As Green As It Gets

Aber auch er freut sich über mehr Rückenwind für das Beratungsgeschäft. Differenzierter sieht es Bianca de Bruijn-van der Gaag, Leiterin Immobilienfinanzierung bei der ING Deutschland AG aus Frankfurt: „Möglicherweise schafft es der Aktionsplan, das Thema Nachhaltigkeit auf europäischer Ebene stärker zu vereinheitlichen, sodass alle über dasselbe sprechen und eine einheitliche Vorstellung haben. Dennoch geht alles viel zu langsam. Erst im Jahre 2050 Klimaneutralität für Europa erreichen zu wollen ist völlig unzureichend.“ Für Frederik Waller, Geschäftsführer der bessergrün GmbH, greift der Vorstoß indes zu kurz. „Die Politik müsste sich viel mehr um gesellschaftlichen Konsens kümmern. Das wäre wichtiger als Regeln zu schaffen.“

Das Wollen innerhalb der Gesellschaft muss es also wohl richten. Nicht erst seit der Fridays-for-Future-Bewegung ist zumindest die jüngere Generation dem Thema Nachhaltigkeit gegenüber aufgeschlossen. Allerdings würde sie laut einer Zurich-Studie nur auf nachhaltige Produkte setzen, wenn bei der Rendite nicht verzichtet werden muss. Der Anteil bei den Deutschen zwischen 18 und 35 Jahren pro nachhaltige Geldanlage liegt danach bei 75 Prozent, 20 Prozent würden sogar ausschließlich in nachhaltige Produkte investieren. Bei den Deutschen insgesamt liegt der Wert bei 15 Prozent.

„Noch gehört Nachhaltigkeit in den Augen der Verbraucher nicht zu den wichtigsten Kriterien bei der Entscheidung für ein Geldanlage- oder Altersvorsorgeprodukt. Viele Kunden nehmen es gern mit, wenn die Anlage nachhaltig ist, aber es ist nicht das oberste Ziel“, sagt Jacques Wasserfall, Vorstand Leben bei der Zurich Gruppe Deutschland. Insofern kann der Aktionsplan der EU-Kommission möglicherweise doch eine Initialzündung sein, sich mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit und Finanzen auseinanderzusetzen.

Im bisherigen Tempo wird es schwierig 

Abseits von klimaneutralen Verkehrsmitteln und Wohnkonzepten, deren Umsetzung noch völlig am Anfang steht, gibt es auch in anderen Bereichen noch reichlich Optimierungspotenzial. Erst jüngst veröffentlichte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erschreckende Daten. Der direkt mit Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen verbundene Energieverbrauch in Deutschland ist zwischen 2010 und 2017 um magere 4,7 Prozent von 12.320 auf 11.736 Petajoule zurückgegangen. Im Jahr 2017 trug überwiegend der Verbrauch von Mineralölen (36,0 Prozent), Gasen (27,4 Prozent) und Kohle (23,1 Prozent) zum emissionsrelevanten Energieverbrauch bei. Auf erneuerbare Energien, etwa Holz, Biodiesel oder Siedlungsabfälle entfielen 9,5 Prozent.

Treibende Kraft für den Rückgang des emissionsrelevanten Energieverbrauchs war die Kohle: Der Kohleverbrauch ging zwischen 2010 und 2017 um 10,9 Prozent zurück. Beim Verbrauch von Gasen und Mineralölen wurden im gleichen Zeitraum 4,6 beziehungsweise 1,9 Prozent eingespart. Den höchsten Anteil der emissionsrelevanten Energie (33,9 Prozent) verwendete im Jahr 2017 der Energiesektor, gefolgt von den privaten Haushalten mit 25,8 Prozent, und zwar vorrangig in Form von Gas oder Heizöl zum Betrieb von Heizungen und in Form von Otto- und Dieselkraftstoffen für die Nutzung von Personenkraftwagen. Darauf folgten das Verarbeitende Gewerbe mit 19,1 Prozent sowie die Verkehrs- und Lagerdienstleistungen, die den öffentlichen Personennahverkehr, innerdeutsche Flüge und weitere Transportdienstleistungen wie etwa den Gütertransport auf Straße, Schiene sowie in der See- und Binnenschifffahrt umfassen, mit 10,4 Prozent.

Zwischen 2010 und 2017 ging der emissionsrelevante Energieverbrauch im Energiesektor um 9,8 Prozent zurück, bei den privaten Haushalten um 8,0 Prozent. So schön diese Zahlen auch anmuten, schaut man genauer hin, wird es im bisherigen Tempo schwierig, die definierten Klimaziele zu erreichen. Es müssen also mehr Maßnahmen schneller ergriffen werden, um das ohnehin abstrakte Ziel Klimaneutralität in Europa bis 2050 tatsächlich zu erreichen. Dabei gilt: Alles hilft, auch der EU-Aktionsplan. (fm)

Foto: Shutterstock

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