbeitung weitere Nachbesserungen erforderlich.”

Die BaFin kündigt nun regelmäßige Kontrollen durch das Referat WA 55 (Marktaufsicht) an. Dies gelte auch für Social-Media und die Website des Anbieters/Emittenten, also nicht allein die (Vertriebs-)Plattform.

Sollte die Behörde künftig ernst machen, können Verstöße teuer werden. So kostet die Untersagung von Werbung eine Gebühr von 2.000 Euro und kann mit einer Geldbuße bis 100.000 Euro geahndet werden. Zudem erfolgt eine entsprechende Veröffentlichung auf der Website der Behörde, also am BaFin-Pranger. (sl)

Foto: Kai Hartmann Photography / BaFin

 

1 Kommentar

  1. Wer ist die BaFin? Da wird versucht, alternative Finanzierungssegmente abseits der Euro Schulden Finanzierung und Euro Schrottsysteme, die möglicherweise bald kollabieren, mit höchster Macht im Namen des Volkes und des Verbraucherschutzes zu “zerlegen” Aufwachen gilt!

    Kommentar von Micha — 1. August 2018 @ 21:12

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Aon zu steigenden Sturmschäden: “Die wirklichen Extreme stehen uns noch bevor”

650 Millionen Euro betragen die Sturmschäden seit Monatsbeginn in Deutschland, so die Schätzung von Rückversicherer AON. 350 Millionen Euro sollen auf Verträge der Sachversicherung entfallen. 300 Millionen Euro sind voraussichtlich an Kaskoschäden in der Kfz-Versicherung auszubezahlen. Im Gespräch erläutert Jan-Oliver Thofern, CEO des Rückversicherungsmaklers bei Aon, dass sowohl das Volumen an Schäden als auch die Höhe der Zahlungen für versicherte Schäden die Branche vor eine neue Herausforderung stellen.

mehr ...

Immobilien

Digitalisierung der Baufinanzierung: Das Ende der Filialbanken?

Die Hausbank, wie wir sie kennen, ist am Straucheln. Ein regionaler Bankberater und der wöchentliche Gang zum Schalter sind Relikte der Vergangenheit. Gastbeitrag von Valentin Drießen, Hausfrage.

mehr ...

Investmentfonds

Draghi’s Kommentare beeinflussen europäischen High Yield-Markt

Draghi’s Aussagen auf dem EZB-Forum in Sintra, Portugal, stellen einen wichtigen Impuls für den europäischen High Yield-Markt dar. Wenn der EZB-Chef erklärt, dass „weitere Leitzinssenkungen und Maßnahmen zur Eindämmung von Nebenwirkungen Teil unserer Instrumente bleiben“, ist zu erwarten, dass diese der Kreditwirtschaft und insbesondere dem High Yield-Markt zugutekommen. Ein Kommentar von Mark Benbow, Manager des Kames Short-Dated High Yield Bond Fund.

mehr ...
20.06.2019

Powells Balanceakt

Berater

„Das beste Lob, das man als Versicherer bekommen kann“

Daniel Bahr war von 2011 bis Dezember 2013 Bundesgesundheitsminister, gilt als „Vater des Pflege-Bahr“, ist seit 2017 Vorstand der Allianz Krankenversicherung und ein Experte beim Thema Pflege. Cash. sprach mit ihm über das unterschätzte Risiko der Pflegebedürftigkeit, die Zurückhaltung des Vertriebs sowie die Kampagne der Allianz mit Markenbotschafter Dieter Hallervorden.

mehr ...

Sachwertanlagen

Die Top 5 der Woche: Sachwertanlagen

Was waren die interessantesten Sachwert-Themen und Meldungen der Woche? Welche Beiträge wurden von den Cash.Online-Lesern besonders häufig geklickt? Unser Wochen-Ranking zeigt das Wichtigste auf einen Blick.

mehr ...

Recht

Trennung nach Schenkung: Geld zurück, bitte!

Geldgeschenke der Eltern eines Partners müssen zurückgezahlt werden, wenn sich das Paar kurze Zeit nach der Schenkung trennt. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden (Urteil vom 18. Juni 2019 – X ZR 107/16).

mehr ...