Cash. Hitliste der Maklerpools: Wie die Pools in die Zukunft blicken

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Hartmut Goebel, Germanbroker.net

Mittlerweile steigen auch in Deutschland die Inzidenzwerte wieder kontinuierlich an, die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich auch hierzulande aus. Was zwangsläufig zu der Frage führt, ob der Finanzvertrieb auch die kommenden Monate so gut überstehen wird wie das Jahr 2020.

Bei der Beantwortung dieser Frage dürfte die zunehmende Digitalisierung ein entscheidender Faktor sein, meint Jörg Haffner, Geschäftsführer von Qualitypool. „Die Krise hat Entwicklungen, die sich bereits vor Corona abgezeichnet hatten, noch einmal deutlich beschleunigt. Allen voran natürlich die Digitalisierung der Branche, die sich zuletzt insbesondere im Versicherungsgeschäft intensiviert hat“, sagt er und warnt: Die Kombination hoher digitaler Investitionskosten mit Einbußen im Pandemie-Verlauf aufgrund eines nicht ausreichend digitalisierten Geschäftsmodells könne dazu führen, dass einige Marktteilnehmer zunehmend an Boden verlieren. „Vieles wird vom weiteren Pandemieverlauf abhängen, den aktuell niemand vollständig abschätzen kann“, so Haffner.

Prognosen, wie sich die Kunden in den nächsten Monaten verhalten könnten, gibt es aber durchaus. Kritisch sei die Lage zum Teil im Privatkundensegment, sagt Hartmut Goebel, Vorstand von Germanbroker.net. „Kunden, die wegen Corona mit den Folgen von Kurzarbeit oder im schlimmsten Fall Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben, agieren in den nächsten Monaten sicher vorsichtiger. Sie werden grundsätzlich überlegen, ob und wenn ja an welcher Stelle eine finanzielle Investition im Moment sinnvoll ist.“ Eine größere Stornowelle sei jedoch bisher ausgeblieben, auch steige unter Umständen das Risikobewusstsein und damit verbunden die Bereitschaft zur Absicherung biometrischer Risiken. Gewerblich ausgerichtete Makler seien bisher ebenfalls vergleichsweise gut durch die Krise gekommen, so Goebel. „Davon teilweise ausgenommen sind Spezialmakler, insbesondere in den Geschäftsfeldern Reise, Gastronomie, Veranstaltungen, Taxi und Hotellerie.“ Bei einem weiteren Lockdown seien die Folgen für Branchen wie das Gastronomie- und Hotelgewerbe vermutlich verheerend, der Ausfall werde für die Finanzdienstleistungsbranche deutliche Folgen nach sich ziehen.

Deutliche Folgen für die Branche dürfte künftig auch das Thema Nachhaltigkeit haben – denn spätestens ab dem kommenden Jahr müssen Makler ihre Kunden auch zu deren Nachhaltigkeitspräferenzen befragen, was zu einem erheblichen Mehraufwand im Vertrieb führen wird. Dass sich der Finanzvertrieb durch diese gesetzgeberische Maßnahme grundlegend verändern wird, erwartet in der Branche aber kaum jemand. „Die Maßnahme verändert sicherlich die Rahmenbedingungen der Beratung, von größeren Auswirkungen auf die gesamte Branche ist aber nicht zwangsläufig auszugehen“, sagt Haffner. Das sieht Fonds-Finanz-Chef Norbert Porazik ähnlich, aus seiner Sicht wird es zu keiner fundamentalen Strukturänderung innerhalb des Vertriebs kommen: „Vielmehr wird es zu Anpassungen in der nachhaltigen Produktauswahl kommen, die durch die gesetzliche Transparenzverordnung nochmal deutlich beschleunigt wurde.“

„Courtagedeckel ist noch nicht vom Tisch“

Die Nachhaltigkeitsregulierung wird nicht die einzige gesetzgeberische Maßnahme bleiben, mit der sich die Branche künftig intensiv auseinandersetzen muss. Zwar kommt der Provisionsdeckel in der Lebensversicherung vorerst nicht und die Verlagerung der Aufsicht über Finanzanlagenvermittler auf die BaFin bleibt weiterhin aufgeschoben, doch es drohen neue regulatorische Maßnahmen nach der Bundestagswahl im September. Viele Pools blicken deshalb mit einer gehörigen Portion Skepsis nach Berlin. „Der Courtagedeckel ist trotz allem noch nicht vom Tisch. Je nach Wahlausgang im September wird es eher noch intensivere Diskussionen zum Thema Abschlusscourtage geben“, erwartet Goebel und nennt weitere Bereiche, in denen es zu regulatorischen Eingriffen kommen könnte: „In der Riester-Debatte werden Fragen aufgeworfen, ob sich das Produkt überhaupt noch lohnt – bis hin zur Abschaffung und den Ersatz durch staatliche Lösungen wie die Deutschlandrente. Auf EU-Ebene werden übergreifende Lösungen und eine einheitlich niedrigere Vergütung diskutiert.“ Auch der „Gespensterdebatte“ über die Bürgerversicherung drohe die Wiederbelebung, befürchtet er.

Wie sich die Pools in dieser Gemengelage behaupten können, wird Cash. in der Hitliste der Maklerpools im Jahr 2022 analysieren. Die Erwartungen jedenfalls sind weiterhin positiv: 95 Prozent der Pools rechnen mit steigenden Provisionserlösen.

Die Hitliste der Maklerpools finden Sie hier.

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