Anzeige
9. Januar 2018, 13:44
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

OLG München: S&K-Fonds war nicht erkennbar unplausibel

Das Oberlandesgericht (OLG) München hat angekündigt, die Klage gegen eine Vermittlerin des S&K Fonds Nr. 2 abweisen zu wollen. Insbesondere hinsichtlich der Plausibilitätsprüfung hat die Entscheidung über den Einzelfall hinaus Bedeutung.

Berufshaftpflicht-urteil in OLG München: S&K-Fonds war nicht erkennbar unplausibel

Das OLG München setzt sich auch mit Entscheidungen anderer Landgerichte zu dem S&K-Fonds auseinander.

Im Anschluss an die Ankündigung des OLG (Verfügung 28 U 2925/17) hat der Kläger die Berufung gegen das Urteil des Landgerichts München zurückgezogen, teilt die Kanzlei Dr. Roller & Partner aus München mit. Das LG-Urteil, das die Klage ebenfalls abgewiesen hatte, ist damit rechtskräftig.

Der Kläger hatte der Vermittlerin unter anderem vorgeworfen, das Konzept des Fonds S&K Sachwerte Nr. 2, der von der Hamburger United Investors aufgelegt worden war, sei von Anfang an nicht plausibel gewesen. Dies war für die Beklagte jedoch nicht erkennbar, so das OLG.

Nach Ansicht des Klägers war die avisierte Rendite unrealistisch hoch. Den Anlegern waren Auszahlungen von zwölf Prozent im Jahr in Aussicht gestellt worden, die durch den Handel mit Immobilien, unter anderem aus Zwangsversteigerungen, erwirtschaftet werden sollten. Um diesen Überschuss nach Abzug der Kosten zu erreichen, musste mit den Investitionen eine Rendite von wenigsten 16 Prozent erwirtschaftet werden.

Hoher Zinssatz kein ausreichendes Argument

Ein hoher Zinssatz ist nach Auffassung der OLG jedoch noch kein ausreichendes Argument, um auf die Erkennbarkeit der fehlenden Plausibilität des gesamten Konzepts schließen zu können. Zudem lagen Leistungsbilanzen der S&K mit über 16 Prozent Rendite, eine entsprechende Bescheinigung des TÜV Süd, ein Wirtschaftsprüfergutachten sowie mehrere Analysen/Ratings vor.

Das OLG befasst sich auch mit den Argumenten in Urteilen verschiedener anderer Landgerichte (LG), die teilweise anders ausgefallen sind. Darunter ist eine Entscheidung des LG Landshut, die bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte. Das LG Landshut hatte ein Sachverständigengutachten eingeholt, das die Plausibilität anzweifelte, und auf dieser Basis gegen den Vertrieb entschieden.

Widerspruch im Gedankengang des LG Landshut

Das überzeugt das OLG jedoch nicht. Im Gegenteil: Es sieht in dem Gedankengang des LG Landshut einen Widerspruch. „Es stellt sich damit die Frage, warum das Gericht zur Einschätzung der Plausibilität einerseits ein Sachverständigengutachten eines Universitätsprofessors für notwendig hält, andererseits aber von einem Anlageberater erwartet, die fehlende Plausibilität bereits ‚aufgrund allgemeiner Erwägungen’ erkennen zu können“, so das OLG.

Das LG Landshut gehört zum Bezirk des OLG München. “Die Argumentation des LG Landshut kann damit praktisch als ‘kassiert’ betrachtet werden,” so Jan C. Knappe, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Dr. Roller & Partner.

Die S&K-Gruppe aus Frankfurt war in die Pleite gerutscht, nachdem im Februar 2013 die Verantwortlichen im Rahmen einer spektakulären bundesweiten Razzia verhaftet worden waren. Später wurden sie nach einem Mega-Prozess zu langen Haftstrafen verurteilt. Es ging insgesamt um 240 Millionen Euro Anlegergeld. (sl)

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. also mir war sofort klar, dass es nicht funktionieren konnte, denn wenn die Versteigerung nur die Hälfte des Wertes bringt, wie kann dann der Wert für die Bewertung höher sein? Wert ist es was es bringt….nicht was ich drauf schreibe……PS ich habe nicht mal die Immobilien kaufen wollen (die sind in unserem Ort gewesen) , da ich sie als “Wertlos” erachtete….und so stellt es sich bis heute auch da…..

    Kommentar von Jemand der es wusste — 10. Januar 2018 @ 12:31

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

Incentives Zusatzkrankenversicherung – so bleiben sie steuerfrei

Viele Unternehmen sichern ihre Mitarbeiter mit sogenannten Zukunftssicherungsleistungen gegen allerlei Ungemach ab. Damit solche Gehaltsextras auch steuerfrei bleiben, kommt es auf die richtige vertragliche Gestaltung an.

mehr ...

Immobilien

Wohn-Riester: Das müssen Sie wissen

Bauherren und Käufer von selbstgenutztem Wohneigentum können sich bei einer Wohn-Riester geförderten Finanzierung oft Vorteile von mehreren Zehntausend Euro sichern. Dennoch lassen immer noch viele die staatliche Unterstützung ungenutzt. Oft aus purer Unwissenheit. Laut aktueller LBS-Riester-Umfrage haben sich mehr als 60 Prozent der Menschen noch nicht mit der Riester-Förderung beschäftigt, mehr als 40 Prozent wissen nicht, ob sie förderberechtigt sind.

mehr ...

Investmentfonds

Ende des Handelskriegs?

China wählt einen ungewöhnlichen Weg, um den Handelsstreit mit den USA zu beenden. Nach Berichten des Nachrichtenportals “Bloomberg” will das Land US-Waren kaufen, um das Defizit auszugleichen. Das Angebot sei bereits von Anfang Januar.

mehr ...

Berater

Recruiting: Mit Jobstory die Richtigen finden

Die Suche nach Mitarbeitern ist nichts anderes als die Suche nach einem Lebenspartner. Wie kann dieses Unterfangen erfolgreich gestaltet werden?

Gastbeitrag von Hans Steup, Versicherungskarrieren

mehr ...

Sachwertanlagen

Kapital in zehn Jahren fast verfünffacht

Die Paribus-Gruppe hat die Fondsimmobilie des SCM Capital GmbH & Co. KG Renditefonds V – Hamburg Wohnen sowie abgespaltene Grundstücksteile verkauft. Der Gesamtrückfluss an die Fondsanleger ist beachtlich.

mehr ...

Recht

BVI: Studie bestätigt Kostentransparenz bei Fonds

Der deutsche Fondsverband BVI bewertet die jüngste ESMA-Studie zu Kosten und Wertentwicklung von Finanzprodukten für Privatanleger positiv.

mehr ...